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Lehrveranstaltung zum Thema „Meinung und Meinungsforschung"
Am 6. Juni 2013 lud die BAPP erneut Führungskräfte aus Unternehmen sowie Doktoranden der Universität Bonn und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu einer Lehrveranstaltung ein. Diese behandelte das Thema „Meinung und Meinungsforschung“.

Prof. Dr. Frank Faulbaum, der bis 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialwissenschaftliche Methoden und Empirische Sozialforschung der Universität Duisburg-Essen war und nun Geschäftsführer des Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums, gab zunächst einen Überblick über die Zielsetzung von Umfragen und benannte Indikatoren der Umfragequalität. Unter den Stichpunkten „Normen, Werte, Einstellungen und ihre Messbarkeit“ ging er aus wissenschaftlicher Sicht ferner auf Verzerrungen in Umfrageergebnissen, Fragebewertungssysteme und die Rolle technologischer Entwicklungen ein. Herr Prof. Dr. Faulbaum begleitete moderierend die gesamte Lehrveranstaltung.

Im Anschluss stellte Corinna Güllner, Geschäftsführerin des forsa-Instituts, wesentliche Ansätze und Instrumente der praktischen Meinungsforschung vor. Dabei erläuterte sie ebenso die Unterscheidung der qualitativen und der quantitativen Forschung wie auch die Vor- und Nachteil eben dieser. So ginge es bei der qualitativen Perspektive nicht um Häufigkeiten und Verteilungen, sondern vielmehr um eine emotionale und psychologische Repräsentativität und damit um ein tiefer gehendes Verständnis von verschiedenen Zielgruppen sowie deren Motivationen und Konflikte. Durch eine Verzahnung mit der quantitativen Forschung könnten qualitativ identifizierte Typologien, Motivationen und Wahrnehmungen repräsentativ untersucht und quantifiziert werden. Zum Ende dieser Einheit gab es viel Zeit für Diskussionen.

Holger Geißler
Ergänzt wurde diese Einheit durch Holger Geißler, Vorstand des international tätigen Unternehmens YouGov, welches sich insbesondere auf die Online-Forschung spezialisiert hat. Unter dem Titel „Neue Methoden der Demoskopie“ ging er dann auch vorwiegend auf die Online-Befragung ein, die den großen Vorteil mitbringe, nicht nur kostengünstig zu sein, sondern darüber hinaus auch das Problem des Interviewer-Einfluss und der sozialen Erwünschtheit zu bereinigen.  Weitere, äußerst spannende Themen dieser Einheit, bildeten die Wahlvorhersagen und die Durchführung der Sonntagsfrage. Herr Geißler zog die Schlussfolgerungen, dass das Mediennutzungsverhalten der Menschen sich so verändert habe und immer mehr Daten über Nutzer, Wähler und Konsumenten vorlägen, dass die Markt- und Meinungsforschung mit dieser Entwicklung Schritt halten müsse.

Zuletzt sprach Thorsten Klein, gelernter Journalist und aktuell Regierungssprecher des Saarlandes, über die Medien als Meinungsmacher. Kurz schnitt Herr Klein noch einmal die Schlüsselfunktionen der (Massen)-Medien für die Gesellschaft an, um dann das Thema Agenda Setting sowie die Mediatisierung der Politik näher zu beleuchten. Er unterstrich, dass auch der mündige Bürger zu den meisten Sachverhalten und Personen, über die er sich eine Meinung bildet, keinen direkten Zugang habe, sondern auf die Berichterstattung der Medien zurückgreifen muss und daher sich nur ein Bild aus zweiter Hand machen könne. An den Schluss seines interessanten Vortrages stellte Herr Klein drei Thesen: Meinung mache Politik. In vielen Fällen bestimme allein die veröffentlichte Meinung die politischen Entscheidungen und Meinung könne man machen. Über diese Aussagen und in Bezugnahme auf die Ausführungen über die Meinungsforschung wurde mit den Teilnehmern der Lehrveranstaltung noch ausführlich diskutiert.