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Lehrveranstaltung zum Thema „Krisen-Kommunikation in Politik, Wirtschaft und Medien"
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Führungskompetenzen für Politik, Wirtschaft und Medien“ fand am 2. Juli eine Lehrveranstaltung zum Thema „Krisenkommunikation in Politik, Wirtschaft und Medien“ statt, an welcher Führungskräfte aus Unternehmen sowie Doktoranden der Universität Bonn und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg teilnahmen. Der Fokus lag dieses Mal darauf, anhand praktischer Krisenbeispiele, die Krisenkommunikation verschiedener Unternehmen zu analysieren.

Frank Roselieb, geschäftsführender Direktor des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, gab zu Beginn der Lehrveranstaltung einen umfassenden Überblick über die Facetten von Krisen und der dazugehörigen Krisenkommunikation. Anhand verschiedener realer Beispiele erläuterte und bewertete er unterschiedliche Kommunikationsstrategien betroffener Unternehmen. Vattenfall habe beispielsweise während des Brandes des Kernkraftwerkes Brunsbüttel 2009 den Fehler gemacht, die Politik dafür zu kritisieren, dass sie die Situation für eine Kampagne gegen die Kernenergie ausnutze. Als Auslöser der Krise solle man unbedingt Zurückhaltung wahren und das Kritisieren anderer vermeiden.

Martin Winter, Pressesprecher des Bundesrechnungshofes
Im Anschluss gab Martin Winter, Pressesprecher des Bundesrechnungshofes, Einblicke in seine Arbeit. Seine Hauptaufgabe sei es, die Medien und die Öffentlichkeit über die Arbeit und die Unabhängigkeit des Bundesrechnungshofes zu informieren. Mit Krisen sehe sich der Bundesrechnungshof selten konfrontiert, eher mit „Krisen der anderen“, so Winter. Beispielsweise  leugneten manche Politiker die Existenz von Berichten des Bundesrechnungshofes, die eine Krise hätten verhindern können. Auch die Kompetenz des Rechnungshofes würde in Krisenzeiten oft in Frage gestellt, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

Ulrich Winkler, ehemaliger Pressesprecher der Deutschen BP AG sowie der RAG-Stiftung
Über die Krisenkommunikation von BP zur Zeit der Ölpest im Golf von Mexiko referierte Ulrich Winkler, ehemaliger Pressesprecher der Deutschen BP AG sowie der RAG-Stiftung. Laut Winkler sind die ersten Stunden nach dem Krisenereignis entscheidend. Von enormer Wichtigkeit sei es, das Ereignis nicht klein zu reden. Man solle vom „Worst Case“ ausgehend planen und Widersprüche in den eigenen Aussagen vermeiden. Diese Grundregeln habe BP bei seiner Krisenkommunikation verletzt. Tony Hayward, der damalige CEO von BP, bewertete die Situation in den ersten Wochen als klein und unbedeutend, obwohl 5.000 – 10.000 barrels Öl im Golf von Mexiko austraten. Weitere verharmlosende und unüberlegte Aussagen folgten, wie: „Don’t Worry: It’s only a drop in the ocean.“ Auch eine von BP gestartete TV/Print-Kampagne, die ca. 50 Mio. Dollar kostete, war aus Sicht Winklers ein Fehler. In Krisenzeiten solle man keine teuren Ausgaben abseits der Krisenbekämpfung tätigen. Diese würden meistens zu Negativschlagzeilen führen.

Gegen Ende der Lehrveranstaltung wurden die Teilnehmer selbst zu Krisenmanagern. In drei Gruppen eingeteilt, wurden drei verschiedene Krisenszenarien bearbeitet und anschließend vorgestellt. Frank Roselieb bewertete die Ergebnisse und erläuterte im Anschluss die jeweiligen Musterlösungen. So gelang es den Referenten insgesamt, die verschiedenen Aspekte der Krisenkommunikation anschaulich herauszuarbeiten und den Teilnehmer, die Grundlagen des Krisenmanagements zu vermitteln.