Developed in conjunction with Joomla extensions.

Bodo Hombach und John Kornblum.
 
Obama wurde wieder gewählt. Was nun?

Über die transatlantischen Beziehungen, den erfolgreichen Wahlkampf und die innen- sowie außenpolitischen Herausforderungen für Obamas zweite Amtszeit diskutierten am 11. Dezember in der Bonner Akademie John Kornblum, von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Berlin, Professor Dr. Wolfram Hilz, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn, Dr. Jan Philipp Burgard, Journalist und USA-Experte sowie Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie.

Bodo Hombach: Die Weltpolizei hat Gründe, zu zweifeln     

Laut Bodo Hombach setzte sich Obama in einem zähen Kampf gegen die Opposition im Wahlkampf durch. Ihm sei es gelungen, Wähler zu mobilisieren und Erlösungshoffnungen zu wecken, mit dem Ziel eines „neuen Amerikas“. Jedoch stünde Obama vor Herausforderungen. Die Armut sei weit verbreitet, die Arbeitslosigkeit hoch und die Verschuldung steige. Der Fiscal Cliff verstärke diesen Trend.

In der Sicherheitspolitik wandle sich hingegen der Status des Weltpolizisten Amerikas. Dem Terrorismus ließe sich mit schierer militärischer Stärke nicht entgegentreten. Der Arabische Frühling entwickle sich in unerwartete Richtungen und die Atommächte Pakistan und Nordkorea rüsten weiter auf. „Der Weltpolizist hat Gründe, an sich selbst zu zweifeln“, so Hombach.

Hier können Sie die Rede von Bodo Hombach nachlesen.



John Kornblum, von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Berlin.
John Kornblum: Amerika befindet sich in einer Umstellungsphase

John Kornblum zufolge "geht es Amerika überhaupt nicht schlecht." Es befindet sich ihm zufolge lediglich in einer Umstellungsphase. Der Fiscal Cliff könne "halbwegs erfolgreich" überwunden werden, die Automobilindustrie sei nach wie vor stark und die amerikanische Wirtschaft könne ein Wachstum von 3% erwarten. Die allgegenwärtige Schwarzmalerei des Zustands Amerikas wies Kornblum zurück.

Das Konzept einer Verpflichtung Amerikas für Europa im Bereich der transatlantischen Beziehungen sieht Kornblum für beendet an: Europa sei nun an der Reihe, seine Strategie gegenüber Amerika grundlegend neu zu definieren.

Das Vertrauen der jungen Generation amerikanischer Außenpolitiker stehe und falle nun mit konkreten Ergebnissen – die Ergebnisse Europas seien derzeit aber eher dürftig, gerade mit Blick auf die Eurokrise, so Kornblum.
 
Professor Dr. Wolfram Hilz.
 
Prof. Dr. Wolfram Hilz: Amerikaner und Europäer wissen, dass sie zusammenarbeiten müssen

"Europa ist für die Amerikaner nicht mehr so wichtig wie früher, aber nach wie vor interessant", betonte  Professor Dr. Wolfram Hilz. So seien die Europäer immer noch ein "einigermaßen verlässlicher Kooperationspartner" für die Amerikaner. Gerade in der Sicherheitspolitik werde der Partner Europa benötigt. Das Verhältnis zum Iran könne von den Amerikanern zum Beispiel nicht im Alleingang geregelt werden, so Professor Dr. Hilz.

Zwar sei Europa momentan zerstritten und schwach, wenn jedoch Frankreich und Großbritannien wieder sicherheitspolitisch aktiv würden, könne Europa wieder stärker auftreten. "Europa ist für die Amerikaner der einzig mögliche und unersetzbare Partner", fasste Professor Dr. Hilz zusammen.


Dr. Jan Philipp Burgard
 
Dr. Jan Philipp Burgard: "Wunderwaffe Web"

Dr. Jan Philipp Burgard betonte die Bedeutung des Internets im amerikanischen Wahlkampf. Die "Wunderwaffe Web" habe eine massive Mobilisierung in der virtuellen Welt ermöglicht, welche sich in die reale Welt übertragen ließe.

Diese in Deutschland eher als Spielerei verschrienen modernen Techniken hätten entschieden zum Wahlsieg Obamas beigetragen. Dr. Burgard empfahl, vom amerikanischen Wahlkampf zu lernen und in Deutschland zu implementieren.