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Übernahm die Begrüßung: Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des Forschungsbereichs "Strategische Fragen der Globalisierung" der Bonner Akademie.



Dr. Alexandra Föderl-Schmid von der österreichischen Tageszeitung 'Der Standard' hält es mittlerweile nicht mehr für möglich, die FPÖ aus dem politischen Diskurs auszuklammern.



Prof. Dr. Anton Pelinka, Professor an der Central European University in Budapest, sieht beim Populismus eine "Flucht aus der Komplexität".



Dr. Andreas Koller, Stellv. Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, erkennt in der FPÖ unter anderem ein Sammelbecken für "Modernisierungsverlierer".



Patrick Leusch, Leiter des Global Media Forums der Deutschen Welle, moderierte die Veranstaltung.



Die österreichischen Podiumsgäste gaben einen interessanten und detaillierten Einblick in die aktuellen Entwicklungen in ihrem Land.



Die Veranstaltungsreihe "Populismus auf dem Vormarsch?" wird zusammen mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle durchgeführt.
Zusammen mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle organisiert die Bonner Akademie die Veranstaltungsreihe "Populismus auf dem Vormarsch?", um das Phänomen populistischer Politik einer differenzierteren sowie länderspezifischen Betrachtung zu unterziehen, welche auch die unterschiedlichen Triebkräfte und Gegenstrategien in den Blick nimmt. Den Auftakt machte am 30. Mai 2017 eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Wie der Rechtspopulismus salonfähig wurde: Der Fall Österreich". Die österreichischen Podiumsgäste gaben dabei einen interessanten und detaillierten Einblick in die aktuellen Entwicklungen in ihrem Land.
 
In seiner Begrüßung hielt Dr. Hans-Dieter Heumann, Leiter des Forschungsbereichs "Strategische Fragen der Globalisierung" der Bonner Akademie, fest, dass in Österreich eine immer stärker werdende Gegenbewegung zum populistischen Trend der letzten Jahre spürbar sei, die sich bereits im Ausgang der Bundespräsidentenwahl 2016 gezeigt habe. Mit Blick auf US-Präsident Trumps Leitspruch, "America first", sieht Dr. Heumann ein Ende des bisherigen amerikanischen Selbstverständnisses, Führungsmacht des Westens sein zu wollen. Das sich auftuende Vakuum gelte es nun vor allem in Europa strategisch zu füllen, wobei man das Feld hier nicht den Populisten überlassen dürfe.
 
In der anschließenden von Patrick Leusch, Leiter des Global Media Forums der Deutschen Welle, moderierten Diskussionsrunde erklärte Dr. Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin und Mit-Herausgeberin der österreichischen Tageszeitung 'Der Standard', die FPÖ würde momentan nicht weiter erstarken. Ein Grund hierfür liege beim Parteichef Heinz-Christian Strache, der mit seiner extrem populistischen Art auch immer wieder ins Lächerliche abdrifte und daher keine geschlossene Anerkennung innerhalb der potenziellen FPÖ-Wählerschaft finde. Aus Sicht von Dr. Föderl-Schmid ist es mittlerweile nicht mehr möglich, die FPÖ aus dem politischen Diskurs auszuklammern. Mit kontinuierlich hohen Umfragewerten von um die 30% sei die Partei heutzutage ein wesentlicher Faktor im politischen System. Die um die Jahrtausendwende von den anderen Parteien verfolgte "Strategie der Entzauberung" sei somit nur kurzfristig geglückt.
 
Für Prof. Dr. Anton Pelinka, Jurist und Politikwissenschaftler, Professor an der Central European University in Budapest, zeichne sich der Populismus vor allem durch eine "Flucht aus der Komplexität" aus, da die Stimmführer und Programme der Parteien vermeintlich einfache Antworten auf eine steigende Anzahl von Problemen und Fragestellungen in einer immer komplexer werdenden Welt offerierten. Die FPÖ gehe in bestimmten Punkten strategisch klug vor und werde beispielsweise durch den Faktor begünstigt, dass sie einen relativ schlanken und günstigen Parteiapparat habe, wodurch ihr Budget für Wahlkämpfe vergleichsweise hoch sei. Die Partei gebe sich in ihrer Kommunikation betont jugendnah, setze verstärkt auf Social Media und neueste Wahlkampftrends. Bei den Zustimmungswerten für die FPÖ gebe es laut Prof. Pelinka starke vom Bildungsgrad abhängige Unterschiede. So gäben lediglich 2% der österreichischen Hochschulabsolventen ihre Stimme der FPÖ.
 
Dr. Andreas Koller, Stellv. Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, erkennt in der FPÖ unter anderem ein Sammelbecken für "Modernisierungsverlierer", die die Tendenz hätten, sich gegen klassische demokratische Werte zu wenden. Die guten Umfragewerte und die positiven Wahlergebnisse der vergangenen Jahre habe auch bei den anderen Parteien, wie z.B. bei ÖVP und SPÖ, einen gewissen Rechtsruck ausgelöst. Dadurch sei Österreich auch in der Wahrnehmung der europäischen Öffentlichkeit mehr und mehr zu einem EU-Skeptiker geworden, so Dr. Koller.