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Treffen der Delegation der Bonner Akademie mit Bill Keating, Kongressabgeordneter und stellv. Vorsitzender des Europa-Ausschusses (vierte Person von links)

 
Während in Deutschland noch heftig über die Energiewende diskutiert und gestritten wird, ist sie in den USA bereits in vollem Gange. Jenseits des Atlantiks hat die Entdeckung und Ausbeutung umfangreicher Schiefergasvorkommen insbesondere im Marcellus Shale im Osten des Landes eine bemerkenswerte wirtschaftliche und politische Dynamik in Gang gesetzt. Mit massiven privatwirtschaftlichen Investitionen ist es innerhalb weniger Jahre gelungen, einen neuen Industriezweig zu etablieren und die Energiepreise auf nahezu die Hälfte des europäischen Niveaus zu senken. Mittelfristig könnte die Schiefergasrevolution die USA sogar weitgehend unabhängig von Energieimporten machen.
 
Vor diesem Hintergrund besuchte eine Delegation der Bonner Akademie unter der Leitung ihres Präsidenten Bodo Hombach vom 24. bis 28. Juni die Vereinigten Staaten, um sich vor Ort ein Bild von der amerikanischen Energiewende zu verschaffen. Im Rahmen des BAPP-Forschungsprojektes „Großprojekte in Politik und Wirtschaft“, dessen einer wissenschaftlicher Leiter, Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke von der Universität Rostock, ebenfalls mitgereist war, war das Interesse dabei vor allem auf amerikanische Ansätze zur Umsetzung und Vermittlung der damit verbundenen – umfangreichen und vielfach kontroversen – Infrastrukturmaßnahmen gerichtet.


Hugh MacMillan von der Umweltschutzorganisation Food and Water Watch (zweite Person von rechts)


Die Delegation im Gespräch mit Tom Marino, Kongressabgeordneter von Pennsylvania (rechts)



Charles K. Ebinger, Brookings Institution (rechts)




Lunch mit Vertretern verschiedener Unternehmen aus Pittsburgh



Schiefergasfeld nahe Pittsburgh, Pennsylvania
In zahlreichen Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Washington, D.C. betonten die amerikanischen Experten insbesondere den ökonomischen Nutzen der unkonventionellen Gasförderung, der sich nicht nur in niedrigeren Energiepreisen, sondern auch in der Entstehung zahlreicher Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette und umfangreichen Investitionen in die lokale Infrastruktur niederschlägt. Dem gegenüber stellte Hugh MacMillan von der Umweltschutzorganisation Food and Water Watch die Umweltgefahren, die sich nicht nur durch mögliche Verunreinigungen des Trinkwassers, sondern auch durch den Austritt von Methangas ergäben. Akute Gefährdungen für die Bevölkerung seien jedoch, so Experten des Brancheninformationsdienstleisters IHS, durch technologische Innovationen und schärfere Regulierung inzwischen weitestgehend ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund gab sich auch der Kongressabgeordnete Tom Marino aus Pennsylvania, einem Schwerpunkt der Schiefergasindustrie, überzeugt, dass die Technologie von 99 Prozent der Bürger in seinem Wahlbezirk unterstützt würde.


Angesichts der allenthalben spürbaren Euphorie warnte Charles Ebinger, Wissenschaftler an der Brookings Institution, jedoch vor Selbstgefälligkeit angesichts der neu entdeckten Gasreserven und unterstrich die Gefahren einer Energiepolitik, die alles auf eine Karte setzt. Auch Experten des US-Außenministeriums betonten, dass sich auch eine von Energieimporten weitgehend unabhängige Supermacht weiterhin in globalen Krisenregionen, insbesondere im Nahen Osten, engagieren müsse.




 
Den Abschluss der Forschungsreise bildete der Besuch eines Schiefergasfeldes nahe Pittsburgh, wo sich die Bonner Delegation gemeinsam mit Vertretern der Regierung des Staates Pennsylvania ein eigenes Bild von den Bohrungen machen konnte. Von Vertretern des unabhängigen Center for Sustainable Shale Development ließ sie sich vor Ort zudem Sicherheitsrisiken und –Standards näher erläutern. Die getroffenen Vorkehrungen scheinen auch die lokale Bevölkerung zu überzeugen, welche, wie der örtliche Bürgermeister versicherte, vor allem das mit den Bohrungen verbundene massive Verkehrs- und Lärmaufkommen als Problem empfindet.

Insgesamt hat die Forschungsreise somit wichtige und vielschichtige Impulse geliefert, welche nun im Rahmen des Projekts „Großprojekte in Politik und Wirtschaft“ der Bonner Akademie ausgewertet und weiterverfolgt werden sollen. Zudem werden sie auch über die Berichterstattung der mitgereisten Journalisten führender deutscher Tageszeitungen Eingang in die hiesige öffentliche und politische Debatte finden.




Pressespiegel zur USA-Reise: