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Veranstaltung aus der Reihe "Populismus auf dem Vormarsch?" am 11. Juli 2017



Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des Forschungsbereichs "Strategische Fragen der Globalisierung" der Bonner Akademie



Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Direktor des Willy Brandt Zentrums für Deutschland- und Europastudien sowie Leiter des Lehrstuhls für Geschichte an der Universität Wrocław



Adam Krzemiński, Redakteur in der Abteilung Politik der polnischen Wochenzeitschrift Polityka



Henryk Jarczyk, Leiter des ARD-Hörfunkstudios in Warschau



Moderator Patrick Leusch, Leiter des Global Media Forums der Deutschen Welle



Die Veranstaltungsreihe "Populismus auf dem Vormarsch?" wird zusammen mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle durchgeführt
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Populismus auf dem Vormarsch?", die von der Bonner Akademie gemeinsam mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle organisiert wird, wurde am 11. Juli 2017 eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: "Rettung in national-religiöse Heldenmythen? Polen unter der PiS" veranstaltet. Unter der Moderation von Patrick Leusch, Leiter des Global Media Forums der Deutschen Welle, diskutierten Henryk Jarczyk, Leiter des ARD-Hörfunkstudios in Warschau, Adam Krzeminski, Redakteur der polnischen Wochenzeitschrift Polityka, und Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Direktor des Willy Brandt Zentrums für Deutschland- und Europastudien sowie Leiter des Lehrstuhls Geschichte an der Universität Wrocław. Die Podiumsgäste skizzierten die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen in ihrem Land und warfen zudem einen kritischen Blick auf die populistischen Strömungen.
 
In seiner Begrüßung und Einführung betonte Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des Forschungsbereichs "Strategische Fragen der Globalisierung" der Bonner Akademie, dass der Populismus - entgegen den eigenen Postulaten - den nationalen Interessen eines Landes meist schade. Als Beispiel führte er den Brexit an, der Großbritanniens Rolle im Zusammenhang mit der fortschreitenden Globalisierung fundamental geschwächt habe. Ein Blick auf die zurückliegenden Wahlen des Jahres 2017 in Europa zeige zudem, dass vor allem pro-europäische Kräfte gewonnen haben, wie etwa in Frankreich oder in den Niederlanden. In Polen hingegen gebe es ein Erstarken des Nationalismus. Die abschließende Frage Dr. Heumanns lautete daher, "warum schließt sich Polen nicht an?"
 
In der anschließenden Diskussionsrunde wurde erneut die europäische Thematik aufgegriffen, indem Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz festhielt, dass die Politik der polnischen Regierung gemeinsam mit dem Versuch, „eine Alternativvorstellung von Europa zu etablieren“, zu einer Isolierung des Landes in der Europäischen Union führe.
 
Adam Krzeminski zeigte anschließend eine Spaltung der polnischen Bevölkerung auf. Diese lasse sich in zwei Gruppen aufteilen: Jene, die mit der finanziellen und wirtschaftlichen Situation klarkommen, und jene, die dies nicht tun. Dennoch schaffe es die PiS, Menschen aus beiden Gruppen zur Wahl zu mobilisieren, unter anderem durch das Ausspielen und die Wiederbelebung nationaler Mythen des 19. Jahrhunderts. Auch die Inszenierung der Religion spiele beim Stimmenfang eine tragende Rolle, da die Kirche als Schutz- und Identitätsgeber fest im nationalen Bewusstsein verankert sei. Eine niedrige Wahlbeteiligung gebe es zudem in Polen schon seit langer Zeit, so Krzeminski, wovon die PiS ebenfalls profitiere.
 
Daran anknüpfend kritisierte Henryk Jarczyk, dass abgesehen von der PiS keine der Parteien ausreichend auf die Wähler zugehe, und attestierte den Polen zudem das allgemein herrschende Gefühl "nichts ausrichten zu können", was der Grund für eine geringe politische Partizipation in der Bevölkerung sei. Dem widersprach Krzeminski, indem er Demonstrationen der Bürger als Gegenargument aufführte. Im Anschluss wurden von Jarczyk neben einer seit 2015 zunehmenden ausländerfeindlichen Stimmung überdies anti-deutsche Tendenzen in Polen festgestellt. Krzeminski stimmte letzterem nur zum Teil zu: "Die PiS spricht die Sprache des deutsch-polnischen Gegensatzes seit einigen Zeiten. Dennoch wissen sie, dass Deutschland der wichtigste Nachbar ist."