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'Bonner Forum' zum Thema „Migrantenorganisationen in der Integrationsarbeit – Zwischen Community, Kommune und Verwaltung“

Prof. Dr. Volker Kronenberg (Mitte), Projektleiter und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BAPP

Dr. Uwe Hunger, Privatdozent an der Universität Münster und Migrationsexperte führte in die Thematik ein

Ramona Daum, stellvertretende Referatsleiterin „Zusammenhalt in Vielfalt, Teilhabe von Migrantenselbstorganisationen“ im Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW

Kenan Küçük, Geschäftsführer des Multikulturellen Forums e.V. sowie Landes- und Bundessprecher des Paritätischen Wohlfahrtverbandes berichtete von den Stolpersteinen bei der Etablierung seiner Migrantenorganisation



 
Am 15. November diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis beim Bonner Forum zum Thema „Migrantenorganisationen in der Integrationsarbeit – Zwischen Community, Kommune und Verwaltung“ über die Potenziale migrantischer Selbstorganisationen in der Integrationsarbeit. Im Fokus stand dabei die – auch in Politik und Medien immer wieder diskutierte – Frage nach den Bedingungen, unter denen die Migrantenorganisationen ihre wichtige integrationsfördernde Funktion erfüllen können. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ statt, das die Bonner Akademie in der Kooperation mit der Brost-Stiftung und unter Schirmherrschaft von Christian Wulff, Bundespräsident a.D., durchführt.

In der Einführung unterstrichen Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats, und Dr. Karsten Jung, Geschäftsführer der Bonner Akademie, die Relevanz des Themas. Migrantenorganisationen könnten in der Integrationsarbeit eine wichtige Rolle spielen, erreichten sie doch die Zielgruppe in der Regel deutlich erfolgreicher als etablierte Träger der Wohlfahrtspflege. Dafür müssten sie jedoch auch mit den notwendigen Mitteln ausgestattet werden.

Daran anschließend erläuterte Dr. Uwe Hunger, Privatdozent an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Migrationsexperte, die gesellschaftliche Bedeutung von Migrantenorganisationen. Diese spielten als Institutionen der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle für den Meinungsbildungsprozess und die Orientierung - gerade von Migranten - und könnten dementsprechend einen wertvollen Beitrag leisten. Die Hoffnung auf eine Kooperation der Migrantenvereine mit etablierten Trägern sei jedoch auf Grund des unterschiedlichen Professionalisierungsgrads nicht immer berechtigt, sodass es auch zu Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit kommen könne.

Die Brückenfunktion von Migrantenorganisationen betonte Ramona Daum, stellvertretende Referatsleiterin „Zusammenhalt in Vielfalt, Teilhabe von Migrantenselbstorganisationen“ im Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW (MAIS). Auch deshalb habe die Förderung von Migrantenorganisationen als eigenständige Akteure der Integrationsarbeit eine lange Tradition in NRW. Jährlich vergebe das MAIS ein Gesamtvolumen von einer Million Euro zur Förderung dieses Bereichs. Die unterschiedlichen Programme seien dabei an den Professionalisierungsgrad der jeweiligen Organisation angepasst und reichten von einer Anschubfinanzierung bis bin zur Qualifizierungs- und Vernetzungsmaßnahmen. So bestünde auch für kleinere und weniger etablierte Organisationen durchaus die Chance, durch das Land gefördert zu werden.

Von seinen praktischen Erfahrungen bei der Gründung und Etablierung einer Migrantenorganisation berichtete Kenan Küçük, Geschäftsführer des Multikulturellen Forums e.V. sowie Landes- und Bundessprecher des Paritätischen Wohlfahrtverbandes. Das Multikulturelle Forum gilt als Erfolgsbeispiel und verfügt mittlerweile über 120 hauptamtliche Mitarbeiter an 7 Standorten. Die Schwerpunkte der Arbeit reichen dabei von Beratung über Weiterbildung bis hin zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Dennoch, so Küçük, würden Migrantenorganisationen bisher noch nicht ausreichend unterstützt. Obwohl das Land NRW und auch der Bund sehr engagiert seien, könnten die Summen, die zur Förderung ausgegeben werden, deutlich größer sein. Gleichzeitig müsse sich jedoch auch jede Migrantenorganisation überlegen, ob sie den Weg zur Professionalisierung und zum Dienstleister wirklich gehen wolle.

In der anschließenden Diskussion betonten die Teilnehmer, dass Land und Kommunen sich noch stärker, vor Ort‘ engagieren sollten, damit Migrantenorganisationen die ihnen zugeschriebene Rolle auch erfüllen könnten. Zudem müssten sich auch die etablierten Wohlfahrtsverbände und Anbieter interkulturell öffnen und auf Augenhöhe mit den Migrantenorganisationen zusammenarbeiten. Bisher würden die vorhandenen Mittel nur ungern mit neuen Akteuren geteilt, der Faktor ,Fordern‘ werde oftmals stärker gemacht als das ,Fördern‘. Prof. Dr. Volker Kronenberg fasste abschließend zusammen, dass die Wahrheit wohl in der Mitte liege: Eine Revolution im Bereich der Integrationspolitik sei nicht zu erwarten, sodass sowohl die Migrantenorganisationen sich ein Stück weit an die deutschen Strukturen anpassen, als auch der Staat seine Förderpraxis zukünftig noch schärfen müssten.