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Studentengruppe mit Raphael Neuner (3. v. l.) und Philipp Neuenfeldt (4. v. l.)
Soziale Netzwerke haben die politische Kommunikation in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert. Mit dem Forschungsauftrag, diesen Veränderungen nachzuspüren, fuhren drei Studenten der Universität Bonn in Begleitung von Manuel Becker M.A. im Auftrag von Bodo Hombach zwischen dem 18. und 20. März 2013 nach Berlin. Die Forschungsgruppe führte mehrere Interviews mit Kommunikationsberatern und politischen Praktikern.

Aus dem Bereich Public Relations/Public Affairs und Lobbyismus traf sich die Gruppe mit Axel Wallrabenstein, dem früheren Geschäftsführer der Jungen Union und nun Chairman der MSLGroup Germany sowie mit Raphael Neuner, früherer persönlicher Referent von Franz Müntefering, und dessen Kollegen Philipp Neuenfeldt von HERING SCHUPPENER Consulting. Die namhaften Kommunikationsberater erläuterten den Studenten anhand von anschaulichen Beispielen, wie Facebook, Twitter und Co. ihren konkreten Arbeitsalltag verändert haben bzw. wie sehr dieser durch die Sozialen Netzwerke dominiert wird. Grundsätzlich, so die Gesprächspartner unisono, böte das Web 2.0 hervorragende Möglichkeiten zur neuen Kommunikation zwischen Industrie und Kunden ebenso wie zwischen Politik und Wählern. Social Media koste wenig Geld und könne richtig eingesetzt ausgesprochen effektvoll wirken. Allerdings müssten Public Affairs-Entscheider auch die Neuen Medien verstehen lernen, um sie effektvoll einsetzen zu können. Nicht zu jedem Politiker passt dieses Medium. Zudem wies Axel Wallrabenstein auf den interessanten Umstand hin, dass kein einziger der DAX-30-Vorstände ein Twitterer sei.
 


Dr. Hans-Christian Crueger und Johannes Wolf (von links) im Gespräch mit den Exkursionsteilnehmern
Mit Facebook wird die eigene Parteibasis erreicht, Twitter eignet sich zum intellektuellen Schlagabtausch

Interviewpartner aus der Politik waren Dr. Hans-Christian Crueger und Johannes Wolf als Mitarbeiter des MdB-Büros von Johannes Vogel, dem arbeitsmarktpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion sowie die Piratin Julia Schramm, die in den vergangenen Jahren eine hohe medienpolitische Aufmerksamkeit für ihre Thesen und ihr Buch „Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin“ erhalten hat. Crueger und Wolf arbeiteten etwa Unterschiede der verschiedenen Social-Media-Plattformen heraus: Facebook sei für Politiker bisher eher ein Medium, um die eigene Parteibasis zu erreichen, twitter eigne sich hingegen hervorragend zum intellektuellen Schlagabtausch mit dem politischen Gegner. Außerdem müsse der twitternde Politiker über ein dickes Fell verfügen, da krakelende Kritiker sich nicht anders als in der herkömmlichen politischen Kommunikation naturgemäß immer lautstärker zu Worte meldeten als die schweigende zustimmende Mehrheit.

In einem Berliner Café mit Julia Schramm (rechts)
Ein Leben ohne Social Media wäre vorstellbar, aber ausgesprochen mühsam

Die Piratin Julia Schramm nahm sich ausführlich Zeit, um den Studenten ihre Erfahrungen mit den Medien in den vergangenen zwei Jahren zu schildern. Ein Leben ohne Social Media könne sie sich zwar prinzipiell vorstellen, empfinde es aber als ausgesprochen mühsam. Sie warb eindringlich für das von ihrer Partei vertretene Leitbild der „liquid democracy“, woraus sich ein kontroverser Dialog mit den Exkursionsteilnehmern entspannte.

Like-Button darf nicht mit substanzieller politischer Partizipation verwechselt werden

In den Interviews wurden auch immer wieder skeptische Töne deutlich: So dürfe etwa nicht vergessen werden, welch geringen Anteil an Publikum man bezogen auf das gesamte Wahlvolk mit den neuen Medien nur erreiche, wie sowohl Wallrabenstein als auch Neuner betonten. Darüber hinaus wurden auch die neuen Potentiale für die politische Partizipation teilweise eher gering eingestuft: Einen Like-Button zu klicken dürfe man nicht mit substanzieller politischer Partizipation verwechseln.

Die Ergebnisse der Exkursion werden Eingang in die Seminararbeiten der Studierenden sowie in die Forschungstätigkeit der BAPP finden.