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Übernahm Begrüßung und Einführung: Prof. Dr. Peter Geiss



Barbara Lochbihler hob die Rolle der UN im Zusammenhang mit der Wahrung und Durchsetzung der Menschenrechte hervor



Forderte eine allumfassende Gesamtnorm für die Welt: General a.D. Egon Ramms



Prof. Dr. Valerij Ljubin (r.) im Gespräch mit Prof. Dr. Peter-Christian Müller-Graff (l.)



Moderator Patrick Leusch von der Deutschen Welle



Diskussionsrunde zum Thema "Eine Werteordnung für die Welt? Globale Normen und die Rückkehr der Interessenpolitik"
 
Die Frage, wie eine mögliche Werteordnung für die Welt aussehen könnte, diskutierten am 6. Februar 2017 in der Bonner Akademie Prof. Dr. Valerij Ljubin, Russische Akademie der Wissenschaften in Moskau, Barbara Lochbihler, Außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen/EFA- Fraktion im Europäischen Parlament, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter-Christian Müller-Graff, Jean Monnet Professor an der Universität Heidelberg, und General a.D. Egon Ramms, Sprecher des Bonner Forums der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Die von Patrick Leusch, Deutsche Welle, moderierte Diskussionsrunde wurde in Kooperation mit den Lehrstühlen für Didaktik der Geschichte (Prof. Dr. Peter Geiss) und Geschichte der Neuzeit (Prof. Dr. Dominik Geppert) der Universität Bonn angeboten und bildete zugleich die Abschlussdiskussion der von den beiden Lehrstühlen initiierten Ringvorlesung "Eine Werteordnung für die Welt? – Universalismus in Geschichte und Gegenwart" an der Universität Bonn.

Zu Beginn seiner Begrüßung und Einführung erläuterte Prof. Dr. Peter Geiss, Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn, rückblickend die Genese der Ringvorlesung. So habe die im Jahr 2014 begonnene Ukraine-Krise den entscheidenden Impuls hierfür gegeben, denn gerade dieser Konflikt zeige die andauernde Divergenz zwischen Universalrecht und Interessenpolitik. "Eine Territorialisierung des Universalrechts auf NATO-Mitgliedstaaten hätte einen Verlust unserer Moralvorstellungen zufolge", weshalb man den globalen Gedanken nicht aus den Augen verlieren dürfe, hielt Prof. Geiss zum Abschluss fest.

Die anschließende Diskussionsrunde eröffnete Barbara Lochbihler und unterstrich, dass die Menschenrechte eine übergeordnete Norm seien, die sich nicht nur auf die westliche Welt beschränke. Einer der wichtigsten Garanten im Zusammenhang mit der Wahrung und Durchsetzung der allgemeingültigen Menschenrechte seien die Vereinten Nationen – diese müsste man "sofort erfinden, wenn wir sie nicht schon hätten." Aus diesem Grund ist die fortwährende Stärkung der UN Aufgabe und Pflicht sämtlicher Mitgliedstaaten, so die Abgeordnete des Europäischen Parlaments.

Auch General a.D. Egon Ramms sieht große Erfolge in der Arbeit der UN. Nicht nur, dass die Organisation während des Kalten Krieges eine geeignete Dialogplattform war und dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Entspannungspolitik sowie zur Vermeidung eines möglichen weiteren Weltkrieges geliefert habe; dank des Einsatzes der Instrumente der UN wurden außerdem viele regionale Konflikte entschärft und nachhaltig befriedet. Für den ehemaligen ranghohen NATO-General benötigt die Welt eine allumfassende Gesamtnorm. Was momentan jedoch fehle, sind die geeigneten notwendigen Mittel, wenn die gültigen Normen nicht eingehalten werden.

Prof. Dr. Peter-Christian Müller-Graff legte den Fokus auf die grenzüberschreitenden Auswirkungen von regionalen Konflikten. Die Unordnung eines Landes kann zum Problem für andere werden, weshalb man einen gemeinsamen Kodex von Normen brauche. Aus seiner Sicht befänden sich globale Normen und Interessenpolitik im Spannungsverhältnis, gleichzeitig können Normen jedoch auch Teil der Interessen sein. Für Prof. Müller-Graff stehen Normativität und Faktizität nicht im Widerspruch: "Normen, die nicht eingehalten werden, verlieren dadurch nicht ihre Gültigkeit", so der Rechtswissenschaftler von der Universität Heidelberg.

Auf die Frage von Moderator Patrick Leusch, was von Gorbatschows Idee eines gemeinsamen europäischen Hauses geblieben sei, meinte Prof. Dr. Valerij Ljubin: "Nicht viel!" Die Beziehungen Russlands zum Westen haben sich seit dem Ende der Sowjetunion mehrfach gewandelt – mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung. Darüber hinaus bleibe es für ihn schwer nachvollziehbar, warum europäische Werte in vielen Teilen der Welt nicht gerne angenommen werden, und warum rechtspopulistische Werte immer stärker an Zuspruch gewinnen würden.