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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung zur Ukraine/Russland-Krise




Botschafter Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des BAPP-Forschungsbereichs „Strategische Fragen der Globalisierung“



Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth, früherer Botschafter
der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine




Prof. Dr. Andreas Heinemann-Grüder, Senior Researcher am Bonn International Center for Conversion (BICC)




Podium: Botschafter Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth, Prof. Dr. Martin Aust und Prof. Dr. Andreas Heinemann-Grüder (v.l.n.r.)






 
Am 9. Juni fand in der Bonner Akademie die Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Krisen im Kontext“ statt, die in Kooperation mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn ausgerichtet wird. Zum Thema „Die Ukraine/Russland-Krise und der Kampf um neue Einflusszonen“ diskutierten Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth, früherer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine, und Prof. Dr. Andreas Heinemann-Grüder, Senior Researcher am Bonn International Center for Conversion (BICC). Die Diskussionsrunde wurde von Prof. Dr. Martin Aust, Professor für Geschichte und Kultur Osteuropas an der Universität Bonn, moderiert.

In seiner Begrüßung stellte Botschafter Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des BAPP-Forschungsbereichs „Strategische Fragen der Globalisierung“, zunächst das Konzept der neuen Veranstaltungsreihe vor, welches sich zum Ziel gesetzt hat, profilierte Praktiker mit profunden Kennern der historisch-politischen Zusammenhänge ins Gespräch zu bringen und damit nicht nur einen Beitrag zum besseren Verständnis aktueller Krisen zu leisten, sondern auch Ansätze zu ihrer nachhaltigen Lösung aufzuzeigen.

In kurzen Impulsbeiträgen der Diskutanten ging zunächst Botschafter Dr. Hans-Jürgen Heimsoeth auf die Neuausrichtung russischer Politik ein, die – aus seiner Sicht – mit dem Streben nach neuen Einflusszonen einhergeht. Professor Andreas Heinemann-Grüder hingegen bewertete die Ukraine/Russland-Krise als eine „Krise der Kommunikation“, die Ausdruck einer bemerkenswerten „Ahnungslosigkeit auf allen Seiten“ sei. Der Politikwissenschaftler sieht den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland als eine geopolitische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ausprägungen an: So sei im Zuge des Konfliktes neben einer proeuropäischen Orientierung auch eine antiwestliche Haltung zu beobachten. Russlands Politik in der Ukraine werde verschieden interpretiert. Laut Professor Heinemann-Grüder glauben einige Beobachter, eine offensive außenpolitische Strategie der Russischen Föderation ausmachen zu können, während andere ein – von innenpolitischen Erwägungen getriebenes – situatives Reagieren der Entscheidungsträger in Moskau zu erkennen glauben. In der weiteren Diskussion ging Botschafter Dr. Heimsoeth auf die europäische Perspektive ein und gab zu verstehen, dass er der Europäischen Union keine beabsichtigte Beschleunigung der Assoziierungsgespräche mit der Ukraine unterstellen würde, die im September 2014 schließlich zu einem Abkommen führten. Professor Heinemann-Grüder betonte im Anschluss die Bedeutung des Prinzips der „Freiheit der Wahl“ für die Ukraine, die auch die Möglichkeit beinhalte, die Bindung des Landes an den Westen weiter zu verstärken. Zugleich erläuterte er die russische (Regional-)Politik, die in erster Linie darauf abziele, einen Regimewandel und demokratische Veränderungsprozesse zu verhindern. Heutzutage zeige sich das postsowjetische Russland als „revisionistische Macht“ und nicht mehr länger als konsensorientierte „Status-quo-Macht“.
 
Der Historiker und Moderator Professor Martin Aust warf am Ende der Podiumsdiskussion die Frage nach den Zukunftsszenarien für den Ukraine/Russland-Konflikt auf. Botschafter Dr. Heimsoeth sprach daraufhin von der anhaltenden Phase eines „heißen Krieges“, während Professor Heinemann-Grüder die Bezeichnung „frozen conflict“ wählte und beklagte, dass die bisherige Interaktionsdichte der Kommunikation zwischen der Ukraine und Russland unterbrochen worden ist. Hier sei angezeigt, dass wieder mehr Kommunikation zwischen den Konfliktparteien stattfinde, um den politischen Konflikt zwischen beiden Staaten einer Lösung zuzuführen.