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Der Veranstaltungssaal war bis auf den letzten Platz besetzt


Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, plädierte in seiner Begrüßungsrede für eine Intensivierung des Austausches mit China


Botschafter Shi Mingde nahm auch Stellung zu den aktuellen Wirtschafts- und Umweltproblemen in China


Rudolf Scharping, ehemaliger Bundesminister und Ministerpräsident sowie ausgewiesener Chinaexperte


Stefan Kornelius, Leiter des außenpolitischen Ressorts der Süddeutschen Zeitung


Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion


Prof. James D. Bindenagel, Leiter des Center for International Security and Governance, hielt das Schlusswort
 
Am 27. Januar war der Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland, Shi Mingde, bei der Kooperationsveranstaltung der Bonner Akademie und des Center for International Security and Governance im Bonner Universitätsforum zu Gast und referierte über "Entwicklung in China und die chinesisch-deutschen Beziehungen". An der anschließenden Diskussionsveranstaltung mit Botschafter Shi nahmen außerdem der ehemalige Bundesminister und Chinaexperte Rudolf Scharping und der Leiter des außenpolitischen Ressorts der Süddeutschen Zeitung, Stefan Kornelius, teil. Moderiert wurde die Runde von Auslandskorrespondentin Anja Bröker vom Westdeutschen Rundfunk.

In seiner Begrüßungsrede rief Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, zu einer verstärkten Verständigung zwischen China und der Welt auf. Als Beispiel für einen positiven Einsatz im Sinne der gesteigerten Kommunikation, auch mit unorthodoxen Mitteln, gab er anschaulich den Besuch des verstorbenen UNIECF-Botschafters Peter Ustinov in einem chinesischen Kindergarten im Reich der Mitte wieder. Dort habe sich dieser aufgrund seiner nicht vorhandenen chinesischen Sprachkenntnisse auf den Boden begeben und einen Hund nachgeahmt. Dieser, so Prof. Hombach, "kläffte mal fröhlich, mal traurig" und begeisterte mit seinem Spiel erst Kinder, dann Erzieherinnen und letztendlich die politischen Begleiter.

Zu Beginn seines Vortrags hob Botschafter Shi Mingde anschließend die großen Verdienste des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer für die deutsch-chinesischen Beziehungen hervor. Seine Weitsicht habe die Chinapolitik aller nachfolgenden Bundesregierungen maßgeblich geprägt. Auf diesem Fundament konnten stabile und über Jahrzehnte gewachsene politische Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgebaut werden.

Stellung nahm der Botschafter der Volksrepublik China auch zu den anhaltenden Umweltproblemen seines Landes. Zunächst bat er um Geduld, da das Reich der Mitte in den letzten 30 Jahren eine Entwicklung durchgemacht habe, für die andere Länder 150 Jahre benötigt hätten. Daher seien leider auch die Probleme aus 150 Jahren in diesem kurzen Zeitraum angefallen. Um dem entgegen zu wirken, setze China nun "auf eine nachhaltige und ökologische Entwicklung", die Zeit benötige. China wolle in Zukunft "nicht mehr so schnell wachsen" wie noch bis vor einigen Jahren, sondern setze ab jetzt viel stärker auf "Qualität und Effizienz".

Zum Abschluss seines Vortrages rief auch Shi Mingde zu einem noch stärkeren Dialog zwischen China und der restlichen Welt auf, da eine gesteigerte Kommunikation große Chancen für beide Seiten eröffnen würde. Diese Ansicht bestätigte auch Rudolf Scharping bei der anschließenden, von Anja Bröker moderierten Diskussionsrunde. Er forderte dazu auf, den Beziehungen zu China aus deutscher Sicht noch mehr Gewicht zu verleihen und eine vertiefte Partnerschaft einzugehen. Stefan Kornelius schloss sich der Meinung des früheren Bundesministers an und meinte, dass Deutschland sich als transatlantisch geprägte Gesellschaft möglicherweise umorientieren müsse, da durch die Verschiebung der internationalen Machtverhältnisse "die Vision einer sinozentrischen Welt" immer konkretere Formen annehme.

Wichtiges Thema der Podiumsdiskussion waren auch die Turbulenzen an der chinesischen Börse. Rudolf Scharping sagte, er "nehme die Börse in China wie ein großes Kasino wahr, nicht wie einen regulierten Kapitalmarkt". Stefan Kornelius hingegen führte die aktuellen Schwankungen vor allem auf eine starke Neusortierung der chinesischen Märkte zurück, hin zu einer qualitätsorientierten Wirtschaft, die immer weniger auf die Massenproduktion setze. Der Botschafter der Volksrepublik China meinte, dass die erst 1990 ins Leben gerufene chinesische Börse noch "ein Baby sei, das mehr Probleme habe als ein Erwachsener."

In seinem Schlusswort befürwortete Prof. James D. Bindenagel, Leiter des Center for International Security and Governance, den weltpolitischen Aufstieg Chinas. Er betonte die Rolle, die auch Deutschland bei diesem friedlichen Aufstieg spiele, um emotionale Überreaktionen bei der Verschiebung der internationalen Machtverhältnisse zugunsten Chinas auszubalancieren.