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Wintersemester 2014/2015: Die politische Integration Südosteuropas

Die Exkursionsteilnehmer mit Regierungsvertretern der Republik Serbien
 
Unter der Leitung von Dr. Manuel Becker haben fünf StudentInnen des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn eine einwöchige Exkursion nach Belgrad unternommen. Die Fahrt fand im Rahmen des Seminars „Die politische Integration Südosteuropas. Geschichte, Bestandsaufnahme und Perspektiven“ von Prof. Bodo Hombach statt und war für die Vertiefung und Abrundung der im Seminar erlangten Kenntnisse von unschätzbarem Wert. Die Exkursionsteilnehmer führten informative Gespräche mit unterschiedlichen Partnern, die diverse Themenbereiche zu erläutern wussten.
Nebojsa Kosutic (M.), Generalkonsul der Republik Serbien
Am 17. Dezember gab der serbische Generalkonsul Nebojsa Kosutic in Professor Bodo Hombachs Seminarveranstaltung mit dem Titel „Die politische Integration Südosteuropas. Geschichte, Bestandsaufnahme und Perspektiven“ Einblicke in die politische und wirtschaftliche Lage Serbiens. Nach der Vorstellung des Gastreferenten gab Professor Bodo Hombach das Hauptthema der Sitzung bekannt: „Serbien zwischen gestern und morgen“.

Anschließend berichtete Kosutic in einem historischen Abriss über die wichtigsten Ereignisse der Geschichte Serbiens, wobei er die guten, aber teilweise auch angespannten Beziehungen zu den jeweiligen Nachbarstaaten erläuterte. Detailliert ging er darüber hinaus auf die Beziehungen zu Russland ein: Diese seien sehr eng, da Russland der größte Investor in Serbien sei. Zusätzlich sei Serbien zu 100% von russischer Energiezufuhr abhängig. Als er auf das Verhältnis zur EU zu sprechen kam, unterstrich Kosutic den Wunsch nach einer Mitgliedschaft: „Es bleibt zu hoffen, dass die EU ihre Erweiterungsmüdigkeit überwindet.“ Dieses Phänomen erklärte Prof. Hombach damit, dass sich der Kandidatenstatus meist positiver auf die Entwicklung in den jeweiligen Staaten auswirkt als die EU-Mitgliedschaft selbst: „Die EU hat begriffen, dass sie über keine Mechanismen verfügt um retardierende Entwicklungen bei Mitgliedsstaaten zu beeinflussen. Daher kommt die Erweiterungsmüdigkeit.“
Hans-Ulrich Südbeck (M.), Leiter des Referats Westlicher Balkan im Auswärtigen Amt
 
Für seine Seminarveranstaltung „Die politische Integration Südosteuropas. Geschichte, Bestandsaufnahme und Perspektiven“ am 26. November 2014 konnte Prof. Bodo Hombach Hans-Ulrich Südbeck, Leiter des Referats Westlicher Balkan im Auswärtigen Amt, als Gastreferenten gewinnen.

Bevor er auf das Hauptthema des Seminars zu sprechen kam, welches Prof. Bodo Hombach auf „Ernste Sorgen, aber auch: Macht der Hoffnung“ festlegte, berichtete er von den wichtigsten Stationen seiner Laufbahn beim Auswärtigen Amt und gab den Studenten die Möglichkeit Fragen zu stellen.

Im Anschluss berichtete Südbeck von der Westbalkankonferenz der Bundesregierung, die am 28. August 2014 in Berlin abgehalten wurde und auf der man die Perspektiven für einen EU-Beitritt von Staaten des Westbalkans erörterte. Auf der Konferenz wurde mehrfach unterstrichen, dass bei Erfüllung der Beitrittsvoraussetzungen alle Staaten des westlichen Balkans die Möglichkeit haben werden, der Europäischen Union beizutreten. Die Aufmerksamkeit für den Westbalkan sei in letzter Zeit stark gestiegen, so Südbeck, der die Region als eine „geostrategische Priorität“ für die EU bezeichnete. Dennoch gebe es noch viele Probleme, wie etwa extreme soziale Unterschiede.
Michael Martens (M.), Redakteur der FAZ und ehemaliger Korrespondent in Belgrad



Bodo Hombach (r.) und Kevin Medau (l.) während des Vortrags von Michael Martens
 
Am 22. Oktober berichtete Michael Martens, Redakteur der FAZ und ehemaliger Korrespondent in Belgrad, in Bodo Hombachs Seminarveranstaltung mit dem Titel „Die politische Integration Südosteuropas. Geschichte, Bestandsaufnahme und Perspektiven“ aus seiner Zeit in Südosteuropa.

Während seiner siebenjährigen Zeit als FAZ-Korrespondent in Belgrad konnte Michael Martens viel über die teilweise ambivalente Haltung der dortigen Bevölkerung gegenüber Russland lernen. So fand in Belgrad zum Beispiel erst eine Militärparade zu Ehren Putins und kurze Zeit später - als Protest gegen die anhaltende Diskriminierung von Homosexuellen in Russland - eine Gaypride-Parade statt. Die EU bezeichnete Martens in seinem Vortrag als den wirkungsträchtigsten und mächtigsten Akteur auf dem Balkan, welcher für viele die Rolle eines „europäischen Subkontinents“ einnehme.

Bei der anschließenden Diskussion stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich der EU-Mitgliedsstatus auf Länder in Südosteuropa auswirke. „Der Kandidatenstatus eines Landes ist oft stabilisierender als der Mitgliedsstatus selbst“, so Bodo Hombachs Meinung zu diesem Thema, der viele retardierende Momente bei südosteuropäischen Mitgliedsstaaten feststellte, wie etwa eine „Putinisierung der Medienlandschaft“.