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Am 4. Oktober 2013 veranstaltete das Institut für Medienwissenschaft der Universität in Kooperation mit der Bonner Akademie eine Roundtable-Diskussion über den Online-Bundestagswahlkampf 2013 und die Internet-Strategien der Parteien auf lokaler Ebene. Regionale Kandidaten und Helfer in Wahlkampfteams berichteten über die Erfahrungen des Internet-Wahlkampfes 2013 auf Lokalebene. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Caja Thimm. 



Prof. Dr. Caja Thimm, Ulrich Kelber und Stefan Freitag (v.l.n.r.)
Ulrich Kelber sitzt bereits seit 2002 im Bundestag und gewann auch 2013 für die SPD das Direktmandat im Wahlkreis Bonn. Laut Kelber wurde Internet im Wahlkampf einerseits für die Vermittlung politischer Inhalte genutzt, andererseits koordinierte die Partei den Häuserwahlkampf und Parteiveranstaltungen über das Netz. Allerdings dürfe man sich zukünftig nicht ausschließlich auf das Internet fokussieren, weil gerade ältere Wahlkampfhelfer oftmals keinen Internetzugang haben. Auf Nachfrage von Prof. Dr. Thimm, ob die extensive Twitter-Nutzung zu viel Zeit in Anspruch nehme, entgegnete Kelber, er habe bezüglich der Sozialen Netzwerke über die Jahre eine gewisse Routine entwickelt, weshalb für ihn kein unverhältnismäßiger Mehraufwand entstünde.



Klaus Benndorf und Tobias Polley 
Laut Klaus Benndorf, Bonner Direktkandidat der Piratenpartei, müssten digitale Medieninhalte durch die „traditionellen“ Medien beworben werden. In Deutschland bräuchten beispielsweise Blogs – im Gegensatz zu den USA – noch immer die Erwähnung in Printmedien oder dem Fernsehen, um eine große Öffentlichkeit zu erreichen. Weil die Piratenpartei in diesem Jahr deutlich weniger mediale Berichterstattung erfuhr, musste die Partei den Wahlkampf fast ausschließlich online ausführen. Politische Inhalte konnten daher vor dieser Wahl nur einem kleineren Publikum übermittelt werden. Benndorf appellierte, den Online-Wahlkampf nicht mit Twitter gleichzusetzen, da nur vier Prozent der Deutschen Nutzer dieses Netzwerks seien. Für Journalisten sei Twitter jedoch ein probates und viel genutztes Medium, um pointierte Aussagen von Politikern zu erhalten.

 

Klaus Benndorf und Tobias Polley
Eine differenzierte politische Diskussion im Internet sei äußerst schwierig, so Tobias Polley, Mitglied im Wahlkampfteam der Bonner CDU. Wenn man sich inhaltlich eindeutig positioniere, folgten sofort Gegenmeinungen, woraus sich im schlimmsten Falle ein „Shitstorm“ entwickeln könne. Ulrich Kelber, der politische Auseinandersetzungen auf Twitter nicht scheut, sieht Social Media nicht als gänzlich neue Entwicklung, sondern lediglich als Verstärkung gesamtgesellschaftlicher Trends: So sei Twitter maßgeblich geprägt durch Zynismus und eine Infantilisierung der Inhalte. Des Weiteren herrsche in den Sozialen Netzwerken eine hohe Aggressivität. Außerdem definieren sich Social Media durch eine hohe Geschwindigkeit, die zwar gefährlich erscheint, jedoch auch nutzbringend eingesetzt werden könne. 



Ulrich Kelber und Stefan Freitag
Stefan Freitag aus dem Bonner Wahlkampfteam der Grünen, erklärte, seine Partei habe auf Bonner Ebene „keine richtige Online-Strategie gefahren“. Für eine systematische Nutzung hätten schlicht die Ressourcen und genügend freiwillige Helfer gefehlt. Die Diskussion über den „Veggie-Day“ führte Freitag als Paradebeispiel für die Gefahren der Sozialen Netzwerke an. Diese könnten zu „spill-over“-Effekten führen, wodurch (Minderheits-)Meinungen in die Traditionsmedien transformiert werden. Eine Reaktion auf diesen Prozess gestalte sich äußert schwierig. Die Parteien verfolgten daher die Vorgänge in den Sozialen Netzwerken sehr genau und müssten ständig mit erregten Diskussionen oder Diffamierungen rechnen. Twitter bezeichnete Freitag demzufolge als „neue Stimme der Straße“, der die Politik hohe Aufmerksamkeit schenkt.

Die Diskutanten waren der einhelligen Meinung, dass die Nutzung des Internets für politische Zwecke in Deutschland noch viel Potential biete, das auch bei der Bundestagswahl 2013 nicht vollständig abgerufen worden ist. Die Bonner Akademie wird auch in den kommenden Monat intensiv über der Rolle des Internets für die Politik forschen.