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Die Bonner Akademie durfte mit Stefan Aust einen der profiliertesten Terrorismus-Experten im deutschsprachigen Raum begrüßen



Hielt die Begrüßungsrede: Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie



Einblicke in die Aufarbeitung des NSU-Skandals aus erster Hand lieferte Clemens Binninger, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss



Winfried Ridder, Stefan Aust, Moderator Dr. Helge Matthiesen und Clemens Binninger (v.l.n.r.)




Die Bonner Akademie begrüßte an diesem Abend insgesamt über 160 Gäste






 
Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen im Münchener NSU-Prozess durfte die Bonner Akademie am 19. November 2015 mit Stefan Aust, Herausgeber der Tageszeitung "Die Welt" sowie ehemaliger Chefredakteur des "Spiegel", einen der profiliertesten Terrorismus-Experten im deutschsprachigen Raum begrüßen. Über die Ausrichtung und die Effektivität der deutschen Sicherheits- und Ermittlungsbehörden sowie über die Aufarbeitung des NSU-Skandals diskutierten mit ihm unter der Moderation von Dr. Helge Matthiesen, Chefredakteur beim Bonner General-Anzeiger, der Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger sowie Winfried Ridder, ehemaliger Mitarbeiter beim Bundesamt für Verfassungsschutz.

In seiner Begrüßungsrede ging Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, auf die von islamistischen Terroristen in Paris verübte Anschlagsserie ein und spannte den Bogen zum Thema der Veranstaltung. Er sehe klare Interdependenzen bei den Entwicklungen, indem Terroristen und Radikale der verschiedenen Lager sich gegenseitig immer weiter anstacheln würden. "Sie brauchen die Gewalt der anderen für die eigene Gewalt", so Prof. Hombach. Was er mit Blick auf den NSU-Terror als besonders beunruhigend empfindet, ist nicht nur die Anzahl der Morde sondern auch die Tatsache, dass diese jahrelang unbemerkt und die wahren Hintergründe unaufgeklärt blieben.

Zu Beginn seiner Rede griff Stefan Aust das Eingangsstatement von Prof. Hombach auf und entwarf dazu das Szenario, dass die Flüchtlingskrise und die Anschläge von Paris in den kommenden Monaten und Jahren eine Gegenbewegung mit rechter Gewalt provozieren könnten. Vor diesem Hintergrund und zur gezielten Bekämpfung sowohl des islamistischen als auch des rechten Terrorismus sei eine Stärkung der Geheimdienste unausweichlich, allerdings müssten die Kontrollmöglichkeiten verbessert und die offene Diskussion über Fehler der Vergangenheit gefördert werden. Im Zusammenhang mit der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" sprach Aust von "behördlichem Versagen" und hielt fest, dass die Aussage, "der Verfassungsschutz sei auf dem rechten Auge blind gewesen, zu einfach ist." Vielmehr "haben die Behörden höchstwahrscheinlich mehr gewusst, als sie jetzt zugeben", so Aust.

In der anschließenden Diskussion unterstrich Clemens Binninger, dass die NSU-Mordserie sowohl in der Politik als auch in den Medien sowie allgemein in der Gesellschaft nicht erkannt wurde. Außerdem sei der Verfassungsschutz aus seiner Sicht oft "zu nah dran", um noch objektiv urteilen zu können. Vor allem das V-Mann-System sieht das Mitglied des NSU-Untersuchungsausschuss "als kardinales Problem": Hier ginge im Laufe der Zeit häufig die Distanz zwischen V-Mann, V-Mann-Führer und dem Observationsziel verloren. Allerdings sei der Einsatz von V-Männern nach wie vor wichtig, man sollte "dies nur nicht inflationär betreiben". Dem pflichtete Winfried Ridder bei, der eine ähnlich weitreichende Dimension im V-Mann-System erkennt. Durch die bloße zahlenmäßig umfangreiche Einschleusung in rechtsgerichtete Organisationen sei bei den Geheimdiensten schnell der Eindruck entstanden, dass "man 'rechts' alles im Griff habe“, was offensichtlich ein Trugschluss gewesen ist, so Ridder.

Berichterstattung in der Presse:
General-Anzeiger Bonn
Beitrag der Medienwerkstatt Bonn