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Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 'Essener Forums'


Samy Charchira, Sachverständiger bei der Deutschen Islam Konferenz und Mitglied des Landesvorstandes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW


Ayten Kilicarslan, Abteilungsleiterin Frauen, Familie, Jugend und Soziale Dienste der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) e. V.


Andreas Meiwes, Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Essen e. V.


Pfarrer Andreas Müller, Diakoniewerk Essen e. V.

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebietes" tagte am 12. November 2015 das 'Essener Forum' zum Thema "Brauchen wir einen islamischen Wohlfahrtsverband? Perspektiven einer aktuellen Debatte". Da dieses kontroverse Thema in Deutschland schon seit einigen Jahren intensiv diskutiert wird, lud die Bonner Akademie bekannte Experten ein, um im Rahmen des Forschungsprojekts dieses Thema zu erörtern und neue Impulse zu wecken.

Nach einer kurzen Einführung durch Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Bonner Akademie, stellte Samy Charchira (Sachverständiger bei der Deutschen Islam Konferenz und Mitglied des Landesvorstandes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW) den aktuellen Stand der Diskussion in der Deutschen Islam Konferenz dar. Er betonte die Notwendigkeit eines islamischen Wohlfahrtsverbandes, der die bestehenden Angebote der freien Wohlfahrtspflege mit Blick auf soziale Dienstleistungen von und für Muslime ergänzen solle. In diesem Zusammenhang plädierte Charchira für eine interkulturelle Öffnung der etablierten Verbände sowie für Wahlfreiheit. Er räumte jedoch ein, dass der Weg zu einem islamischen Wohlfahrtsverband ein langer sei, der konkrete Strategien und Strukturen verlange, die Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege erfordere und mit Engagement auf kommunaler Ebene beginnen müsse.

Vor diesem Hintergrund berichtete Ayten Kilicarslan (Abteilungsleiterin Frauen, Familie, Jugend und Soziale Dienste der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) e. V.) von den konkreten Herausforderungen der muslimischen Verbände in Deutschland, insbesondere im Ruhrgebiet. Sie lobte die Gründung der "AG Islamische Wohlfahrtspflege", unterstrich die Bedeutung der interkulturellen Öffnung und betonte den Wunsch nach einem islamischen Wohlfahrtsverband, der Angebote für alle Menschen unabhängig von Ihrer Religion machen solle.

Andreas Meiwes (Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Essen e. V.) erklärte, dass die Caritas ihr Wissen und ihre Erfahrungen zur Gründung eines Wohlfahrtsverbandes gerne zur Verfügung stellen würde. Den ersten Schritt zur Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbandes müssten die Muslime allerdings selbst gehen. Dabei könne insbesondere die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland als Modell dienen. Diese Ansicht teilte auch Pfarrer Andreas Müller (Diakoniewerk Essen e. V.), der von der historischen Betrachtung der Wohlfahrtspflege in Deutschland aus auf die Voraussetzungen einer Gründung einging. Der wichtigste Punkt sei die Offenheit des Wohlfahrtsangebots für Menschen aller Glaubensrichtungen.

In der abschließenden Diskussion mit den Projektmitarbeitern waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Gründung eines islamischen Wohlfahrtsverbandes wünschenswert, jedoch ein mittel- bis langfristiges Ziel sei. Zunächst müsse mit der Entwicklung und dem Ausbau konkreter Angebote vor Ort eine entsprechende Grundlage gelegt werden. Vor diesem Hintergrund wurde vereinbart, den wechselseitigen Austausch im weiteren Projektverlauf fortzusetzen.