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Prof. Dr. Françoise Rétif, Direktorin des Institut Français Bonn

Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie

Serap Güler, Mitglied des Landtages und Mitglied im Bundesvorstand der CDU

Dr. Sascha Lehnartz, 2008 bis Ende 2014 Frankreichkorrespondent der Zeitung „DIE WELT“

Prof. Dr. Claire de Galembert, Soziologin am CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) in Paris

Dr. Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, hat seit 2003 sowohl die deutsche als auch die französische Staatsbürgerschaft inne

Moderierte die Veranstaltung: Alexander Marguier, stellvertretender Chefredakteur des Magazins „CICERO“

Auseinandersetzungen und Debatten rund um den Islam prägen tagtäglich die Schlagzeilen der deutschen und französischen Presse. Am 28. Mai kamen Vertreter aus der Politik, den Medien und der Wissenschaft in der Bonner Akademie zusammen, um über "Jugend und Islam – deutsch-französische Perspektiven" zu diskutieren. 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der gemeinsamen Einladung der Bonner Akademie und des Institut Français.

In Deutschland wie in Frankreich hat sich im Zusammenhang mit Pegida-Demonstrationen und den Parolen des „Front national“ die gesellschaftliche und politische Diskussion um die Radikalisierung muslimischer Mitbürger neu entfacht. Im Mittelpunkt stehen dabei oft die männlichen Jugendlichen muslimischen Glaubens und die Frage danach, wie junge Menschen dazu gebracht werden können, ihre starren Weltbilder zu öffnen. Zwar hat der Islam in Deutschland wie in Frankreich ein Image-Problem, gleichzeitig hat er sich aber auch für viele Jugendliche zu einer neuen Jugendkultur entwickelt und steht für ein neues „way of life“.

Prof. Dr. Françoise Rétif, Direktorin des Institut Français Bonn, und Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, wiesen in ihren einleitenden Worten auf die hohe Relevanz und Aktualität dieser Debatte hin, die vor allem mit Wissen gefüllt werden muss. „Wir müssen über radikale Imame sprechen, wir müssen aber auch über das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft reden, in der sich Ressentiments und Vorurteile zu einem gefährlichen Gemisch vermengen. Und wir müssen über die Rolle der Medien reden, die diese Debatte prägt“, fasste Prof. Bodo Hombach die gesellschaftlichen Aufgaben zusammen.

In der von Alexander Marguier, dem stellvertretenden Chefredakteur des Cicero, moderierten Diskussion, machte die CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler zunächst darauf aufmerksam, dass die Identitätszuweisung, ein Moslem oder eine Muslima zu sein, gleichsam bedeute, zu einer „problematischen“ Bevölkerungsgruppe zu gehören.

In den Medien sind Negativbeispiele von Muslimen überrepräsentiert. Eine derartige Darstellung führt zu Spaltungen in den europäischen Gesellschaften. Die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Claire de Galembert konstatierte, dass der Riss zwischen der muslimischen und der restlichen französischen Gesellschaft noch nie so tief gewesen sei wie heute. Diese „rupture“ sei nicht erst in den vergangenen Jahren entstanden, sondern das Ergebnis einer gesellschaftlichen Konfrontation, die bis in die 1990er Jahre zurückreiche. Aus ihrer Sicht ist es jedoch möglich, diesen Riss mit Hilfe einer offenen Laizität zu kitten.

Ähnlich sieht es der langjährige Frankreichkorrespondent der Zeitung „DIE WELT“, Dr. Sascha Lehnartz, der aus persönlicher Erfahrung bestätigte, welche urbanistische Katastrophe die französischen Banlieues darstellten. Sie seien eine der Hauptursachen für das Auseinanderdriften der französischen Gesellschaft.

Die Möglichkeit einer Überwindung der „rupture“ zwischen der muslimischen und der Mehrheitsgesellschaft sieht der Intendant des Deutschlandradios, Dr. Willi Steul, im Gegensatz zu Prof. de Galembert eher kritisch. Als Ethnologe, Historiker und Theologe hat er sich sowohl wissenschaftlich als auch journalistisch mit den vom Islam geprägten Ländern auseinandergesetzt. Den Islam könne man nur verstehen, indem man ihn in seinen historisch-exegetischen Zusammenhang stelle. Die Stammtischgespräche über den Islam hingegen seien geprägt von Unwissen und mangelndem Verständnis. Hier sieht er die Aufgabe des Journalismus in der Aufklärung und Wissensvermittlung.

Viele Fragen bedürfen weiterhin einer gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung. Gibt es etwas, was Deutsche und Franzosen im Umgang mit muslimischen Mitbürgern voneinander lernen können? Mit welchen integrationspolitischen oder auch zivilgesellschaftlichen Anstrengungen kann die Integration von muslimischen Jugendlichen gefördert werden? Prof. Hombach und Prof. Rétif hoffen, die Öffentlichkeit mit der heutigen Diskussion für die Bedeutung solcher gesellschaftlichen Debatten sensibilisiert zu haben und schauen einer guten Zusammenarbeit zwischen den beiden Bonner Institutionen entgegen.