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Großes Interesse an einem Thema, welches immer weiter an Aktualität gewinnt


Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie


Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, während seiner Rede


Aiman A. Mazyek, Vorstandsvorsitzender des Zentralrats der Muslime


Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen


Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland



 
Nach wie vor gewinnt das Thema "Integration" in öffentlichen sowie politischen Diskussionen immer weiter an Aktualität und wird in Zukunft eine der wesentlichen gesellschaftlichen Herausforderungen darstellen. Aus diesem Grund veranstaltete die Bonner Akademie zusammen mit der Brost-Stiftung am 1. Dezember 2015 in Essen eine Diskussionsrunde, zu der sie Vertreter verschiedener Religionsrichtungen einlud, um die Rolle der Religion beim Integrationsprozess zu erörtern.

In seiner Begrüßungsrede betonte der Präsident der Bonner Akademie, Prof. Bodo Hombach, die Notwendigkeit eines interreligiösen Dialogs. Der Frieden könne nur durch Gemeinsamkeiten von Normen und Werten gesichert werden. In diesem Zusammenhang zitierte er den Theologen Hans Küng, der festhielt, dass dauerhaft "kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen" möglich sei. Die Unterschiede zwischen den Religionen sollten als Bereicherung gesehen und die Verantwortung zum allgemeinen Wohl gefördert werden. Mit dem Statement, "der Islam gehört zur Weltkultur und damit auch zu Deutschland", beendete Hombach seine Ausführungen.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Bistum Essen, warnte in seiner Rede vor Religionsmissbrauch, Generalverdächtigungen und Pauschalisierungen. Je nach Einsatz der Religion könne sie in jeder Gesellschaft sowohl ein Integrationshemmnis als auch eine Chance darstellen, womit Religion eine Art "Doppelgesicht" besitze. Des Weiteren unterstrich er die Wichtigkeit von festen institutionellen und gesellschaftlichen Strukturen zur Integrationsförderung.

Mit der Frage, wie das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen aus Sicht der Podiumsgäste aktuell aussieht, leitete Andreas Tyrock, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, die anschließende Diskussion mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Aiman A. Mazyek, Vorstandsvorsitzender des Zentralrats der Muslime, und Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen, ein.

Aiman Mazyek wies auf das positive Zusammenwirken von Muslimen und Christen in Gemeinden und Vereinen hin und äußerte den Wunsch nach mehr Unterstützung der Muslime durch die kirchlichen Institutionen und durch die Mehrheitsgesellschaft, um Misstrauen und Vorurteilen entgegenzuwirken. Abschließend betonte er die Wichtigkeit der differenzierten Berichterstattung und deren Bedeutung im Hinblick auf die gesellschaftliche und politische Meinungsbildung.

Bischof Overbeck deutete darauf hin, dass die Gesellschaft zukünftig nicht nur durch die religiöse Pluralität bestimmt wird, sondern auch von Nichtreligiosität bis hin zum Atheismus. Folglich ist ein entscheidender Faktor im Dialog die Akzeptanz und Anerkennung des Grundgesetzes für die diversen Gesellschaftsgruppen. Zuletzt betonte er, dass die Integration nur im Alltag gelingen kann und verdeutlichte in diesem Zusammenhang die Relevanz der Arbeitsmarkt- und Wohnungspolitik.

Das Thema Religion wird nach Meinung von Prof. Uslucan überstrapaziert. Er verlangte vor allem die Begegnung auf Augenhöhe auf allen Ebenen. Dies bedeutet gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt und an gesellschaftlichen Entscheidungen, politische Partizipation und gemeinsame Positionsbestimmung bei Zielen. Hierdurch werde Aufklärung gefördert und Ängsten entgegengewirkt.

Zum Abschluss der Diskussionsrunde unterstrich Präses Manfred Rekowski, dass man die aktuellen Herausforderungen mit Hilfe aktiver gesamtgesellschaftlicher Beteiligung bewältigen könne. Die entscheidende Frage sei dabei nicht, "ob wir es schaffen, sondern wie wir es schaffen."


Berichterstattung in der Presse:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Bistum Essen