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Wintersemester 2013/2014: Der Skandal in der Politik

Rüdiger Oppers, Bevollmächtigter des Vorstands der Evonik Industries
Rüdiger Oppers, Bevollmächtigter des Vorstands der Evonik Industries, referierte im Rahmen der Lehrveranstaltung „Der Skandal in der Politik“ am 22. Januar 2014 über die Entstehung politischer und wirtschaftlicher Skandale.

Die Tätigkeiten von Lobbyisten würden derzeit „völlig zu Unrecht skandalisiert“ und seien von politischen Interessen getrieben. Bei diesen emotionalen Debatten gehe es nicht um das Faktische. Vielmehr würden sich diese Kampagnen durch die „Gesetzmäßigkeit des großes Dramas“ auszeichnen. Dem pflichtete Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, bei. Während der Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik früher ausdrücklich gewünscht wurde, bewerteten mittlerweile weite Teile der Medien und Bevölkerung diese Entscheidung als moralisches Vergehen.

Obwohl Rüdiger Oppers die investigative Aufdeckung von Missständen als Hauptaufgabe der Medien ansah, sei „die Pressefreiheit in Deutschland nicht mehr diejenige, die die Verfassungsväter im Grundgesetz formuliert hätten“. Zudem berichtete Rüdiger Oppers aus der eigenen Erfahrung als langjähriger Journalist, dass bei zur Zielsetzung „informieren und aufklären“ die Komponente „Unterhaltung“ hinzugekommen sei. Trotz der bedeutenden Rolle des Internets fungierten die „alten Medien“ noch immer bei Skandalen als „Brandstifter“.
 
Götz von Fromberg, Rechtsanwalt aus Hannover
Der überregional bekannte Rechtsanwalt Götz von Fromberg aus Hannover berichtete im Rahmen der Lehrveranstaltung „Der Skandal in der Politik“ am 11. Dezember 2013 von den wechselseitigen Beziehungen zwischen Medien, Wirtschaft, Politik und Justiz.

Götz von Fromberg kritisierte, dass schnelle Sensationsmeldungen in Zeiten des Internets und der Zeitungskrise gewissenhafte Recherchen verdrängt hätten. Diese personenbezogene Sensationsberichterstattung vor-verurteile Angeklagte, bevor ein Gerichtsprozess überhaupt begonnen habe. Die Unschuldsvermutung müsse bis zum Tag des Richterspruchs gelten, um ein faires Verfahren zu gewährleisten.

Er forderte höhere Strafen für Verlage und Journalisten, falls die journalistische Sorgfaltspflicht massiv verletzt werde. Anhand mehrerer Beispiele aus der eigenen Erfahrung demonstrierte Götz von Fromberg die „mediale Hinrichtung“ von Prominenten. Er prognostizierte, dass sich die Sensationsberichterstattung in Zukunft zu einer Verdachtsberichterstattung entwickeln werde, weil der hohe Wettbewerbsdruck im Journalismus dazu verleite, unbegründeten Verdacht zu artikulieren.
David Schraven, Leiter des Ressorts „Recherche“ der Funke Mediengruppe
Der renommierte deutsche Investigativjournalist David Schraven, Leiter des Ressorts „Recherche“ der Funke Mediengruppe und Träger des bedeutenden Wächter-Preises, hielt im Rahmen der Lehrveranstaltung „Der Skandal in der Politik“ am 6. November 2013 einen Vortrag über die Aufdeckung von Skandalen durch investigative Berichterstatter.

Anhand von Praxisbeispielen differenzierte der Journalist zunächst zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit sowie „schnellen“ und „langsamen“ Skandalen. Die Presse suche den Widerspruch von Aussagen und konkreten Handlungen, der jedoch nicht auf unbegründeten Gerüchten basieren dürfe, sondern anhand von Fakten nachprüfbar bleiben müsse.

Schraven stellte die Authentizität der beteiligten Personen oder Unternehmen als wichtigsten Aspekt heraus, um einen Skandal möglichst unbeschadet zu überstehen. Die Negativspirale setze dann ein, wenn die Presse neue, belegbare Widersprüche finde, die auf lange Sicht unweigerlich zu einem Glaubwürdigkeitsverlust führen würden. Die Frage nach der Klassifikation von Skandalen brachte Schraven auf die einprägsame Formel: „Je größer der Widerspruch, desto stärker der Skandal“. In der anschließenden Diskussion bezeichnete Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, investigativen Journalismus als wirksamstes Instrument zur Disziplinierung von Personen des öffentlichen Lebens.
Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Rechtsanwalt und Anteilseigner der Funke Familien Gesellschaft
Der renommierte Rechtsanwalt und Anteilseigner der Funke Familien Gesellschaft, Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, referierte im Rahmen der Lehrveranstaltung „Der Skandal in der Politik“ am 16. Oktober 2013 über die Entstehung und grundlegende Charakteristika von Skandalen.

Dr. Holthoff-Pförtner grenzte zunächst den personenbezogenen vom sachbezogenen Skandal ab. Den Skandal definierte er als „Verstoß gegen Recht und Moral“, wobei der Missstand nicht real sein müsse, sondern auch fiktiv sein könne.

Auch zur Zukunft der Medien äußerte sich der Referent. Er kritisierte, dass Print- und Onlinemedien die Themen in den letzten Jahren vor allem anhand ihrer Marktfähigkeit ausgewählt hätten. Trotz des „Zeitungssterbens“ zeigte sich Dr. Holthoff-Pförtner zuversichtlich, dass zumindest diejenigen Printmedien bestehen bleiben werden, die durch meinungsstarken Qualitätsjournalismus und gut recherchierte Hintergrundberichte bestechen.