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Norbert Blüm präsentierte am 30. November 2017 Ausschnitte aus seiner neuesten Veröffentlichung



Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung berichtete unter anderem von seiner Zeit in der Politik



Im Anschluss an die Lesung sprach Blüm mit GA-Chefredakteur Dr. Helge Matthiesen über die zentralen Aussagen seines Buches



Das Cover des neuen Buches von Norbert Blüm: "Verändert die Welt, zerstört sie aber nicht: Einsichten eines linken Konservativen"



Die Veranstaltung wurde zusammen mit dem Bonner General-Anzeiger ausgerichtet


Fotos: Benjamin Westhoff
In Kooperation mit dem General-Anzeiger konnte die Bonner Akademie am 30. November 2017 Norbert Blüm begrüßen. Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung präsentierte Ausschnitte aus seiner neuesten Veröffentlichung "Verändert die Welt, zerstört sie aber nicht: Einsichten eines linken Konservativen". Anschließend sprach er mit GA-Chefredakteur Dr. Helge Matthiesen über die zentralen Aussagen seines Buches, ging auf aktuelle welt- und bundespolitische Entwicklungen ein und plauderte über alte Bonner Zeiten.

Als Einstieg wählte Norbert Blüm eine der prägendsten Erinnerungen in seinem Leben: den Zweiten Weltkrieg, den er als Kind bewusst miterlebt hat. So sei die längste Wanderung seiner Kindheit 30 Schritte lang gewesen, als das Haus des damals Achtjährigen von einer Brandbombe getroffen wurde und er sich über die Straße in den Luftschutzkeller des nahegelegenen Opelwerkes retten musste. Dabei hat sich bei ihm der Satz eingeprägt, dass Krieg das Schlimmste sei, das einem Menschen passieren könne. Eine derart lange Phase des Friedens, die nun schon seit über 70 Jahre andauere, habe es in Deutschland in der Form noch nie gegeben. Zu dieser Entwicklung habe wesentlich beigetragen, dass man sich vom Nationalismus verabschiedet und seine Zukunft in Europa gesucht habe. Die Brücke in die heutige Zeit schlagend, teilte Blüm mit dem Publikum seine Sorge vor einem wieder erstarkenden Nationalismus. Gegen diesen müsse man kämpfen und zwar, indem man sich wieder für große Ideen und pragmatische Lösungen einsetze.

Daraufhin machte Blüm einen Sprung in den Sommer 1987, als er nach Chile reiste, um sich über die vor Ort herrschenden Menschenrechtsverletzungen zu informieren, wozu er auch mehrere Gespräche mit Opfern führte. Bei einem persönlichen Treffen mit dem damaligen Diktator Augusto Pinochet setzte er sich für verfolgte Regimegegner ein und kritisierte Pinochet und seine Militärdiktatur deutlich. Er erhielt dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – von Pinochet das Angebot, 16 Todeskandidaten durch Asylgewährung in Deutschland zu retten. Für den mittlerweile 82-Jährigen war dies ein Schlüsselmoment, der ihm verdeutlichte, was man alles erreichen könne, wenn man sich für etwas mit vollem Engagement einsetze.

Angesprochen auf die aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Herausforderungen erläuterte der frühere Bundesminister erneut seine Befürchtungen vor einem Wiedererstarken nationalistischer Tendenzen. Diese hätten keine wirklichen Lösungen für die großen, anstehenden Fragen, sondern verkauften nur ein Rollback in eine "Pseudo-Sicherheit". Laut Blüm bräuchten wir sowohl mehr Europa als auch mehr regionale Identität mit entsprechenden Kompetenzverlagerungen seitens des Nationalstaates. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise appellierte er für mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit. "Wenn 500 Millionen Europäer keine 5 Millionen Flüchtlinge aufnehmen können, dann kann man den Laden dicht machen", so Blüm. Auf die Frage von Dr. Matthiesen, was Blüm von der schwierigen Regierungsbildung in Berlin halte, entgegnete dieser, dass er weder eine Große Koalition, eine Minderheitsregierung noch Neuwahlen für erstrebenswert halte. Von den genannten Optionen halte er die Große Koalition jedoch – auch was den Faktor der Stabilität angeht – für "das kleinste aller Übel."