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Prof. Dr. Volker Kronenberg, Wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie


Christian Wulff, Bundespräsident a.D.


Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie


Diskutierten über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland: Christian Wulff, Michael Krons und Prof. Bodo Hombach (v.l.n.r.)


Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn


Über 200 Gäste folgten der Diskussion in der Bonner Akademie.
„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ – Mit diesem Satz löste Bundespräsident a.D. Christian Wulff im Jahr 2010 innerhalb der deutschen Öffentlichkeit eine kontroverse und anhaltende Debatte aus. Über seine damaligen Beweggründe sowie sein heutiges Verhältnis zu dieser Aussage sprach er am 24. Februar 2015 vor über 200 Teilnehmern in der Bonner Akademie.

In einer kurzen Begrüßung ging Prof. Dr. Volker Kronenberg, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn sowie Wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie, noch einmal auf Wulffs berühmt gewordene Rede vom 20. Jahrestag der deutschen Einheit ein. Dabei unterstrich er die Bedeutung und die Aktualität der Passage über die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse – Anschläge von Paris, Entstehung des IS, Pegida-Demonstrationen – sei eine offene Positionierung gegenüber allen, die die Grundwerte der Bundesrepublik akzeptieren und befolgen, zwingend erforderlich – unabhängig von Religion und ethnischer Herkunft.

Im Anschluss führte der ehemalige Bundespräsident die Motive für das Halten seiner Rede am 3. Oktober 2010 aus. Den Ausgangspunkt bildete in diesem Zusammenhang der eigene biografische Bezug zum Thema: Die noch frischen Eindrücke von der Verfolgung anderer Religionen, die gleichzeitige Ankunft des Islams mit den vor knapp 50 Jahren sogenannten „Gastarbeitern“ in Deutschland sowie die wachsende Anzahl von Spitzenpolitikern mit muslimischen Migrationshintergrund waren dabei prägend. Gleichzeitig stand Wulff damals unter dem Eindruck der Debatte um das provokative Buch von Thilo Sarrazin, der er mit seiner Aussage zum Islam in Deutschland auf positive Weise begegnen wollte. „Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen, denn das mindert unsere kulturelle Vielfalt“, so Wulff. Mit Freude nehme er zur Kenntnis, dass der Satz, für den er von Teilen der eigenen Partei, aber auch von einzelnen Medien anfänglich oft kritisiert wurde, mittlerweile innerhalb der deutschen Gesellschaft und Medienlandschaft immer mehr zum Konsens wird.

Mit der Frage, ob nicht die Muslime anstatt des Islams zu Deutschland gehören würden, leitete der Moderator Michael Krons, Redakteur beim Fernsehsender Phoenix, die anschließende Diskussion mit Christian Wulff und Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, ein. Das frühere Staatsoberhaupt antwortete daraufhin, dass er vor allem die Religion sowie die von ihr ausgehenden ethnischen Bezüge und Prägungen in den Vordergrund stellen wollte. Prof. Hombach attestierte Wulffs Satz mittlerweile ein gewisses Eigenleben, da dieser in einer erstaunlichen Dynamik sowohl inner- als auch außerparteilich aufgenommen wurde und immer wieder aufs Neue zitiert werde. Dazu lautete Wulffs abschließendes Fazit: „Ich bin immer noch froh, diese Äußerung gemacht zu haben.“ Allerdings wolle er in diesem Zusammenhang nicht die Gefahren des islamistischen Fundamentalismus relativieren. In manchen Teilen der Welt stecke der Islam in einer tiefen Krise, eine Krise, wie sie das Christentum vor einigen Jahrhunderten ebenfalls durchmachte.

Die Veranstaltung endete mit einem Schlusswort des Rektors der Universität Bonn, Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, der sowohl auf die identitätsstiftenden Grundwerte als auch auf die kulturelle bzw. religiöse Verschiedenheit in Deutschland hinwies. Dieses schaffe ein Spannungsfeld, in dem wir durch Markierungen am Ende immer wieder zueinander finden.


Bericht des Bonner General-Anzeigers zur Veranstaltung