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Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie

Tom Buhrow, Intendant des Westdeutschen Rundfunks

Béla Anda, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung

Juliane Leopold, Gründungschefredakteurin von BuzzFeed Deutschland

Moderator Dr. Alexander Kissler im Gespräch mit Tom Buhrow

Die Veranstaltung in der Deutschen Welle stieß auf großes Interesse
Über den Wandel der Medienwelt, die Entstehung neuer Medienformate in Zeiten der Digitalisierung sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten diskutierten am 2. Dezember 2015 in der Deutschen Welle der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow, Juliane Leopold, Gründungschefredakteurin von BuzzFeed Deutschland, sowie Béla Anda, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Alexander Kissler, Leiter des Kulturressorts "Salon" beim Magazin Cicero.

Die Begrüßungsrede von Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, begann mit einem Zitat von Sigismund von Radecki. Der deutsche Schriftsteller bezeichnete damals die Erfindung des Briefkastens als "epochale Wende der Kommunikation". Was damals sinnbildlich der Briefkasten war, sind in der heutigen Zeit Smartphone, Tablet & Co., so Hombach. Diese ermöglichen einen unkomplizierten, schnellen und fast überall verfügbaren Zugang zu Informationen, seien gleichzeitig aber "Ausfallstor für beliebige Mitteilungen – auch von Demagogen, Skandalierern und Kriminellen". Einige Entwicklungen in der Medienwelt können dabei durchaus kritisch betrachtet werden. So ginge zum Beispiel der redaktionelle Druck zur schnellen Veröffentlichung von Meldungen häufig auf Kosten einer sorgfältigen Recherche.

Tom Buhrow griff anschließend in seiner Rede eine der Ausgangsfragen der Veranstaltung auf, indem er die Bedeutung der Digitalisierung für die deutsche Medienlandschaft beleuchtete sowie auf die vermeintlichen Schwierigkeiten einging, mit denen sich die öffentlich-rechtlichen Sender aktuell konfrontiert sehen. In diesem Zusammenhang unterstrich er, dass die Unterscheidung, ob Medien im TV- oder Printgeschäft tätig sind, längst überholt sei. In Zeiten einer crossmedialen Ausrichtung seien sämtliche Medien zusammengefasst "im Informations- oder Kommunikationsgeschäft" tätig. Gerade diese crossmediale Ausrichtung sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der sogenannten klassischen Medien, die ohne das Aufgreifen dieses Entwicklungstrends auf Dauer zwangsläufig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren würden. Als Beispiel hierfür nannte Buhrow die Tatsache, dass "fast jedes Angebot des WDR eine eigene Social Media-Präsenz" habe, was mittlerweile eine ganz normale Erwartungshaltung vonseiten der Konsumenten sei.

Die folgende Diskussion eröffnete Dr. Alexander Kissler mit der Frage, ob durch die notwendige Vielschichtigkeit in der medialen Ausrichtung heutzutage nicht der eigentliche Markenkern einzelner Medien verloren ginge. Dem entgegnete Béla Anda, dass es sich dabei nicht um eine Entwicklung handele, die man als wirtschaftlich denkendes Unternehmen unterbinden könne – schließlich müsse man als Medium "dahin gehen, wo die Leser sind." Unterschiedliche Konsumenten verlangen halt unterschiedliche Angebote aus Print, Online usw. Juliane Leopold griff den kritischen und von der Pegida-Beweung wiederbelebten Begriff der "Lügenpresse" auf und erklärte, dass der Journalismus öffentlich schon immer angreifbar war sowie auch fortlaufend sein wird. Oder wie ein altes Sprichwort sagt: "Wenn du beliebt sein willst, werde kein Journalist."