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Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Andreas Rödder, Dr. Hans-Dieter Heumann, Dr. Helge Matthiesen und Hans-Dietrich Genscher (v.l.n.r.)

Hielt die Begrüßungsrede: Prof. Bodo Hombach

Hans-Dietrich Genscher nahm auch Stellung zu Themen der aktuellen Weltpolitik

Prof. Rödder (l.) im Gespräch mit Dr. Heumann (r.)

Als Gast durfte die Bonner Akademie unter anderen den früheren Bundesaußenminister Dr. Klaus Kinkel begrüßen (Bildmitte)
Der langjährige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher präsentierte am 30. September 2015 seinen Band "Meine Sicht der Dinge" in der Bonner Akademie. Das Buch entstand im Gespräch mit Dr. Hans-Dieter Heumann, Botschafter und Präsident a.D. der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Beide nahmen im Rahmen der Veranstaltung an einer Diskussionsrunde mit dem Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder teil. Die Moderation führte der Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, Dr. Helge Matthiesen.

Der Präsident der Bonner Akademie, Prof. Bodo Hombach, würdigte in seiner Begrüßungsrede das Buch als einen Anstoß für individuelles und kollektives Nachdenken angesichts der aktuellen Krisen in Europa, des Zerfalls des Nahen Ostens und der neuerlichen Verschiebbarkeit von Grenzen. Außerdem hob er die Ausgewogenheit der Aussagen von Hans-Dietrich Genscher hervor.

In der anschließenden Podiumsdiskussion standen insbesondere die Rollen Europas und Deutschlands als Akteure in der Weltgemeinschaft im Fokus. Bezüglich der Position der Bundesrepublik innerhalb der EU sprach Genscher von einer Schicksalsgemeinschaft ohne die das Land alleine in der Welt dastünde. Der Zustand der Union sei nicht von zu wenig Gesprächsbereitschaft gefährdet, sondern von zu viel Kommunikation über Banalitäten auf höchster Ebene. Dem pflichtete Prof. Rödder bei, indem er anmerkte, dass der Abgesang auf den Nationalstaat zu früh eingesetzt habe. Stattdessen erfuhr dieser nach 1990 eine Renaissance wie beispielsweise in China und dem Iran.

Dr. Heumann bezog sich auf Genschers Außenpolitik, die die Wichtigkeit Russlands zur Konfliktlösung anerkannt und sich bereits früh auf eine multipolare Weltordnung eingestellt habe. Hans-Dietrich Genscher sprach in diesem Zusammenhang von einer „Weltnachbarschaftsordnung“, die die Realität der Globalisierung abbilde. Ein solches System würde zukünftig von großen Staaten, wie den USA, China oder Russland, und regionalen Zusammenschlüssen in Asien, Afrika und Südamerika bestimmt werden. Inwiefern die Europäische Union als ein Akteur in dieser Ordnung auftreten könne, müsse sich noch erweisen.

Im Lichte der Spannungen zwischen der EU und Russland schlugen Genscher und Heumann vor, dass Deutschland den Vorsitz in der OSZE ab Januar 2016 nutzen solle, um neue Impulse für einen vertieften Dialog zur gegenseitigen Vertrauensbildung zu geben.