Developed in conjunction with Joomla extensions.

Übernahm die thematische Einführung in die Veranstaltung: Botschafter a.D. Dr. Hans-Dieter Heumann


Prof. Dr. Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Mainz


Hans Kundnani (r.), Senior Transatlantic Fellow beim German Marshall Fund


Christian Gramsch, Direktor der DW-Akademie


Axel Voss MdEP (M.), stellvertretender Vorsitzender des Rechtsauschusses des Europäischen Parlaments


Moderator Prof. Dr. Dominik Geppert, Professor für die Geschichte der Neuzeit an der Universität Bonn


Blick auf das prominent besetzte Podium


Veranstaltung aus der Reihe "Krisen im Kontext" am 1. September 2016



 
Am 1. September 2016 fand die dritte und somit letzte Veranstaltung aus der Reihe "Krisen im Kontext" in der Bonner Akademie statt, die in Kooperation mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn ausgerichtet wurde. Zum Thema "Zwischen Hegemonie und Isolation – Europas Mitte und die neue deutsche Frage" diskutierten Hans Kundnani, Senior Transatlantic Fellow beim German Marshall Fund, Christian Gramsch, Direktor der DW-Akademie, Prof. Dr. Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der Universität Mainz, und Axel Voss MdEP, stellvertretender Vorsitzender des Rechtsauschusses des Europäischen Parlaments. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Prof. Dr. Dominik Geppert, Professor für die Geschichte der Neuzeit an der Universität Bonn.

Zu Beginn führte Botschafter a.D. Dr. Hans-Dieter Heumann in die Thematik ein. Der ehemalige Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik betonte die Wichtigkeit der Fragestellung. Gerade vor dem aktuellen Hintergrund der Flüchtlingsthematik und des Brexits sei die Deutsche Frage von besonderer Bedeutung. Prof. Dr. Andreas Rödder machte gleich zu Beginn deutlich, dass die Deutsche Frage weiterhin besteht und nicht mit dem Ende des Deutschen Reiches obsolet geworden sei. Die deutsche Machtposition in Europa würde heutzutage jedoch hauptsächlich ökonomisch definiert. Dies wäre in den Maastrichter Verträgen von 1992 manifestiert worden, zeige heute jedoch deutliche Schwächen auf. Die Uneinigkeit in Europa trete im Lichte der aktuellen Krise hervor und ließe die deutsche Politik schlecht dastehen; denn die deutsche Führungsrolle sei in der Eurokrise als zu legalistisch und herzlos, und in der Flüchtlingskrise als zu humanitär und rechtlos betrachtet worden. Gerade am letzten Beispiel zeige sich auch die Grenze deutscher Führung, denn obwohl man seit 1945 auf die Nachbarn eingegangen sei, tappe man immer wieder in die "Wahrnehmungsfalle", nach der man den Deutschen "nicht trauen könne", so Rödder.

Hans Kundnani analysierte, dass es in der Eurokrise einen neuen deutschen Triumphalismus gegeben hätte. Dieses Sendungsbewusstsein laute: "Am deutschen Wesen soll Europa genesen". Er folgerte daraus, dass es von vor 1945 bis heute durchaus Kontinuitäten in der deutschen Politik gäbe. Kundnani definierte die alte Deutsche Frage als militärisch und die neue Deutsche Frage als ökonomisch getriebene Fragestellung. Deutschland bewege sich im klassischen Falle zwischen Hegemonie und Gleichgewicht, was anhand der europäischen Krisen in den vergangenen Jahren jedoch eher in Richtung Hegemonie tendiert sei. Abschließend betonte er allerdings, dass Deutschland kein vollwertiger Hegemon sei, auch kein potentieller. Dementsprechend sollte man Deutschland auch nicht in diese Rolle drängen, sondern vielmehr eine Art "europäischen Kompromiss" schließen. Dies sei aber ebenso schwierig, da Deutschland die Richtigkeit seiner Politik nicht verhandeln wolle.

Vonseiten der Medien berichtete Christian Gramsch über seine Erfahrungen. Die internationalen Teilnehmer der DW-Akademie würden die Deutsche Frage gar nicht stellen, sondern vielmehr fragen, wann Deutschland denn nun endlich die Führungsverantwortung übernehme. Dabei definierte er Führung als ein Moment des Modernisierens, Inspirierens und Richtunggebens. Gerade durch die sich abzeichnende innere Erodierung Europas wünsche er sich einen starken deutschen Impuls, der neben den Wirtschaftsgütern auch Werte exportiert.

Der Europaabgeordnete Axel Voss berichtete, dass es im Europäischen Parlament keine Vorbehalte gegenüber Deutschland gäbe – zumindest in den großen Fraktionen. Am linken und rechten Rand seien hingegen durchaus Ressentiments spürbar. Er wies darauf hin, dass durch die Globalisierung Problemlagen und Ängste entstünden, infolgedessen nach Führung verlangt wird. Diese Rolle fiele Deutschland zu. Dabei kämen jedoch auch alte Denkmuster zum Vorschein, die eine deutsche Führung negativ betrachten. Dem könne man sich zwar nicht entziehen, sollte dies jedoch auch nicht bestärken. Voss verdeutlichte, dass in diesem Kontext die nach dem Brexit ausschließlich an die Gründerstaaten der Europäischen Gemeinschaft erfolgten Einladungen Deutschlands ein falsches Signal gewesen seien.

Hier die Veranstaltung als Audiodatei zum Mithören:

"Zwischen Hegemonie und Isolation" - Teil 1


"Zwischen Hegemonie und Isolation" - Teil 2