Developed in conjunction with Joomla extensions.

Prof. Dr. Michael-Jörg Oesterle von der Universität Stuttgart stellte verschiedene Szenarien zukünftiger internationaler Unternehmenstätigkeit vor




Jürgen Chrobog, Botschafter a.D. und Staatssekretär a.D., richtete den Blick insbesondere auf die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten




Das Inhouseseminar wurde auf Anfrage eines Förderers der Bonner Akademie ausgerichtet

 
Seit Jahrzehnten gilt allgemein der Maßstab: Je liberalisierter der Welthandel, desto größer sind die Wohlstandseffekte; je weniger Grenzen und Handelsbarrieren existieren, desto mehr Wirtschaftswachstum kann erzielt werden; je mehr auf den komparativen Kostenvorteil zwischen den Staaten gesetzt wird, desto höher die Produktivität. In der jüngeren Zeit hat sich jedoch ein Trend entwickelt, der vor ein paar Jahren noch nahezu undenkbar schien: Die Rückkehr in die Nationalstaatlichkeit und die Wiedereinführung protektionistischer Maßnahmen. Mit den möglichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklungen beschäftigte sich auf Anfrage eines Förderers der Bonner Akademie am 20. Juni 2017 ein Inhouseseminar, um potenzielle Handlungsoptionen für Unternehmen aufzuzeigen.

Jürgen Matthes, Leiter des Kompetenzfelds "Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur" beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, eröffnete das Seminar mit einem Einstieg in das Themenfeld der multilateralen Welthandelsordnung, gab einen Überblick über Entwicklungen, Abkommen sowie Institutionen und erläuterte Stärken und Schwächen aus volkswirtschaftlicher Perspektive. Die über Jahrzehnte gewachsene World Trade Organization (WTO) bilde demnach das Grundelement der heutigen Welthandelsordnung, jedoch befinde sich die WTO nach dem Scheitern der Doha-Runde in einer Krise. Als Konsequenz würden Bilateralismus und Regionalismus seit einigen Jahren eine immer größer werdende Gewichtung erfahren.

Prof. Dr. Michael-Jörg Oesterle, Betriebswirtschaftler an der Universität Stuttgart, ging im Anschluss verstärkt auf die Unternehmensperspektive ein und stellte verschiedene, vom Grad des zu erwartenden Protektionismus abhängige Szenarien zukünftiger internationaler Unternehmenstätigkeit vor. Dabei erläuterte er die unterschiedlichen Funktionen und Auswirkungen einzelner Handelsbarrieren unter Berücksichtigung weiterer äußerer Umstände als zusätzliche bzw. komplementäre Einflussfaktoren.

Der frühere deutsche Botschafter in Washington und ehemalige Staatssekretär, Jürgen Chrobog, richtete den Blick ausgehend von seinen Erfahrungen insbesondere auf die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Der neue US-Präsident Donald Trump wurde vor allem von dem Bevölkerungsteil gewählt, bei dem sich in der Vergangenheit immer stärker das Gefühl des "abgehängt-seins" breit gemacht habe, wie z.B. im sogenannten "Rust Belt". Für den einstigen Diplomaten zeichne sich ein fundamentaler Bruch in der Geschichte der USA ab, die früher weltweit als die "großen Freihändler" galten und sich selbst auch entsprechend positionierten.

Den abschließenden Vortrag hielt Prof. Dr. Heribert Dieter, Forschungsgruppe Globale Fragen von der Stiftung Wissenschaft und Politik, der sich auf die Frage konzentrierte, ob die Grenzen der Globalisierung inzwischen möglicherweise erreicht seien und die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte immer mehr zurückgedreht werden könnten. Wenn man den Blick auf die Entwicklungs- und Schwellenländer richtet, seien hier die Zustimmungswerte zur Globalisierung vergleichsweise am höchsten. So sähen sich beispielsweise China und Indien vor dem Hintergrund der Tendenzen in den USA, Großbritannien & Co. verstärkt als "Retter" des Freihandels bzw. der WTO.