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Lehrveranstaltung zum Thema „Führungskultur und Führungskompetenzen"
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Führungskompetenzen für Politik, Wirtschaft und Medien“ fand am 21. März die erste Lehrveranstaltung zum Thema „Führungskultur und Führungskompetenzen" statt, an welcher Führungskräfte aus Unternehmen sowie Doktoranden der Universität Bonn und der Hochschule Bonn Rhein-Sieg teilnahmen.

Am Vormittag leitete der Referent Prof. Dr. Elmar Wiesendahl, Direktor der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, ein und vermittelte die Bedeutung von Führung und Führungskultur für die Politik und die Wirtschaft. Die Führungskultur sei als ein „weiches“ Phänomen zu einem Schlüsselfaktor für erfolgreiche Unternehmen aufgestiegen. Doch was besagt Kultur? Von Menschen verinnerlichte und gemeinschaftlich geteilte grundlegende Ansichten, Überzeugungen, Werthaltungen sowie Regeln des „richtigen“ zwischenmenschlichen Umgangs und Zusammenlebens. Seit den 80er Jahren legten sich viele Unternehmen Leitbilder, Grundsätze und Verhaltensrichtlinien der Führung und Zusammenarbeit zu. Prof. Wiesendahl stellte die offizielle Führungskultur, welche sich nach eben diesen Leitbildern richtet, der gelebten Führungskultur gegenüber. Er forderte die Teilnehmer auf, die durchweg geforderte Mitarbeiterorientierung stärker in der gelebten Unternehmenskultur zu verankern. Mit Hilfe eines Fragebogens und einer anschließenden Gruppenarbeitsphase, hinterfragten die teilnehmenden Führungskräfte das eigene Führungsverhalten im Sinne der gewünschten Führungskultur.


Dr. Ralf Tils
Dr. Ralf Tils, Zentrum für Demokratieforschung der Leuphana Universität Lüneburg, systematisierte die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede von Führung in Politik und Wirtschaft. Die spezifischen Kernkompetenzen politischer und wirtschaftlicher Führungskräfte wurden gemeinsam mit den Teilnehmern erarbeitet und miteinander verglichen bzw. gegenüber gestellt. Das nicht überraschende Ergebnis lautete, dass das Spiel der Politik anders verläuft, als das der Wirtschaft und dies ebenso auf der Ebene der Führung. Die Führungsperson brauche unterschiedliche Kompetenzen, um in ihren Handlungsbereich erfolgreich zu sein. Bei Politikern spiele neben der Sachlogik – bedingt durch die Funktionen der parlamentarischen Demokratie – die Macht- und Akzeptanzlogik eine gewichtige Rolle. Wer die Unterschiede zwischen politischen und wirtschaftlichen Führungskulturen kenne, könne Erwartungsenttäuschungen vorbeugen und sein eigenes erfolgsorientiertes Handeln darauf ausrichten.


Dr. Martin Booms, Direktor der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur in Bonn, referierte zum Thema Verantwortung und arbeitete dabei klar die Bestimmung des Begriffs und auch die Grenzen von Verantwortung als eine der Kernherausforderungen moderner Führungskultur heraus. So sei die Aufgabe, Verantwortungsfragen zu managen kein „Add-On“ oder „Nice to Have“ mehr, erst recht keine Frage von „Soft Skills“, sondern vielmehr ein „Hard Fact“ und damit eine strategische Führungsverantwortung. Unternehmen müssten im Innen- und Außenverhältnis dialogische Schnittstellen und Strukturen schaffen, die eine verantwortungsvolle Führung ermöglichten. Dr. Booms sprach in diesem Zusammenhang über Entwicklungen wie die „Emanzipation von unten“, das Aufweichen der sogenannten „Fading Borderlines“ und die „Moralisierung der Märkte“ an. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen stellten sich die Fragen nach Verantwortung ganz neu und ergebnisoffen; die Frage nach verantwortungsvoller Führung habe aber auch immer unmittelbar mit der Stiftung und dem Erhalt von Macht zu tun.


Generalmajor Erhard Drews
Nach der Mittagspause durften wir mit Generalmajor Erhard Drews, Amtschef des Heeresamtes der Bundeswehr in Köln, einen sehr erfahrenen Referenten in Führungsfragen begrüßen. Er erläuterte die Anforderungen an Führungskompetenzen im militärischen Bereich und griff dabei immer wieder auf Beispiele aus der Praxis und seine Erfahrungen als Kommandeur des NATO-Einsatzes im Kosovo, wo er die KFOR-Truppe von 5900 Soldaten aus 30 Nationen befehligte. Generalmajor Drews erläuterte die Befehlskette in der Bundeswehr und stellte das „Konzept der Inneren Führung“ vor. Er kam zu dem Schluss, dass nur derjenige Soldat, der sich auch für sein Tun verantwortlich fühlt und in grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Befehl gebenden Instanz agiert, auch ein verlässlicher und effektiv agierender Befehlsempfänger sein kann. Dies kann man ohne Zweifel auch auf die Politik und die Wirtschaft übertragen.



Prof. Elmar Wiesendahl schloss den erkenntnisbringenden Tag mit einem Vergleich von Führungskulturen nationaler und internationaler Unternehmen, denn mit der Internationalisierung kamen neue Herausforderungen im Umgang mit der kulturellen Vielfalt hinzu. Auf diese wurde mit dem Diversity Management und der Befähigung zur interkulturellen Kompetenz von Führungskräften reagiert. Gegenüber gestellt wurden aufgaben- und mitarbeiterbezogene Führungskulturen. An den Beispielen China und die USA wurden die verschiedenen Werte und Normen an der deutschen Unternehmenskultur gespiegelt, so dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitere Best Practices Beispiele und Anwendungsbeispiele für ihre berufliche Praxis mitgegeben werden konnten.