Developed in conjunction with Joomla extensions.

Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie begrüßte Diskutanten und Gäste.



Thomas Kufen gab in seiner Rede eine Einführung in die Integrationsgeschichte des Ruhrgebiets.
                                                                                                                                                                                                       


Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und Publizistin, kritisierte die wachsende Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft.


Mehrdad Mostofizadeh, MdL und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag NRW, warnte davor, nur das Trennende zu betonen.


Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Aktiengesellschaft votierte für den Ausbau des Quartiersmanagements.


Auf dem Podium der BAPP: Bernd Tönjes, Lamya Kaddor, Moderator Andreas Tyrock, Thomas Kufen und Mehrdad Mostofizadeh (v.l.n.r.).
Das Zusammenleben der Kulturen im Revier stand im Zentrum der Veranstaltung „Schmelztiegel Ruhrgebiet?“ im Essener Ruhrturm am 17. Mai 2017. Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen erläuterte in seiner einführenden Rede grundlegende Parameter erfolgreicher Integration und diskutierte diese im Anschluss auf dem Podium mit Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und Publizistin, Mehrdad Mostofizadeh, MdL und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag NRW sowie Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Aktiengesellschaft. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Andreas Tyrock, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ in Kooperation mit der Brost-Stiftung statt.


Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, griff in seiner Begrüßung die Metapher des Schmelztiegels auf. Durch die gemeinsame Arbeit unter Tage habe sich das Ruhrgebiet als Netzwerk aus Menschen, Rohstoff, Energie und Maschinen zum schlagenden Herz Europas entwickelt. Mittlerweile habe dieses Herz jedoch Rhythmusstörungen. Diesen müsse man entgegenwirken, dabei jedoch stets bedenken, dass eine gedeihliche Zukunft nicht als staatlich verordnetes und von außen übergestülptes Produkt entstehen könne.

Einen kurzen Abriss über die lange Integrationsgeschichte des Ruhrgebiets gab Thomas Kufen im Rahmen seiner einführenden Worte. Ohne Zuwanderung gäbe es eine Stadt wie Essen in dieser Form nicht. Historisch habe Integration im Ruhrgebiet immer über den Faktor Arbeit funktioniert - eine Zeit, die mittlerweile aber vorbei sei. Heute habe die Bildung diese Schlüsselrolle übernommen, so Kufen. Essentiell für gelungene Integration sei aber auch der gegenseitige Respekt, der vorgelebt werden müsse. Mit Blick auf den Islam gelte es, den Dialog zu stärken, aber auch die Toleranz nicht überzustrapazieren.

Lamya Kaddor kritisierte den wieder erstarkenden Nationalismus in Deutschland. Gerade Migranten mit deutschem Pass müssten auch als solche akzeptiert und angesprochen werden. In der Diskussion um den Islam gebe nur Pro oder Contra, für Zwischentöne sei in der öffentlichen Debatte kein Raum. Dabei sei Islamfeindlichkeit besonders in den Bevölkerungsgruppen ausgeprägt, die im Alltag keinen Kontakt zu Muslimen hätten. Zwar würde seit Jahren gepredigt, man müsse ,das Fremde‘ kennenlernen und den Kontakt zu den Nachbarn suchen, passieren tue letztendlich allerdings nichts.

Einen zunehmend schärferen Ton in der Debatte konstatierte auch Mehrdad Mostofizadeh. Ein wachsendes Nationalbewusstsein sei jedoch nicht festzustellen. Um im Integrationsbereich größere Erfolge verzeichnen zu können, müssten wir endlich aufhören, nur das Trennende zu betonen und viel stärker auf die mannigfaltig vorhanden Gemeinsamkeiten rekurrieren. Die größte Herausforderung sei, die Werte der Demokratie in Deutschland zu stärken. Dazu gehöre auch, die Leitkulturdebatte endlich mit größerer Ernsthaftigkeit zu führen.

Den Wert von Bildung betonte auch Bernd Tönjes im Diskussionsverlauf. Viele junge Menschen seien noch immer auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft. Gerade diese müsse man fördern und sie zu Integration ermutigen. An erster Stelle stehe dabei der Spracherwerb. Zudem müsse man stärker als bisher in Quartiersmanagement investieren und in die Stadtteile gehen, um die Menschen nach ihren Bedürfnissen zu befragen.

Abschließend waren sich die Diskutanten einig, dass das Bemühen um gegenseitiges Verstehen eine Aufgabe sei, die alle betreffe. Dennoch gebe es natürlich weiterhin große Herausforderungen. Für Thomas Kufen ist vor allem die Situation in der Türkei brisant. Diese Diskussion sei emotional extrem aufgeladen, sowohl zwischen Deutschen und türkischen Staatsbürgern, als auch innerhalb der türkischen Community, so Kufen.

Die Begrüßungsrede von Prof. Hombach zum Nachlesen


Berichterstattung der WAZ vom 18. Mai 2017