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Ein Ergebnis des Austausches mit Wissenschaftlern und Praktikern: Wien steht vor ähnlichen Herausforderungen wie das Ruhrgebiet




Michaela Dirnbacher, Vorsitzende des Vereins NL 40, erläuterte das psychosoziale Lernhilfeprojekt des Vereins




Eindrücke aus der Praxis: Das Oma/Opa-Projekt des Vereins NL40




Dr. Bernhard Perchinig vom ICMPD lieferte einen wissenschaftlichen Einblick in den Bedarf älterer Migranten in Wien




Das Projektteam im Gespräch mit Vertretern der Magistratsabteilung 17 für Integration und Diversität der Stadt Wien
 
Im Rahmen des Forschungsprojekts "Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets" reiste das Projektteam um den Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie, Prof. Dr. Volker Kronenberg, am 13./14. Januar 2016 nach Wien. Im Austausch mit Wissenschaftlern und Praktikern aus Österreich wurde deutlich, dass Wien vor ähnlichen Herausforderungen steht wie das Ruhrgebiet. Gleichzeitig hatte das Projektteam Gelegenheit, erfolgreiche Integrationsprojekte und -ansätze kennen zu lernen, die auch für die Arbeit im Ruhrgebiet von besonderem Interesse sind.

Im Fokus des ersten Tages standen Besuche bei innovativen und erfolgreichen Integrationsprojekten sowie der Austausch mit den jeweiligen Projektleitern. Martin Saboi von der Young Caritas ermöglichte dem Projektteam einen umfassenden Einblick in das Straßenfußballprojekt Käfigleague, das Inklusion und Teambuilding über wöchentlich stattfindendes, kostenloses Fußballtraining fördert. Mehr als 650 Mädchen und Jungen trainieren wöchentlich in den 22 Wiener Käfigen, in denen Saboi und seine Mitarbeiter nicht nur Trainings organisieren, sondern auch niederschwellige Beratungs- und Coachingangebote machen. Neben der Vermittlung fußballerischer Fähigkeiten steht somit insbesondere die Stärkung sozialer Kompetenzen im Zentrum des Projektes.

Das Oma/Opa-Projekt des Wiener Vereins NL40 versteht sich als psychosoziales Lernhilfeprojekt. Dort lernen benachteiligte Kinder mit meist muslimischem Migrationshintergrund in einer Eins-zu-Eins-Betreuung mit ehrenamtlich tätigen Senioren. Die Diskussion mit der Vereinsvorsitzenden, Michaela Dirnbacher, aber auch der Besuch der Einrichtung selbst und das Gespräch mit den Teilnehmern machten deutlich, dass nicht nur der Lernerfolg der Kinder im Vordergrund steht, sondern die Entwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen gleichermaßen zu den Projektzielen zählt und durch den ganzheitlichen Ansatz gefördert wird.

Einen wissenschaftlichen Einblick in den Bedarf älterer Migranten in Wien ermöglichte das Gespräch mit Dr. Bernhard Perchinig vom International Centre for Migration Policy Development (ICMPD). Das vom ICMPD durchgeführte Forschungsprojekt zum "Betreuungs- und Pflegebedarf älterer MigrantInnen: Bedarfsabschätzung und Herausforderungen" untersucht die Bedürfnisse der immer größer werdenden Gruppe von Senioren mit Migrationshintergrund in Wien und Linz. Der Befund, dass die spezifischen Bedürfnisse, beispielsweise durch interkulturelle Pflegedienste, bisher nur unzureichend abgedeckt werden, kann in Teilen auch auf das Ruhrgebiet übertragen werden.

Kemal Boztepe, stellvertretender Leiter der Magistratsabteilung 17 für Integration und Diversität der Stadt Wien, ermöglichte einen Einblick in die kommunalen Strukturen. Zu den Aufgaben der Abteilung zählt neben der Analyse der Bedürfnisse und der Entwicklung neuer Förderinstrumente auch die finanzielle Unterstützung vielversprechender Integrationsprojekte mit jährlich rund zehn Millionen Euro. Integration wird so auch in Wien, ganz ähnlich wie im Ruhrgebiet, maßgeblich durch kommunale Einrichtungen und Förderungen gestaltet.

Insgesamt konnte die Bonner Delegation im Gespräch mit den Praktikern und Experten einen umfassenden Einblick in die Integrationsarbeit und die damit verbundenen Herausforderungen in Wien gewinnen. Die Möglichkeit des Austauschs über Landesgrenzen hinweg wurde als Grundlage für ein wechselseitiges Lernen von allen Teilnehmern sehr positiv bewertet. Auch deshalb setzte die Exkursion wichtige Impulse für die fortlaufende Projektarbeit, während die Gesprächspartner in Wien sich sehr interessiert an den bisherigen Erkenntnissen des Forschungsprojektes sowie auch der konkreten Integrationsarbeit im Ruhrgebiet zeigten.