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Prof. Dr. Frank Decker, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld, Ludwig-Maximilians-Universität München



Mit Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld (Ludwig-Maximilians-Universität München) konnte die Bonner Akademie einen der großen Kenner von Politischer Wissenschaft und aktiver Politik begrüßen. In seinem Vortrag hob Prof. Weidenfeld die Bedeutung einer klaren, langfristigen Strategie für eine erfolgreiche europäische Politik hervor. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Ringvorlesung "Europas Ende – Europas Anfang" statt, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Zukunftsperspektiven der EU auszuloten und zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Decker und Prof. Dr. Jürgen Rüttgers (beide Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn) wird in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt.

Prof. Decker verwies in seiner Begrüßung darauf, dass die europäische Integration für Prof. Weidenfeld zu einem "Lebensthema" geworden sei. Ihn zeichne dabei nicht nur die Expertise eines angesehenen, durch seine vielfachen akademischen Positionen ausgezeichneten Politikwissenschaftlers aus, sondern auch sein großer Erfahrungsschatz als auf höchster Ebene agierender Politikberater.

In seinem Vortrag betonte Prof. Weidenfeld, dass die alten Begründungen der Integrationsentwicklung heute nicht mehr trügen. Stattdessen bedürfe es neuer Strategien, um eine Orientierung zu schaffen. Aus historischer Perspektive sei die Integration zugleich Erfolgsprojekt, Ausdruck pragmatischen Agierens sowie auch gezeichnet durch Krisen, die die Staatengemeinschaft regelmäßig erfassten. Diese hätten jedoch stets als Impuls zur Weiterentwicklung genutzt werden können. Zu den großen Problemen der kommenden Jahre zähle, die Legitimation der Europäischen Union zu sichern, ihre Transparenz zu erhöhen und eine klare Führungsstruktur zu schaffen. Auf thematischer Ebene würden ein politischer Rahmen für die Wirtschafts- und Währungsunion sowie das Voranbringen der gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu den primären Themen zählen. Um eine Zukunftsstrategie zur Bewältigung der gegenwärtigen Krise der EU zu entwickeln, müsse die politisch-kulturelle Komponente künftig eine deutlich größere Aufmerksamkeit erfahren.

Prof. Decker wies in der von ihm geleiteten Diskussion auf den Zusammenhang zwischen der sinkenden Wahlbeteiligung bei Europawahlen und das von Prof. Weidenfeld angesprochene Legitimationserfordernis der EU hin. Prof. Weidenfeld mahnte dazu die Notwendigkeit an, den Bürgern europäische Themen besser zu vermitteln. Zugleich unterstrich er die Bedeutung der Erklärungs- und Deutungshoheit von Problemlagen für deren Lösung. Die aktuelle Politik sei hingegen stark situativ geprägt und sollte sich daher wieder vermehrt einer größeren Strategie für das europäische Integrationsprojekt widmen.