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Das Podium v.l.n.r.: Alexander Schweitzer MdL, Bernhard Kukatzki, Dr. Marco Bertolaso, Dr. Marcel Lewandowsky, Prof. Dr. Frank Decker.


Prof. Dr. Frank Decker leitete aus seinem Erklärungsmodell drei Arten von Krisen ab: ökonomische "Verteilungskrisen", kulturelle "Identitäts- und Sinnkrisen" sowie politische "Repräsentationskrisen".


Dr. Marcel Lewandowsky erläuterte die Schwierigkeiten bei empirischen Untersuchungen zum Forschungsgegenstand "Populismus".


Dr. Marco Bertolaso sprach über die Rolle der Medien, die sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt habe.


Bernhard Kukatzki forderte, die politische Bildung müsse neue Zielgruppen erschließen, um die breite Bevölkerung zu erreichen.


Prof. Dr. Jürgen Fohrmann leitete die Diskussion mit dem Publikum.
Am 25. April 2017 führte die Bonner Akademie gemeinsam mit dem Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn in den Räumlichkeiten des Landtages Rheinland-Pfalz einen Workshop zum Thema "Populismus" durch. Der Workshop fand statt im Rahmen des Forschungsprojekts "Bürger, Demokratie & Politik. Die repräsentative Demokratie in der Akzeptanzkrise" unter Leitung von Prof. Dr. Volker Kronenberg von der Universität Bonn. Das Forschungsprojekt fragt nach den Ursachen für eine unterstellte Akzeptanzkrise der repräsentativen Demokratie.

Der Praxispate des Forschungsprojekts und Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer MdL, begrüßte die Teilnehmenden und verdeutlichte die Notwendigkeit eines thematischen Austausches vor dem Hintergrund von Erfahrungen aus dem politischen Arbeitsalltag. Podiumsgäste waren u.a. Prof. Dr. Frank Decker (Universität Bonn), Dr. Marcel Lewandowsky (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg), Dr. Marco Bertolaso (Deutschlandradio), Bernhard Kukatzki (Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz) sowie Prof. Dr. Jürgen Fohrmann (Universität Bonn).

In seinem Vortrag präsentierte Prof. Dr. Frank Decker ein wissenschaftliches Erklärungsmodell, das Populismus in drei Dimensionen darstellt: eine (1) ökonomische Dimension in Form einer "Verteilungskrise", eine (2) kulturelle Dimension in Form einer "Identitäts- und Sinnkrise" sowie eine (3) politische Dimension in Form einer "Repräsentationskrise". Dr. Marcel Lewandowsky ergänzte die Ausführungen Prof. Deckers um den Aspekt der empirischen Forschung. Als zentrale Erkenntnisse stellte er heraus, dass sich populistische Parteien in ihrer Ausprägung und ihren Themen ändern können und dass zur Untersuchung von "Populismus" graduelle Abstufungen erforderlich seien.

Der Leiter Zentrale Nachrichten des Deutschlandradios, Dr. Marco Bertolaso, nahm den Populismus aus der Perspektive der Medien in den Blick. Die Prinzipien des Populismus, so Bertolaso, ähnelten denen der Medien: Populisten und Journalisten zielten auf Aufmerksamkeit und öffentliche Wahrnehmung. Dabei sei die Etablierung der neuen Medien die revolutionärste Umwälzung des Medienbetriebs seit der Erfindung des Buchdrucks. Insbesondere (öffentlich-rechtliche) Massenmedien hätten aber eine spezielle Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit.

Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Bernhard Kukatzki, referierte zur Bedeutung der politischen Bildung in Bezug auf Populismus. Politische Bildung müsse (wieder) verstärkt Grundlagenwissen vermitteln. Das übergeordnete Ziel sei die Befähigung von (jungen) Menschen zu demokratischer Partizipation und zu einer reflektierten politischen Handlungsfähigkeit.

Im Anschluss erfolgte unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Fohrmann eine Aussprache zwischen Publikum und Podium. Von besonderem Interesse war hier die Zuspitzung der Frage nach dem Populismus als "Gift oder Korrektiv" für die repräsentative Demokratie.