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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Essener Forums in der Diskussion mit dem Projektteam.




Prof. Dr. Katrin Schneider, Professorin für Wissenschaft der Sozialen Arbeit an der Hochschule Koblenz, führte in den Themenkomplex ein.




Dr. Fabian Hoose und Dr. Anna-Lena Schönauer, Projektmitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum, präsentierten Ergebnisse zum Wandel sozialen Engagements im Ruhrgebiet.




Alena Mörtl, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Projekts Ankommen, berichtete von ihren Erfahrungen im Engagement für geflüchtete Menschen.




Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BAPP,  führte in das Forschungsprojekt der Bonner Akademie ein.




Dr. Karsten Jung, Projektleiter und Geschäftsführer der BAPP, erläuerte das Potential sozialunternehmerischer Ansätze für die Integrationsarbeit.




Philip Kösters, Standortentwickler beim Chancenwerk, zeigte, wie praktisches Sozialunternehmertum aussehen kann.




Praktiker und Experten tauschten sich beim Essener Forum im Haus der Technik aus.



 
Am 4. Juli 2017 veranstalteten die beiden von der Brost-Stiftung geförderten Projekte „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ der Bonner Akademie und „Soziales Engagement im Ruhrgebiet – Zum Aufbau neuer Strukturen zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik“, durchgeführt von Prof. Dr. Rolf G. Heinze an der Ruhr-Universität Bochum, erneut einen gemeinsamen Workshop. Zum Thema „Soziales Engagement im Wandel – Innovative Akteure in der Zivilgesellschaft und was man von ihnen lernen kann“ diskutierten die Projektteams gemeinsam mit Praktikern und Experten über Anknüpfungspunkte und Synergieeffekte der Forschungsarbeiten.

Einführend gab Prof. Dr. Katrin Schneiders, Professorin für Wissenschaft der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Sozialwirtschaft der Hochschule Koblenz, eine Einführung in das soziale Engagement und die unterschiedlichen Ausprägungen in Deutschland. Ehrenamtliches Engagement habe traditionell vor allem in den Wohlfahrtsverbänden stattgefunden. Nicht erst im Zuge der jüngsten Migrationsbewegung lasse sich jedoch ein Wandel konstatieren. Freiwilliges Engagement finde nun oftmals auch spontan, kurzfristig und organisationsungebunden statt. Zudem spiele auch soziales Unternehmertum eine wachsende, wenn auch immer noch geringe, Rolle. Aktuell, so Schneiders, etablierten sich unterschiedliche Engagementformen nebeneinander, spannend sei in diesem Zusammenhang jedoch, welche Strukturen auch langfristig erhalten blieben.
 
Daran anschließend erläuterten Dr. Anna Lena Schönauer und Dr. Fabian Hoose, Projektmitarbeiter im Forschungsprojekt der Ruhr-Universität Bochum, ihre Forschungsergebnisse mit Blick auf neue Engagementformen in der Flüchtlingshilfe. Auch hier lasse sich ein Wandel konstatieren, der dazu beitrage, die Landschaft vielfältiger und bunter zu machen. Die etablierten Großorganisationen hätten zudem mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, auch weil das strukturierte und langfristige Engagement nicht mit den Individualisierungstendenzen in der Bevölkerung zusammenpasse. Hinzu komme eine zunehmende Entgrenzung des Engagements. Gerade mit Blick auf die Versorgung und Betreuung der geflüchteten Menschen seien Engagement und Privatleben oftmals verschmolzen, persönliche Beziehungen hätten einen sehr hohen Stellenwert. Der Wandel des Engagements werde damit vor allem am Beispiel Flüchtlingshilfe besonders deutlich.
 
Alena Mörtl, Gründungs- und Vorstandmitglied des Projekts Ankommen aus Dortmund, gab den Teilnehmern einen praktischen Einblick in neuartige Organisationsformen. Das Projekt Ankommen gründete sich 2015 als Reaktion auf die wachsende Zahl von Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Deutschland kamen. Da die etablierten Träger zu langsam und starr agierten, so Mörtl, sei schnell klar gewesen, dass man im Rahmen einer eigenen Organisation schneller und bedarfsorientierter reagieren könne. Trotz des immensen Wachstums sei es dem Verein jedoch wichtig, weiterhin ehrenamtlich zu bleiben und sich nicht zu professionalisieren, auch um weiterhin flexibel zu bleiben.
 
Einen Einblick in das Forschungsprojekt der Bonner Akademie gaben im Anschluss Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, und Dr. Karsten Jung, Geschäftsführer der BAPP: Vielversprechende und effektives Engagement finde im Integrationsbereich oftmals in Sozialunternehmen statt. Traditionell strukturierte Projekte hätten wiederum oftmals mit instabiler und kurzfristiger Finanzierung zu kämpfen. Die zum Teil aus Geldmangel nicht durchgeführten Evaluationen verhinderten zudem eine laufende Anpassung des Angebots sowie eine Wirkungsmessung der eigenen Arbeit. Gerade Ansätze des sozialen Unternehmertums böten jedoch Chancen für solche Projekte, Arbeit und Wirkung zu optimieren. Dabei müsse der Ansatz nicht in Gänze umgesetzt werden, hybride Strukturen könnten jedoch dazu beitragen, ,verkrustete‘ Strukturen aufzubrechen und die Organisation auch finanziell auf stabilere Beine zu stellen.
 
Wie eine Umsetzung solch hybrider Strukturen in der Praxis aussehen kann, zeigte Philip Kösters, Standortentwickler beim Chancenwerk -eine Organisation, die im Rahmen des Projektes langfristig begleitet wird. Das Chancenwerk verbessert den Bildungszugang für benachteiligte Kinder, indem es sein Förderangebot direkt an die Schulen andockt. Das Besondere dabei ist, dass schlechtere Schüler der oberen Klassen die jüngeren Schüler unterstützen. Neben dem Lernerfolg auf beiden Seiten trägt dies auch zum Selbstbewusstsein der älteren Schüler bei. Dieses sogenannte Kaskadensystem setzt das Chancenwerk an mittlerweile 66 Schulen um. Den sozialunternehmerischen Ansatzes sieht Kösters dabei als grundlegend um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden zu können. Wenn der Chancenwerk-Ansatz an einer Schule funktioniere, trage eine hohe Skalierbarkeit dazu bei, möglichst vielen Kindern zu helfen, sagte Kösters. Sozialunternehmerische Strukturen helfen dem Chancenwerk demnach bestmöglich bei der Erfüllung dieser Verantwortung.
 
In der abschließenden Diskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass das klassische, organisationgebundene Ehrenamt heute nicht mehr die einzige Form sei, gesellschaftlich aktiv zu werden. Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Projektleiter an der Ruhr-Universität Bochum, machte jedoch auch darauf aufmerksam, dass sich auch die traditionellen Wohlfahrtsverbände immer stärker flexibilisierten und an Innovationen anpassten. Es sei völlig offen, welche Akteure sich dennoch langfristig neben den etablierten Akteuren behaupten könnten. Gerade das soziale Unternehmertum sei jedoch eine wichtige Ergänzung, könne jedoch diese Akteure nicht ersetzen.