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Podiumsdiskussion - v.l.n.r.: Rainer Priggen, Andreas Tyrock, Roland Koch und Gabor Steingart 
Immer wieder werden Großprojekte kontrovers diskutiert und geraten in den Fokus der Medien – egal ob es sich um Stuttgart 21, den Berliner Flughafen BER oder das Bonner World Conference Center handelt. Zum Abschluss eines Forschungsprojektes veranstaltete die Bonner Akademie in Kooperation mit der KommunalAkademie der Konrad-Adenauer-Stiftung am 17.02.2014 im Bonner Universitätsforum eine Diskussionsrunde zum Thema  „Großprojekte in Politik und Wirtschaft – wie wird aus ‚gut gemeint‘ auch ‚gut gemacht‘?“.

Nach einer Begrüßung durch den Präsidenten der Bonner Akademie, Bodo Hombach, stellten die beiden wissenschaftlichen Leiter, Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Universität Rostock, und Prof. Dr. Volker Kronenberg, Universität Bonn, das Forschungsprojekt „Großprojekte in Politik und Wirtschaft als unternehmerische und politische Herausforderung“ vor. Roland Koch, Ministerpräsident a.D. und Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE, schilderte in seinem Vortrag anschaulich seine Erfahrungen und Ansichten zum Thema Großprojekte. Anschließend diskutierte er mit Reiner Priggen, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, und Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts. Der Chefredakteur des Bonner Generalanzeigers, Andreas Tyrock, moderierte die Diskussion.

Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie

 
Bodo Hombach: „Akzeptanzverlust von Großprojekten für die Infrastruktur“

In einem Grußwort führte Bodo Hombach in das Thema Großprojekte ein und beschrieb Gründe für deren Akzeptanzverlust. Einerseits „fahren viele Großprojekte gegen die Wand“, was das Misstrauen innerhalb der Bevölkerung steigere. Andererseits verzichte die Politik häufig auf Überzeugungsarbeit. Hombach unterstrich, dass sich die Bonner Akademie bei dem sensiblen Thema „nicht auf die eine oder andere Seite“ schlage. Die Untersuchungen zu diesem Bereich müssten außerdem mit der Entstehung neuer Großprojekte weiter fortgeführt werden.

Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Universität Rostock
Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke: „Großprojekte müssen lokale Identität respektieren“

Prof. Dr. Hennecke betonte, dass man Großprojekte zwar brauche, sie aber nicht nur ein Akzeptanzproblem hätten, sondern auch besser geplant und durchgeführt werden müssten. Dabei sei entscheidend, „wie Unternehmen und Behörden mit den Bürgern kommunizieren“ und die rechtliche Rahmenbedingungen ausgestaltet seien. Zudem seien vergangene Großprojekte häufig rücksichtslos mit dem historischem Kontext und der Atmosphäre eines Ortes umgegangen. Die Bürger seien meist einverstanden mit Großprojekte, wenn sie „die lokale Identität der Stelle respektieren.“

Prof. Dr. Volker Kronenberg, Universität Bonn
 
Prof. Dr. Volker Kronenberg: „Energiespeicherung ist Achillesferse der Energiewende“

Prof. Dr. Volker Kronenberg beschrieb die Kommunalebene als „zentral bei der Energiewende“. Sie sei oftmals entscheidend, ob Projekte realisiert würden oder nicht. Dabei könne es zu Konflikten mit übergeordneten Ebenen kommen auch wenn „die Entscheidungsträger der gleichen Partei angehören.“ Außerdem betonte er die Bedeutung der Energiespeicherung für den Erfolg der Energiewende und ging auf Fragen zur Durchführung von Bürgerbeteiligungen bei Großprojekten ein.

Roland Koch, Vorstandsvorsitzender der Bilfinger SE und Ministerrpäsident a.D.
Roland Koch: „kontinuierliche Dialogbereitschaft bei Großprojekten“

In einem kurzweiligen Vortrag stellte Roland Koch zunächst fest, dass in Deutschland die Bevölkerung die Risiken von Veränderungen meist höher einschätze als deren Chancen. Zudem hätten Projekte grundsätzlich Profiteure und Belastete. Deshalb sei eine „klare Zielsetzung unter Einbezug der Zielkonflikte“ und eine „operative Führung, die getroffene Entscheidungen durchsetzt“ für den Erfolg von Großprojekten unentbehrlich. Insbesondere über die Lastenverteilung müsse frühzeitig entschieden werden, so Koch. Darüber hinaus sei eine „kontinuierliche Dialogbereitschaft“ von großer Bedeutung, da sich die Kommunikations- und Informationsstruktur dramatisch verändert habe und komplexe Sachverhalte Verunsicherung in der Bevölkerung auslöse.

Rainer Priggen, Fraktionsvorsitzender BÜNDNIS 90/ Die GRÜNEN im Landtag NRW
Reiner Priggen: „Politik muss besser werden“

Bei der Durchführung von Großprojekten müsse Politik mehr kommunizieren und den „Dialogprozess früher beginnen“, so Reiner Priggen. Insgesamt müsse Politik bei der Durchführung von Großprojekten besser werden. Priggen ist sich sicher, dass „plebiszitäre Elemente zunehmen werden“ und ehrliche Alternativen zu geplanten Projekten vorgestellt werden müssten.




Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts
Gabor Steingart: „Bürger haben sich selbst ermächtigt, Verantwortung zu übernehmen“

Laut Gabor Steingart könnte die repräsentative Demokratie abgeschafft werden, da die Bürger „mehr Rechte als früher“ einfordern und „selbst entscheiden möchten.“ Steingart glaubt, dass Großprojekte die Eliten überfordere. Dementsprechend fordert er eine „Führung aus der Mitte“ anstatt von oben herab. Durch „mehr Bürgerbeteiligung werden die Produkte besser“, so Steingart.

Über 170 Gäste begrüßte die BAPP zur Veranstaltung
Roland Koch: „Bürger haben Anspruch auf konfliktbereite Politiker“

Bei der Planung von Großprojekten sei auch viel Handwerk erforderlich, um Abläufe effizient zu organisieren, hielt Roland Koch zum Ende der Diskussionsrunde fest. Beim Thema Bürgerbeteiligung warf er die Frage auf, wer überhaupt bei überregionalen Themen gefragt werden solle. Darüber hinaus hat er die Sorge, dass dadurch der Interessenausgleich nicht mehr funktioniere. Die Bürger hätten vielmehr „einen Anspruch auf risiko- und konfliktbereite Politiker“, die nach einer sachlichen Diskussion in der Lage sind Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.


Befragung von Bonner Studenten zum Thema Großprojekte

Bericht des Bonner General-Anzeigers zur Veranstaltung

Die Abschlusspublikationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier.