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Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie.



Dr. Joachim Stamp, stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW.


Prof. Dr. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts für Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung.


Der Blick aufs Podium: Dr. Joachim Stamp, Moderator Stefan Weigel und Prof. Dr. Heribert Prantl (v.l.n.r.).


Gelöste Stimmung auf dem Podium der Bonner Akademie.


Die Gäste um Prof. Bodo Hombach folgen der Diskussion auf der Bühne.


Dr. Joachim Stamp und Stefan Weigel in der Diskussion um integrationspolitische Herausforderungen.


Die Veranstaltung sorgte für großes Interesse beim Bonner Publikum.

Fotos: Volker Lannert

 
Wie man das Potenzial der praktischen Initiativen und Projekte vor Ort für eine ganzheitliche Integrationsarbeit nutzen kann, stand im Fokus des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“. Zu dessen Abschluss haben wir den Blick nun noch einmal über die konkreten Projekte und Maßnahmen im Ruhrgebiet hinaus geweitet und die Ergebnisse im Licht der gewandelten Rahmenbedingungen und der aktuellen politischen Debatte im Rahmen einer Abschlussveranstaltung diskutiert. Dr. Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW, und Prof. Dr. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts für Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, diskutierten dazu am 7. Dezember 2017 zum Thema „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Praktische Perspektiven auf eine kontroverse Debatte“ auf dem Podium. Stefan Weigel, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post, moderierte die Veranstaltung. 

Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, verwies auf die Spuren arabischer und islamischer Traditionen und Errungenschaften in unserer Kultur. Kein Computer funktioniere ohne die ,Null‘, auch Mozart, Lessing oder Goethe hätten sich von Fernost inspirieren lassen. Die, die heute Hass schüren, fänden sich auf beiden Seiten ganz unabhängig von der Religionszugehörigkeit auch deshalb müsse man Diskussionen um Islam und Sicherheit auseinanderhalten. Dennoch müssten wir gerade mit Blick auf die Moscheen, die hier gebaut werden und öffnen, weniger zurückhaltend sein und stärker kontrollieren, was in unserem Land gepredigt wird.

Die seit den Anschlägen von 11. September 2001 veränderte Debatte um den Islam und Muslime skizzierte Dr. Joachim Stamp im Anschluss. Seitdem seien diese Themen stärker mit Terrorismus verknüpft, Menschen dieses Glaubens würden zunehmend als Bedrohung wahrgenommen. Die Populisten hätten das wachsende Misstrauen geschickt aufgegriffen und auch die Medien hätten durch eine verzerrte Berichterstattung die Skepsis gestärkt. Gerade in diesem Zusammenhang sei es jedoch Aufgabe der Politik, sich klar zu positionieren, Ängste abzubauen und zu einer stärkeren Differenzierung in der Debatte beizutragen. Denn es gehe, so Stamp, weder um die Bibel oder den Koran, sondern stets um die Orientierung an unserem Rahmen, dem Grundgesetz.

Diese Aussage bestärkte auch Prof. Dr. Heribert Prantl im Anschluss in seiner Rede. Schließlich gehe es nicht darum, wieviel Islam zu Deutschland gehöre, sondern welcher. Jeder könne glauben was er wolle, solange er damit keinem anderen schade, das sei durch die Religionsfreiheit in unserem Land abgedeckt. Doch dort wo Grundrechte missachtet würden, ende auch die Religionsfreiheit. Weder radikaler Islamismus noch radikale Islamfeindlichkeit gehörten zu unserem Land. Im Einwanderungsland Deutschland gehe es darum, Heterogenität als Normalität nicht nur zu ertragen, sondern zu akzeptieren und zu respektieren, gleichermaßen den Neubürgern aber auch Rechte zu gewähren. Denn Integration könne auch nur so genannt werden, wenn beide Seiten sich bewegen: die Integrationsleistung der ,Altbürger‘ sei nicht durch den Besuch im türkischen Restaurant erbracht. 

In der anschließenden Diskussion zitierte Stefan Weigel eine forsa-Umfrage, die im Rahmen des Forschungsprojekts 2015 durchgeführt und 2017 zum Abschluss wiederholt und aktualisiert wurde. Demnach sei die Zustimmung zur Frage, ob der Islam zum Ruhrgebiet gehöre, in den letzten zwei Jahren um zehn Prozentpunkte gesunken. Dass die Akzeptanz des ,Islam’ sinke, bestätigte auch Dr. Joachim Stamp; doch alles was jahrzehntelang versäumt wurde, könne man nicht innerhalb weniger Jahre nachholen. Zudem gebe es grundsätzlich eine große Verunsicherung auf Grund der wiederholten Anschläge in Deutschland und Europa. Auch Prof. Dr. Heribert Prantl bestätigte diese Feststellung. Es gehe vor allem um das Gefühl des ,Fremden’, welches die Menschen zunehmend beunruhige. Vor allem der Islam sei mittlerweile zur Chiffre für alles Gefährliche geworden.

Gerade im Ruhrgebiet als eines der größten Ballungszentren in Europa manifestieren sich diese Probleme ganz besonders, so waren sich die Diskutanten einig. Dr. Joachim Stamp gab in diesem Zusammenhang auch einen Einblick in die integrationspolitische Planung in Nordrhein-Westfalen: Neben einem Einwanderungsgesetz gehe es auch darum, mehr Verbindlichkeit in der Integrationspolitik zu etablieren. Dafür, so versprach der Integrationsminister, werde man gerade für die konkrete Arbeit vor Ort auch die Forschungsergebnisse der BAPP einbeziehen.

Die Rede von Prof. Hombach zum Nachlesen.