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Spannende Podiumsdiskussion mit Constantin Schreiber, Dr. Frauke Gerlach, Anja Reschke und Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger (v.l.n.r.). Moderation: Dr. Moritz Küpper




Anja Reschke, Journalistin und Panorama-Moderatorin



Dr. Frauke Gerlach, Direktorin und Geschäftsführerin des Grimme Instituts




Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger, emeritierter Professor für empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz




Constantin Schreiber,  Grimme-Preisträger und Journalist bei n-tv





 
Am 29. Juni war die Journalistin und Panorama-Moderatorin Anja Reschke in der Bonner Akademie zu Gast und referierte über „Die Rolle der Medien in der Integrationsdebatte – Zwischen Objektivitätsanspruch und gesellschaftspolitischer Verantwortung“. Im Anschluss diskutierte sie auf dem Podium mit Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts, Constantin Schreiber, Journalist und Grimme-Preisträger sowie Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger. Dr. Moritz Küpper, Landeskorrespondent des Deutschlandradios, moderierte die Veranstaltung, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ in Kooperation mit der Brost-Stiftung stattfand.


In ihrer Rede betonte die NDR-Journalistin und Moderatorin Anja Reschke, dass die deutsche Berichterstattung, entgegen aller Vorwürfe, durchaus ausgewogen sei. Wie etwas aufgenommen oder eingeordnet werde, hänge sehr stark vom Rezipienten ab, die Wahrnehmung sei dabei sehr unterschiedlich. Mit Blick auf das im Veranstaltungstitel aufgegriffene Dilemma zwischen Objektivität und gesellschaftspolitischer Verantwortung machte sie deutlich, dass Objektivität – im Sinne von Neutralität – nicht existieren könne, da Journalisten schwerlich nur positionslose Beobachter sein könnten und illustrierte dies anschaulich anhand eigenen Arbeiten und Erfahrungen. Zudem hielt Reschke fest, dass Journalisten zweifelsohne eine gesellschaftspolitische Verantwortung besäßen. Diese ergebe sich bereits aus ihrer Wächterrolle, die durch das Grundgesetz verankert sei: Sexismus oder Rassismus müssten angeprangert werden, schon allein weil sie gegen unsere Gesetze verstoßen.

Redebeitrag von Anja Reschke hier anhören:




Bei der darauffolgenden Podiumsdiskussion griff Dr. Frauke Gerlach, Direktorin und Geschäftsführerin des Grimme Instituts, die gesetzlich verankerte Rolle der Medien auf und machte deutlich, dass sich objektiver Journalismus stets innerhalb der Rahmenbedingungen des Grundgesetzes bewegen müsse. Bei Integration und der damit verbunden Grundwerte handele es sich sogar um einen Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien. Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger, emeritierter Professor für empirische Kommunikationsforschung an der Universität Mainz, beschrieb die deutsche Berichterstattung als emotionsgeladen und parteiisch. Von nüchternen Journalisten könne man gerade auch im internationalen Vergleich nicht sprechen, argumentierte Kepplinger, der das Podium kurz darauf vorzeitig verließ, auf Basis vorläufiger Ergebnisse einer Vergleichsstudie zwischen Deutschland und Großbritannien. Constantin Schreiber, Grimme-Preisträger und Journalist bei n-tv, erklärte daran anschließend, dass man auch als Journalist manchen Bildern gegenüber einfach nicht neutral sein könne. Natürlich sei Betroffenheit – gerade im Fall der Flüchtlingskrise – unter Umständen die Ausgangslage der Berichterstattung, ob man das gut oder schlecht finde, sei jedem jedoch selber überlassen.


Der Verlauf der Diskussion verdeutlichte einmal mehr, dass die Debatte zu diesem wichtigen Thema noch immer schwierig und konfliktbeladen ist. Insoweit bleibt als Fazit die Erkenntnis, dass eine offene und sachliche Auseinandersetzung mit der Rolle der Medien in der Integrationsdebatte weiterhin eine wichtige Aufgabe – auch für die Bonner Akademie – bleibt.