Developed in conjunction with Joomla extensions.


Spannende Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Marina Münkler, Prof. Dr. Werner J. Patzelt und Prof. Dr. Bassam Tibi (v.l.n.r.). Moderation: Aslı Sevindim




Prof. Dr. Bassam Tibi, Professor für Internationale Beziehungen an der Georg-August-Universität Göttingen



Prof. Dr. Marina Münkler, Autorin des Buchs "Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft"




Prof. Dr. Werner Patzelt, Autor des Buchs „PEGIDA: Warnsignale aus Dresden“









 
Über die Frage, „Wie wir leben wollen -Werte, Kultur und Traditionen im Einwanderungsland Deutschland“ referierte der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Bassam Tibi am 18. Oktober in Bonn. Auf dem Podium diskutierte er im Anschluss mit Prof. Dr. Marina Münkler, Professorin für Ältere und frühneuzeitliche Literatur und Kultur an der Technischen Universität Dresden, und Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Professor für Politische Systeme und Systemvergleich an der TU Dresden. Aslı Sevindim, WDR, übernahm die Moderation des Abends. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ in Kooperation mit der Brost-Stiftung statt.


In seiner einführenden Rede betonte Prof. Dr. Bassam Tibi, dass es, wenn Menschen verschiedener Kulturen konfliktfrei zusammenleben wollen, einer ,Hausordnung‘ bedürfe, an der sich alle Bürger gleichermaßen orientieren müssten. Dazu zählten, führte Tibi aus, bestimmte Normen und Werte, die von allen geteilt werden und die gleichzeitig unverhandelbar seien – etwa die Gleichheit der Geschlechter. Mit Blick auf die in Europa lebenden Muslime sagte er, dass diese sich eine europäische Version des Islams aneignen müssten, denn die zentrale Frage sei nicht, wieviel Islam Europa verkrafte, sondern vielmehr welche Form des Islams?

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion hinterfragte Prof. Dr. Marina Münkler, Autorin des Buchs „Die neuen Deutschen: Ein Land vor seiner Zukunft“, den von Prof. Tibi geprägten Begriff der Leitkultur. Dieser sei nur schwer mit Inhalt zu füllen und oftmals zu anspruchsvoll, sodass er nicht einmal für alle Teile der deutschen Gesellschaft verbindlich wirke. Wichtiger seien eine Gesellschaftsstruktur, die Anerkennung nicht aufgrund von Herkunft versage, und ein uneingeschränktes Bekenntnis zum Grundgesetz. Darüber hinaus müssten Religion und Lebensführung Privatsache des Einzelnen sein.

Prof. Dr. Werner Patzelt, Autor des Buchs „PEGIDA: Warnsignale aus Dresden“, hingegen versteht den Begriff der Leitkultur als Maximum der Integration. Folglich könne er auch kaum zu anspruchsvoll definiert werden. Zum ,Deutsch-Sein‘ zählten nicht nur Basiswerte, sondern auch deutsches Kulturgut wie Musik und Dichtung. Zugespitzt, so Patzelt, reiche das Spektrum von dem Bekenntnis zur Mülltrennung bis hin zur Verantwortung über die Lehren aus dem Holocaust.


Der Verlauf der Debatte machte deutlich, dass die Frage, wie wir leben wollen, nur sehr individuell beantwortet werden kann. Bestimmte Basiswerte, in diesem Punkt waren sich die Diskutanten einig, seien essentiell für ein funktionierendes Miteinander. Welche Normen, Traditionen und Werte allerdings dazu gehören, wird wohl zukünftig -auch in der Bonner Akademie -weiterhin diskutiert werden.