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'Bonner Forum' zum Thema "Religion als Integrationsfaktor – Hindernis oder Chance?"

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Josef Isensee, Professor am Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Universität Bonn

Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner, Vorstandsmitglied am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen

Yasemin El-Menouar, Project Manager Programm Lebendige Werte der Bertelsmann-Stiftung

Gabriele Erpenbeck, Vorsitzende des Gesprächskreises Christen und Muslime beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BAPP und wissenschaftlicher Leiter des Forschungsprojekts

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets" finden in regelmäßigen Abständen akademische Diskussionsforen statt, die das stark praxisorientierte Projekt mit wissenschaftlicher Expertise untermauern. Der Fokus des zweiten 'Bonner Forum' am 27. Oktober 2015 war auf die Religion als bedeutender Faktor bei der Integration von Muslimen in die deutsche Mehrheitsgesellschaft gerichtet.
 
Prof. em. Dr. Dr. h.c. Josef Isensee, Professor am Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Universität Bonn, eine Koryphäe auf dem Gebiet des Verfassungsrechts mit jahrzehntelanger Expertise zum Einfluss des Christentums auf die Entwicklung und den Fortbestand des modernen Verfassungsstaates, bildete mit seinem Vortrag "Der säkulare Staat und die Realität der Religionen" den Auftakt des 'Bonner Forum'. In seinen Ausführungen hob Professor Isensee hervor, dass das Einheitsdenken von Staat und Religion im Islam im fundamentalen Widerspruch zum Geist der Moderne stehe. Gleichzeitig sei der moderne säkulare Staat nicht dazu berufen, einen Euroislam nach seinen Bedürfnissen zu gestalten.
 
Eine soziologische Betrachtung des Themas bot Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner, Vorstandsmitglied am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. In seinem Beitrag betonte der renommierte Soziologe, dass moderne Phänomene wie hochgradiger Individualismus und Fundamentalismus moderne plurale Gesellschaften zu fragilen Gebilden machen. Die in Deutschland einzigartige Vereinsstruktur sei daher von besonderer Bedeutung für den Zusammenhalt und das Funktionieren unserer Gesellschaft. Insbesondere im Ruhrgebiet können innerhalb dieser vielfältigen Vereinsstrukturen Konflikte ausgetragen und Integration gefördert werden.
 
Anschließend stellte Yasemin El-Menouar, Project Manager Programm Lebendige Werte die Ergebnisse des Religionsmonitors "Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland" der Bertelsmann-Stiftung vor. Zentrale Erkenntnisse der Studie zeigen auf, dass die Mehrheitsgesellschaft dem Islam zunehmend ablehnend gegenübersteht und diesen verstärkt als Hindernis bei der Integration wahrnimmt. Gleichzeitig führen die stark emotional aufgeladenen Debatten über den Islam und die Muslime zu einem gesamtgesellschaftlichen Rückzug der muslimischen Gemeinden in Deutschland.
 
Diese Ansicht teilt auch Gabriele Erpenbeck, Vorsitzende des Gesprächskreises Christen und Muslime beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. In ihrem Vortrag "Religiosität in der Fremde: Zeichen der Abgrenzung oder hilfreich zur Integration?" zog sie das Fazit, dass für das Gelingen des Integrationsprozesses ein offenes und freundliches Klima sowie ein fairer Diskurs über Fundament und Rahmen des Zusammenlebens von größerer Bedeutung seien als die Religionszugehörigkeit.
 
Die Referenten und Teilnehmer des 'Bonner Forum' kamen zu einem gemeinsamen Resümee: In der deutschen Gesellschaft wird der Islam verstärkt als Hindernis und als Störfaktor im Integrationsprozess empfunden. In seinen abschließenden Worten fasste Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie und wissenschaftlicher Leiter des Forschungsprojekts, zusammen, dass die Wahrnehmung vom Islam stark mit Angst, Sorge und Ablehnung verbunden und diese weit über die Milieus hinaus in die Mitte unserer Gesellschaft vorgedrungen sei. Hier können vor allem Netzwerke des alltäglichen Lebens zur Integration von Zuwanderern beitragen.