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Prof. Dr. Volker Kronenberg, Leiter des Forschungsprojekts "Bürger, Demokratie & Politik – Die repräsentative Demokratie in der Akzeptanzkrise?"




Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)




Emilie Reichmann, Leiterin "Programm Zukunft der Demokratie" bei der Bertelsmann Stiftung




Die YouTuberin Lisa Sophie alias "It's Coleslaw"




Viele Studentinnen und Studenten besuchten den Workshop im Hauptgebäude der Universität Bonn
 
Wie steht es um das Verhältnis zwischen Jugend und Politik? Dies war am 10. Oktober 2017 die zentrale Frage, mit der sich der im Rahmen des Forschungsprojekts "Bürger, Demokratie & Politik – Die repräsentative Demokratie in der Akzeptanzkrise?" stattgefundene Workshop "Fokus politische Bildung: Jugend und Politik" befasst hat. Seine Einführung begann Projektleiter Prof. Dr. Volker Kronenberg daher auch genau mit dieser Frage. Diese sollte mit den geladenen Gästen diskutiert werden, wobei insbesondere darauf eingegangen werden sollte, wie die Jugend wieder mehr für die Politik begeistert werden könne, da eine höhere Politisierung der Jugendlichen einherginge mit einem nach wie vor hohen Misstrauen gegenüber klassischen Parteien.
 
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und die jeweiligen Landeszentralen stehen für Thomas Krüger, Präsident der bpb, im Jahr 2017 vor dem Problem, dass klassische Bildungsarbeit in Zeiten zunehmender Fluidität und gesellschaftlicher Mobilität nicht mehr zeitgemäß sei. Der Beutelsbacher Konsens müsse neu gedacht werden, um einerseits diesen engen Grenzen gerecht zu werden, andererseits aber auch neue Trends mit abzugreifen. Die Bundeszentrale versuche sich daher zunehmend an neuen Methoden und setze verstärkt auf sogenannte "Influencer", also prominente Persönlichkeiten (wie z.B. im Bereich YouTube), um möglichst großflächig Jugendliche zu erreichen und ihrem Auftrag der politischen Bildung nachzukommen.
 
In ihrem Vortrag stellte Emilie Reichmann, Leiterin "Programm Zukunft der Demokratie" bei der Bertelsmann Stiftung, eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Thema Populismus und Wahlen ("Populäre Wahlen") vor und bezog sich insgesamt auf Erkenntnisse, die spezifisch junge WählerInnen betreffen. So sei die "Spreizung", also der Abstand zwischen den Wahlbeteiligungen in dem Bezirk mit der höchsten und mit der geringsten Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl, zurückgegangen, was auf einen "AfD-Effekt" zurückzuführen sei. Besonders interessant war die Erkenntnis, dass vor allem die sogenannten "Berufsaktiven" Menschen zwischen 21 und 29 Jahren zu populistischer Stimmabgabe tendierten, während die Jugendlichen bis 21 Jahre nicht so stark zur AfD abgewandert seien. Allerdings sei in dem Segment die Wahlbeteiligung am geringsten und müsste durch Maßnahmen wieder gesteigert werden. Hierbei bezog sich Reichmann auf einen Acht-Punkte-Plan der Bertelsmann Stiftung, welcher unter anderem auch die allgemeine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre fordert.
 
In ihrem Referat bezog sich die YouTuberin Lisa Sophie, YouTube-Kanal "It's Coleslaw", vornehmlich auf das Medium der digitalen Videobranche. Anhand des Beispiels "#DeineWahl" – einem Format, für welches sowohl Martin Schulz als auch Angela Merkel von verschiedenen YouTubern interviewt wurden – zeigte sie auf, dass sich so die Spanne zwischen Jugendlichen, welche vornehmlich YouTubern ihr Vertrauen schenkten, und der Politik überbrücken ließe. Zwar befänden sich die Formate noch im Anfangsstadium, sie selbst sieht in derartigen Social-Media-Projekten jedoch eine große Chance, junge WählerInnen zu inkludieren; auch, da Formate wie das Kanzlerduell im Fernsehen ungeeignet seien, junge WählerInnen zu erreichen.
 
In der abschließenden Diskussion mit "It's Coleslaw" und Emilie Reichmann kamen verschiedene Anmerkungen aus dem Publikum. Zunächst wurde gewarnt, YouTube-Formate und in erster Linie Bildungsarbeit über Social-Media-Kanäle stünden in der Gefahr, ins Inhaltsleere abzudriften und somit das Ziel der politischen Bildung zu verfehlen. Eine mögliche Lösung sei laut "It's Coleslaw", das Angebot zu diversifizieren und sich in vielen kurzen Formaten mit Inhalten dezidiert auseinanderzusetzen. Auf die Frage nach besseren und schlechteren Teilen des Acht-Punkte-Plans der Bertelsmann Stiftung wurde angemerkt, dass keiner der acht Punkte für sich genommen ausreichend sei, die Wahlbeteiligung bei jungen WählerInnen zu steigern, weswegen alle Punkte zugleich angegangen werden müssten. Ein letzter Punkt bezog sich auf die Zukunft der Parteien im Allgemeinen. Während die Parteiprogramme zwar zunehmend irrelevant seien, erlebten die traditionellen Parteien in letzter Zeit wieder Zulauf und zeigten damit, dass klassische Parteien auch in Zukunft nicht irrelevant zu werden scheinen.