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Sommersemester 2014: Von den Balkan-Kriegen zum EU-Beitritt. Die politische Integration Südosteuropas

Hans-Ulrich Südbeck (M.), Leiter des Referats Westlicher Balkan im Auswärtigen Amt

 
Am Mittwoch, dem 9. Juli sprach Hans-Ulrich Südbeck, Leiter des Referats Westlicher Balkan im Auswärtigen Amt, in der Seminarveranstaltung von Bodo Hombach. Er gab den Studierenden interessante Einblicke in seine Tätigkeit für den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland.

Südbeck begann seinen Vortrag mit einem kurzen Überblick über seine Vita sowie zu Chancen und Grenzen der diplomatischen Karriere im Auswärtigen Amt. Sodann legte er eine luzide Analyse der deutschen und europäischen Politik gegenüber den Staaten des Balkans vor. Das Panorama erstreckte sich dabei von Kroatien über Serbien und das Kosvo bis hin zur Problematik von Bosnien-Herzegowina.

Bodo Hombach ergänzte Südbecks Ausführungen durch seine eigenen Erfahrungen als ehemaliger EU-Sonderkoordinator für den Stabilitätspakt in Südosteuropa und Medienunternehmer in der Region. Die Studierenden stellten in der Diskussion Fragen zu den einzelnen politischen Konflikten auf dem Balkan und zeigten sich ebenso interessiert an der diplomatischen Laufbahn.

Zum Schluss waren sich alle Beteiligten einig, dass die EU die Länder des Balkans nicht vergessen dürfe und gut daran täte, sich um die sozialen und politischen Konflikte in ihrem "Vorgarten" zu kümmern - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es gerade diese Region war, in der vor genau 100 Jahren der Erste Weltkrieg ausbrach.
Philipp Mißfelder, Dr. Srgjan Kerim und Bodo Hombach (v.l.n.r.)




 
Im Rahmen seines Seminars an der Universität Bonn begrüßte Bodo Hombach am 4. Juni Dr. Srgjan Kerim (früherer mazedonischer Botschafter in Deutschland, in der Schweiz und Liechtenstein, mazedonischer Außenminister und Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York) und Philipp Mißfelder (außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und Bundesvorsitzender der Jungen Union) als Gastreferenten.

Dr. Srgjan Kerim skizzierte zunächst die historische Dimension der Entwicklungen auf dem Balkan von den Kriegen der neunziger Jahre bis heute. Er sieht selbstverständlich die zahlreichen Probleme, die die Staaten zu lösen haben, stellt aber klar, dass die Perspektive des Balkans ganz klar in Richtung Europa gehe. Beide Seiten - Europa und die Balkanstaaten - würden von einem Beitritt profitieren, zumal die Bevölkerung auf dem Balkan stark pro-europäisch eingestellt sei.

Philipp Mißfelder betonte die Bedeutung eines möglichen EU-Beitritts der Balkanstaaten für beide Seiten: Wirtschaftlich würden sowohl die möglichen neuen als auch die alten EU-Mitglieder profitieren. Insbesondere Deutschland sei auf Zuwanderer angewiesen und attraktiv für Fachkräfte aus dem Balkan. Allerdings dürfe diese Migration nicht zulasten der Balkanstaaten gehen. Auch hier werden gut ausgebildete junge Menschen dringend benötigt, ein "Brain-Drain" sei zu verhindern.
Prof. Dr. Marie-Janine Calic, LMU München

 
Am 22. Mai sprach Frau Prof. Dr. Marie-Janine Calic von der LMU München im Seminar von Bodo Hombach. Prof. Calic vereint als Inhaberin eines Lehrstuhls zur Geschichte Südosteuropas und als politische Beraterin eine einzigartige Expertise in Theorie und Praxis zur politischen Integration des westlichen Balkans.

Ausgehend von einer strukturellen Analyse des Balkan-Raums und der Frage, welche Interessen die EU leiten, sich auf dem Balkan zu engagieren, unternahm sie eine profunde Analyse zum Aufbau der Demokratie, zum Zustand verschiedener Institutionen und zu sozialen Indikatoren.

Dabei wurde vor allem die Unterschiedlichkeit der Entwicklungen deutlich: Kroatien, mittlerweile EU-Mitglied, steht in den verschiedenen Ramkings sehr gut da, während das Kosovo und auch Bosnien und Herzegowina als Sorgenkinder identifiziert werden konnten. In der engagierten Diskussion mit den Teilnehmern wurde eine insgesamt verhalten positive Bilanz der Entwicklungen auf dem westlichen Balkan gezogen - vor dem Hintergrund der noch nicht so lange zurück liegenden Verhältnisse des Bürgerkriegs. Prof. Calic schloss mit einem Plädoyer, dass der Balkan auf der europäischen Agenda angesichts anderer drängender Problemlagen nicht ganz in Vergessenheit geraten sollte.
Dr. Thomas Brey (M.), dpa-Korrespondent in Belgrad für die Länder des ehemaligen Jugoslawien




Teilnehmer des Seminars von Bodo Hombach
 
Dr. Thomas Brey, dpa-Korrespondent in Belgrad für die Länder des ehemaligen Jugoslawien, und seit dreißig Jahren Berichterstatter aus der Region, war zu Gast in der Auftaktveranstaltung im Seminar von Bodo Hombach.

Brey entwarf ein Panorama der verschiedenen Krisenherde in der Balkan-Region von dem nach wie vor ungelösten Kosovo-Konflikt über die sich gegenseitig hemmenden Landesteile in Bosnien-Herzegowina bis hin zu den geschichtspolitischen Scharmützeln zwischen Mazedonien und Griechenland, die er sämtlich als so genannte „frozen conflicts“ einstufte, die wie im Fall der Krim-Krise jederzeit ausbrechen könnten.

Er sensibilisierte dafür, dass es sich beim Balkan um den „Vorgarten Europas“ handele und die politisch Verantwortlichen gut daran täten, dieser Region mehr Beachtung zu schenken. Brey übte scharfe Kritik an den nicht vorhandenen Konzepten der internationalen Gemeinschaft und diagnostizierte auch ein mangelndes Interesse, sich in die komplexen Zusammenhänge der Balkanländer einzuarbeiten. Bodo Hombach ergänzte Breys Befunde durch Einblicke in seine frühere Tätigkeit als EU-Sonderkoordinator für den Stabilitätspakt Südosteuropa.