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Lehrveranstaltung zum Thema "Brasilien: Die neue Macht in Lateinamerika?"





 
Am 6. Mai 2015 fand mit der Lehrveranstaltung "Brasilien: Die neue Macht in Lateinamerika?" das letzte Seminar im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die 'Big Player' der neuen Weltwirtschaft" statt. Zur politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation referierten Cristina Ramalho, Interkulturelle Kommunikation und Coaching, Dr. Uwe Kaestner, Botschafter a.D. in Brasilien und Vizepräsident der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft, Carlos von Ysenburg, Geschäftsführer der SUPRAMOSA+ UG, und Sabine Zöll, Projektmanagerin Olympische Spiele beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
 
Am Morgen referierte Cristina Ramalho über die kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in Brasilien. Als besonders wichtig stellte sie heraus, dass einerseits eine starke Vermischung zwischen privater und beruflicher Sphäre in Brasilien vorherrsche, andererseits sehr viel Wert auf hierarchische Abgrenzungen gelegt würde. Zudem wies Sie auf bestimmte brasilianische Eigenheiten wie den Jeitinho ("Wir finden einen Weg"), der sich immer im kritischen Spannungsfeld zwischen Korruption und Bitte bewegt und nicht selten eher Regel als Ausnahme in Politik und Gesellschaft ist.
 
Am Nachmittag widmete sich der deutsche Botschafter a.D. in Brasilien, Dr. Uwe Kaestner, dem politischen System und der Volkswirtschaft Brasiliens. Zu Beginn stellte er heraus, dass Brasilien nicht im Fokus der deutschen Öffentlichkeit steht, so dass eine selektiv-negative Berichterstattung über die politischen Geschehnisse dort vorherrsche, die im krassen Gegensatz zur bekannten karnevalistischen Folklore steht. Besonders die schwierige Parteienlandschaft sowie das negative Wirtschaftswachstum machen dem Land zu schaffen. Nichtsdestotrotz gibt es auch positive Elemente wie die Stärkung der öffentlichen Sicherheit. Brasilien sei als Handelspartner für Deutschland von essentiellem Interesse, bedenkt man, dass allein das Land Sao Paulo ein BIP in Höhe dessen von ganz Argentinien hat.
 
Carlos von Ysenburg widmete sich in seinem Vortrag den Bedingungen des brasilianischen Marktes und den Möglichkeiten für deutsche Unternehmen in diesen zu investieren. Bereits 1.400 deutsche Unternehmen sind heute in Brasilien ansässig und erwirtschaften mit 250.000 Mitarbeitern ca. 10% des BIP. Von besonderer Wichtigkeit für Brasilien ist der Agrarsektor, der 25% des BIP ausmacht und in Zukunft bis zu 40% des weltweiten Bedarfs an Agrarprodukten decken soll. Als Probleme für ausländische Unternehmen in Brasilien stellte er heraus, dass eine komplizierte Steuergesetzgebung wie auch andere gesetzliche Bestimmungen einen Markteinstieg stark verkomplizierten. Auch der Ausbau der Infrastruktur müsse wesentlich vorangetrieben werden, wofür von 2007 bis 2014 die Regierung die Programme PAC1 und PAC2 aufgelegt hatte.
 
Zuletzt referierte Sabine Zöll vom DOSB über das Projekt Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Als Besonderheit gegenüber vielen olympischen Spielen der Vergangenheit betonte sie, dass erstmals wieder die Spiele vollständig an einem Ort ausgetragen werden könnten und nicht über mehrere Orte verteilt werden müssen. Die aufwendigen Planungs- und Bauarbeiten seien auf einem guten Weg, so dass entgegen einiger negativer Erwartungen alles pünktlich fertig gestellt sein werde.