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Robert Misik, Essayist, Sachbuchautor und Videoblogger, Träger des österreichischen Staatspreises für Kulturpublizistik


Die Teilnehmer der Diskussionsrunde






Veranstaltungsort war die Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn





Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.
Am 8. Dezember fand zum Thema "Digitalisierung und Demokratie – Chance oder Risiko?" eine Diskussionsveranstaltung statt, die die Bonner Akademie in Zusammenarbeit mit der Akademie für Soziale Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung ausrichtete. Der Hauptreferent des Abends war Robert Misik, Essayist, Sachbuchautor und Videoblogger, Träger des österreichischen Staatspreises für Kulturpublizistik.

In seiner Begrüßung beschrieb Dr. Christian Krell, Leiter der Akademie für Soziale Demokratie, noch einmal die Meilensteine der digitalen Entwicklung und stellte ganz im Sinne des Themas die Leitfrage "Wie kann das Potential des Internets für mehr Demokratie genutzt werden?"

Prof. Dr. Frank Decker, Universität Bonn, warnte in seiner Einführung davor, die Erwartungen an direkte Demokratie allgemein und besonders im Internet zu überschätzen. Das Internet schaffe immer schnellere Entscheidungsprozesse, wohingegen die Bevölkerung eine zunehmende Sehnsucht nach Entschleunigung empfinde. Die immer wiederkehrende Forderung nach Transparenz und bedingungsloser Offenheit im politischen Prozess, die zum Beispiel die Piratenpartei stellt, sei nie näher definiert und konkretisiert worden. Darin sieht er auch den Hauptgrund für das Scheitern der Piraten.

Der Essayist und Blogger Robert Misik schilderte in seinem Vortrag, wie sich seine Hoffnungen auf mehr Demokratie durch das Internet in den letzten Jahren gewandelt hat. Bewusst überspitzt drehte er den Titel der Veranstaltung um und  fragte vielmehr: "Kann die Demokratie das Internet überleben?" Ihm bereite eine zunehmend radikalere Debattenkultur Sorge, die alles andere als demokratische Züge trage. Insbesondere das Phänomen "Shitstorm" zeuge eher von einer "Schwarmdummheit" als von einer Schwarmintelligenz, die sich im Netz tummele. Der Einfluss und die Monopolstellung großer Konzerne sei unbestreitbar und besorgniserregend. Hinzu käme, dass die früher hochgepriesenen direkten Kommunikationsmittel zunehmen zur Überwachung genutzt würden.

Valentina Kerst von d64 zeigte sich in der anschließenden Diskussion dennoch optimistisch. Man müsse die Entwicklungen im Internet auch in Zusammenhang mit einer allgemeinen Politikverdrossenheit stellen. Um den von Misik beschriebenen Herausforderungen zu begegnen, bedürfe es einer höherer Professionalisierung der Personen, die im oder mit dem Internet arbeiteten. Sie forderte die Schulung von Medienkompetenz auch für das Netz. Insbesondere junge Menschen müssten besser auf die Diskussionskultur in digitalen Plattformen vorbereitet werden.

Prof. Dr. Thorsten Faas, Universität Mainz, forderte zunächst generell eine bessere Begrifflichkeit. Oft bliebe das Thema Internet abstrakt. Es müsse besser erläutert werden, was an der Diskussionskultur im Netz wirklich neu ist, um die Auswirkungen und Möglichkeiten im politischen Diskurs analysieren zu können. Gleichzeitig müsse man vermehrt Projekte fördern, die die Menschen erfolgreich zu digitaler Partizipation anregen. Als Beispiel für solche "Leuchtturmprojekte" nannte er den Wahl-O-mat der Bundeszentrale für Politische Bildung. Der Politik müsse es gelingen, Inhalte und Themen auch im Netz spannend zu präsentieren und vermehrt Anreize für digitale Partizipation zu schaffen.