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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 'Essener Forums'



Alfred Steinhoff, Vorsitzender des Seniorenbeirats Essen




Meral Aslan vom Generationennetz Gelsenkirchen e.V.




Ralf Krause (l.), Heimleiter des „Hauses am Sandberg“ in Duisburg, und Zeki Günes (m.), Pflegedienstleiter des multikulturellen Seniorenzentrums


Abschlussdiskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 'Essener Forums'






 
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ fand am 7. Juni 2016 das Essener Forum zum Thema „Gesundheit und Pflege muslimischer Senioren. Herausforderungen und Bedarfe in der Praxis“ statt. Verschiedene Praktiker aus den Bereichen Gesundheit, Pflege und Politik diskutierten die neuen Aufgaben und Anforderungen, die sich durch den Eintritt der ersten Einwanderergeneration ins Rentenalter ergeben.

In seiner Einleitung betonte der Geschäftsführer der Bonner Akademie, Karsten Jung, die Relevanz des Themas: Trotz stetig steigender Bedarfe seien interkulturelle Kompetenzen vor allem in der stationären Pflege noch unterrepräsentiert. Im Anschluss erläuterte Alfred Steinhoff, Vorsitzender des Seniorenbeirats Essen, die Notwendigkeit einer stärkeren Einbeziehung dieser Fähigkeiten in die deutsche Pflegestruktur. Durch körperliche Arbeit und Stress seien vor allem die Gastarbeiter überdurchschnittlich früh von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen. Neben der Grundversorgung, so Steinhoff, sei aber auch ein interkulturelles Freizeitangebot essentiell. So könne dem nachlassenden Sprachvermögen und der zunehmenden Isolation der muslimischen Senioren effektiv entgegengewirkt werden.
 
Meral Aslan vom Generationennetz Gelsenkirchen e.V. erläuterte, dass es auch für türkische Familien immer schwerer werde, die Pflege der Eltern alleine zu bewältigen. Auch deshalb sei davon auszugehen, dass türkische Senioren in den nächsten Jahren immer stärker die Angebote ambulanter Pflegedienste und stationärer Seniorenheime in Anspruch nehmen werden. Zur Implementierung, so Aslan, sei es hilfreich, die Moscheegemeinden einzubeziehen. Laut Aslan verfügen diese zum einen über das notwendige Wissen, zum anderen erreichen sie problemlos die Zielgruppe der muslimischen Senioren und können als Multiplikatoren fungieren.
 
Wie multikulturelle Pflege in der Praxis ausgestaltet werden kann, zeigten anschließend Ralf Krause, Heimleiter des „Hauses am Sandberg“ in Duisburg, und Pflegedienstleiter Zeki Günes. In der stationären Einrichtung, die als Pilotprojekt und deutschlandweit erstes multikulturelles Seniorenzentrum 1994 startete, stammen sowohl das Personal als auch die Bewohner aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen. Das „Haus am Sandberg“ verfügt über entsprechende Einrichtungen, um kultursensible Pflege anbieten zu können, z.B. einen muslimischen Gebetsraum, kultur- und religionsspezifische Essensangebote und Feiern. Dabei gehe es, so Krause, weniger darum, ein Sonderangebot zu etablieren, sondern vielmehr darum, jeden Bewohner mit seinen individuellen Bedürfnissen zu berücksichtigen.
 
Abschließend erläuterte Ute Galonski vom BiG – Bildungsinstitut im Gesundheitswesen in Essen die Notwendigkeit, interkulturelle Faktoren auch stärker in die Hospizarbeit einzubinden. Im Rahmen des Projekts „Interkulturelle Hospizarbeit“ werden dementsprechend interkulturelle Schulungen für Palliativkräfte durchgeführt. Zudem werde vermehrt ehrenamtliches muttersprachliches Personal für die Hospizarbeit qualifiziert. Durch eine enge Vernetzung mit Moscheegemeinden und Migrantenselbstorganisationen werden zudem die Zugänge zu palliativer Versorgung für Menschen mit Migrationshintergrund erleichtert.
 
In der anschließenden Diskussion waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass im Bereich der interkulturellen Seniorenarbeit noch Optimierungspotential besteht. Vor allem Konzepte nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ und eine zielgruppengerechte Ansprache, etwa durch Vertreter der muslimischen Gemeinschaften sowie Moscheegemeinden oder Vertrauenspersonen wie Hausärzte, seien in diesem Zusammenhang erfolgversprechend. Auf diese Weise könne auch das Wissen über bestimmte Angebote und Möglichkeiten vergrößert und die Zielgruppe der muslimischen Senioren besser adressiert und erreicht werden.