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Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, während seiner Begrüßungsrede


Hauptredner des Abends: Armin Laschet, MdL, Stellvertretender Vorsitzender des CDU-Bundesvorstandes, Vorsitzender der Landtagsfraktion und der CDU Nordrhein-Westfalen



Prof. Dr. Klaus Kocks, Publizist und Unternehmensberater



Dr. Christiane Florin (l.), Autorin und Mitglied der Redaktion "Religion und Gesellschaft" beim Deutschlandfunk



Georg Löwisch, Chefredakteur der "taz"



Armin Laschet während der Podiumsdiskussion



Auf dem Podium wurde kontrovers diskutiert



Volle Reihen in der Bonner Akademie

Fotos: Volker Lannert
 
Am 11. Oktober 2016 fand unter dem Titel "Solidarität in Zeiten der Globalisierung: Krise eines Erfolgsmodells?" eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien statt. Unter der Moderation von Anja Bröker, Journalistin beim WDR, diskutierten Armin Laschet, Stellvertretender Vorsitzender des CDU-Bundesvorstandes und Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in NRW, Dr. Christiane Florin, Autorin und Mitglied der Redaktion "Religion und Gesellschaft" beim Deutschlandfunk, Georg Löwisch, Chefredakteur der "taz", und Prof. Dr. Klaus Kocks, Publizist und Unternehmensberater, über die Bedeutung von Solidarität in der nationalen, europäischen und weltweiten Politik sowie für unser tägliches Handeln.

Nach einer Begrüßung durch den Präsidenten der Bonner Akademie, Prof. Bodo Hombach, der betonte, dass in einer globalisierten Welt die Probleme nur gemeinsam gelöst werden könnten und dazu Solidarität "wieder in Mode kommen" müsse, hielt Armin Laschet eine einführende Rede. Er wies gleich am Anfang darauf hin, dass – wenn es sie nicht schon gäbe – die EU in der heutigen Zeit neu erfunden werden müsste. Zu sehr seien europäische und globale Politik mittlerweile von Egoismen dominiert; die Solidarität, die einer der Grundgedanken der Gründungsväter der Europäischen Union gewesen sei, würde mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt. Als anschauliche Beispiele ließen sich die innereuropäische Einstellung zum dauerhaft kriselnden Griechenland oder der 'Brexit' anführen. Solidarität sei kein Luxus einer Gesellschaft, sondern die Voraussetzung für ihr Funktionieren, betonte Laschet.

Anja Bröker hielt zu Beginn der Diskussionsrunde fest, dass Deutschland noch vor einem Jahr eines der offensten und solidarischsten Länder gewesen sei, heute aber zeigten sich "Ermüdungsbrüche" in dieser Solidarität. Armin Laschet stimmte dem zu und warnte vor Fremdheit und Angst, da diese die Solidarität hemmten; die Welt könne allerdings ohne Solidarität nicht funktionieren. Der syrische Asylbewerber, der den Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr in Leipzig festgesetzt und der Polizei übergeben hat, habe dies aus einem Gefühl der Dankbarkeit und der Solidarität mit dem Land getan, das ihn aufgenommen habe. Es dürfe für Schutzbedürftige, die Asyl suchend nach Deutschland kämen, keine Obergrenze geben; es sei unsere Pflicht, diese aufzunehmen.

Prof. Dr. Klaus Kocks konstatierte, Solidarität müsse beidseitig gelebt werden. Deutschland müsse sich mit Asylsuchenden solidarisch zeigen, diese müssten allerdings auch den Willen zur Integration mitbringen. Es bestünde aber in unserer Gesellschaft eine zunehmende Spaltung zwischen denjenigen, die angesichts von Veränderungen an Verlustängsten leiden würden und daher in Nostalgie ihren Ausweg sähen, und denjenigen, die auf ein positives Resultat der Zuwanderung hofften. Beide Gruppen gäbe es in der gesamten Gesellschaft und in jeder Partei. Die AfD, die ihre Anhänger bei den Enttäuschten aller Parteien findet und als Kollektiv bündelt, sei daher für unsere gesamte Gesellschaft eine ernste Bedrohung, so Prof. Kocks.

Als Lehrbeauftragte an der Bonner Universität berichtete Dr. Christiane Florin, dass selbst in ihren Lehrveranstaltungen die Solidarität der Studenten zurückgehe und eine "Einzelkämpfermentalität" auf dem Vormarsch sei. Wir müssten als Gesellschaft wieder lernen, über unseren Horizont hinauszublicken. Bereits in den 1990er Jahren habe es Anschläge in Rostock-Lichtenhagen gegeben; als eine Reaktion sei daraufhin das Asylverfahren geändert worden. Dies sei die falsche Herangehensweise, denn eine Partei wie die AfD profitiere heutzutage von einem Bedürfnis nach Grenzen, das viele Menschen in einer globalisierten Welt empfänden. Es sei die schweigende Mehrheit, die der lauten Minderheit ihre Macht verleihe.

Für Georg Löwisch ist Solidarität keine Frage des Ehrgeizes. Die EU sei mit einem Weitblick gegründet worden, der ihr in vielerlei Hinsicht heutzutage fehle. In Gruppierungen wie Pegida zeige sich ein Verlangen nach "Solidaritätskonsum": die dort gesendete Nachricht laute, dass man Solidarität lediglich empfangen, nicht aber geben wolle. Die Toleranz gegenüber der schutzbedürftig nach Deutschland kommenden Asylbewerber sei gesunken und auch die Kanzlerin versuche notgedrungen, die Frage nach Solidarität ihnen gegenüber "einzufrieren". Es sei unbedingt vonnöten, diese Mentalität zu durchbrechen.


Hier finden Sie den Veranstaltungsbericht des Bonner General-Anzeigers