Developed in conjunction with Joomla extensions.


Lehrveranstaltung zum Thema „Die Türkei: Ein Wachstumsmarkt in der Krise?“




Karsten Jung, Geschäftsführer der Bonner Akademie,
leitet die Veranstaltung ein




Gülay Kızılocak, Türkei-Koordinatorin der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) mit Sitz in Essen




Dr. Wolf-Ruthart Born, ehemaliger Staatssekretär des Auswärtigen Amtes mit weltweiter Zuständigkeit und
u. a. früherer Botschafter in Ankara




Suat Bakır, Hauptstadtrepräsentant der Deutsch-Türkischen Wirtschaftsvereinigung e. V. (DTW) mit Sitz in München und ehemaliger Geschäftsführer der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer – Unternehmerverband e. V. mit Sitz in Berlin und Repräsentanz in Köln

 
Vor dem Hintergrund des Oberthemas „Globale Herausforderungen – globale Chancen“ zum aktuellen BAPP-Lehrveranstaltungsprogramm des ersten Halbjahres 2016 nahm die dritte Lehrveranstaltung der BAPP GmbH zum Thema „Die Türkei: Ein Wachstumsmarkt in der Krise?“ am 24. Mai folgende Aspekte in den Blick: gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen in der Türkei, bilaterale Beziehungen mit Deutschland und der Europäischen Union (EU), interkulturelle Herausforderungen für ausländische Investoren sowie Anreize und Risiken für unternehmerisches Engagement im Land am Bosporus. Abgerundet wurden diese Betrachtungen durch einen Praxisteil, in dem berufliche Erfahrungen über Absatz- und Investitionsmöglichkeiten im Ländervergleich Türkei-Deutschland zur Sprache kamen.

Gülay Kızılocak, Türkei-Koordinatorin der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) mit Sitz in Essen, führte in das Thema der BAPP-Lehrveranstaltung ein. Dabei diskutierte sie Perspektiven gesellschaftlicher Entwicklung sowie die aktuelle politische Situation in der Türkei und skizzierte die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Frau Kızılocak stellte in ihrem Vortrag besonders heraus, dass es sich bei der Republik Türkei um ein Land handele, in welchem eine Verbindung von drei Elementen zum Tragen kommt: eine moderne, westliche und demokratische Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft gepaart mit einem lebendigen und in der türkischen Gesellschaft tief verwurzelten Islam moderner Prägung sowie einem in Teilen stark ausgeprägten Nationalismus.

Im Anschluss an die thematische Einführung befasste sich Dr. Wolf-Ruthart Born, ehemaliger Staatssekretär des Auswärtigen Amtes mit weltweiter Zuständigkeit und u. a. früherer Botschafter in Ankara, schwerpunktmäßig mit der Bedeutung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie den Kooperationsmöglichkeiten mit der türkischen Republik im EU-Rahmen. Er machte in seinem Vortrag deutlich, wie eng die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind, was sich vor allem an den vielfältigen zwischenmenschlichen Beziehungen zeige. Es verwundere daher kaum, dass das Urlaubsland Türkei ein beliebtes und günstiges Reiseziel der Deutschen ist. Neben der Bedeutung als wichtiger Partner im Rahmen der aktuellen EU-Flüchtlingspolitik komme der Türkei auch als NATO-Partner eine besondere geostrategische Rolle in Vorderasien zu. Botschafter Dr. Born hob in seinen Ausführungen insbesondere den historischen Hintergrund hervor, der für das Verständnis der deutsch-türkischen Beziehungen wesentlich sei. So existieren bis zum heutigen Tag „ein dichtes Geflecht von diplomatischen und politischen Beziehungen sowie enge Konsularbeziehungen“. Auch gäbe es zahlreiche Verbindungsoffiziere und eine enge Militärkooperation. Dennoch, trotz aller positiven Punkte, sei die Türkei ein „schwieriger Partner“. Große Potenziale lägen hingegen im Bereich der Wirtschaft, und das für beide Seiten. Aber auch in den Bereichen „Bildung“ und „Kultur“ zeige sich, so Dr. Born, das große Potenzial der deutsch-türkischen Partnerschaft, was seinen sichtbaren Niederschlag in den zahlreichen (Botschafts-) Schulen, Bildungseinrichtungen und Universitätspartnerschaften sowie im starken kulturellen Austausch findet. Ähnlich intensiv wie die deutsch-türkischen Beziehungen beurteilte der einstige deutsche Diplomat auch die EU-Türkei-Beziehungen, die – laut Dr. Born – „besser als ihr Ruf“ sind. In der Summe bleibe die Türkei auch im EU-Kontext ein schwieriger Partner, der sich recht gespalten, mitunter sogar zerrissen zeigt.

An diesen primär politischen Überblick schloss sich ein Themenblock zu Kultur, Sitten und Bräuchen in der Türkei an, für den wieder die Tagesreferentin des ZfTI zur Verfügung stand, um so die interkulturellen Herausforderungen für ausländische Investoren zu veranschaulichen. Dabei standen besonders der Islam, religiöse Feste und Rituale, aber auch der Volks- und Aberglaube sowie das Mann-Frau-Verhältnis im Vordergrund der Ausführungen von Gülay Kızılocak. Abgeschlossen wurde dieser Veranstaltungsteil durch einen kurzen Verweis auf die zentrale Bedeutung des Faktors Wirtschaft für die weitere Entwicklung der Türkei, sodass ein nahtloser Übergang zum Themenblock Wirtschaft geschaffen wurde, der unter dem verheißungsvollen Motto „Die Türkei – Ein Land mit Perspektive“ stand.

Der Wirtschaftsteil der Lehrveranstaltung, den Suat Bakır, Hauptstadtrepräsentant der Deutsch-Türkischen Wirtschaftsvereinigung e. V. (DTW) mit Sitz in München und ehemaliger Geschäftsführer der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer – Unternehmerverband e. V. mit Sitz in Berlin und Repräsentanz in Köln, als Referent gestaltete, bestand aus insgesamt zwei großen thematischen Blöcken: In Block I ging es um Synergien zwischen deutscher und türkischer Wirtschaft zum gegenseitigen Nutzen, um Entwicklungs- und Zukunftspotenziale im Spiegel aktueller Bedrohungen wie den Konflikt in Syrien sowie um Chancen und Herausforderungen wirtschaftlicher Zusammenarbeit angesichts der noch laufenden EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Block II hingegen umfasste einen Erfahrungsbericht von Suat Bakır mit Blick auf Absatz- und Investitionsmöglichkeiten in der Türkei und in Deutschland. Dabei flossen persönliche Erfahrungen aus dem Bankensektor und dem Beratungswesen ein, die Suat Bakır im Laufe seiner Berufsjahre sammeln konnte. Besondere Erwähnung fand die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der türkischen Republik im Anschluss an die Wirtschaftskrise von 2001: Aufgrund der Reform des Banken- und Finanzsektors sowie weitreichender wirtschaftlicher Reformen sei es, so Bakır, gelungen, das Land am Bosporus auf Rang 17 der weltweit größten Volkswirtschaften zu platzieren. Auch im EU-Vergleich schneide die Türkei mit Rang 6 der größten Volkswirtschaften der EU bemerkenswert gut ab. Aus dieser Sicht gäbe es, wenn es nach Suat Bakır ginge, genügend Gründe für ausländische Unternehmen, um in den Wachstumsmarkt Türkei mit seiner jungen Bevölkerung und einem dynamischen privaten Sektor zu investieren. Von Krise könne angesichts der Wirtschaftsdaten jedenfalls nicht die Rede sein, so das Abschluss-Statement von Bakır.