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Das Projektteam zusammen mit den Diskussionsgästen




Projektleiter Dr. Lutz Hachmeister, Prof. Bernd Gäbler, Alexander Becker und Madeleine Myatt (v.l.n.r.) während der Diskussion




Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Abschlussworkshops


 
Zum Abschluss des Forschungsprojektes "Mediennutzungsstudie: Studierende in der Bundesrepublik Deutschland" konnte die Bonner Akademie am 7. Februar 2018 interessierte Gäste begrüßen, denen die Ergebnisse der qualitativen Studie über das Medienrezeptionsverhalten von Studierenden vorgestellt wurden.

Die Projektleiter Dr. Lutz Hachmeister, Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, und Dr. Jasmin Siri, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU München, stellten die Forschungsergebnisse zu Beginn der Veranstaltung vor. Mit der Fragestellung, ob Studierende als intellektuelle Avantgarde und politische Triebkraft in der Gesellschaft verschwunden sind, war das Forschungsprojekt gestartet. Als Ergebnisse des Projektes konnte die ursprüngliche Annahme bestätigt werden, dass im Gegensatz zu vorhergehenden Generationen keine studentische Avantgarde als mehr oder weniger geschlossene Gruppe existiert. Vier Ursachen hierfür stellten die Projektleiter vor: 1. Akademischer Kapitalismus, 2. Kohäsionsverluste, 3. Diskurse über Political Correctness, und 4. Mediale Hypertrophien.

Von den Projektmitarbeiterinnen Theresa Petrausch, Laura Krüger und Katharina Knopke wurden im Anschluss weitere Details der Studie vorgestellt. So konnte eine fast vollständige Verschiebung der medialen Nutzung hin zu den Onlinemedien festgestellt werden, wohingegen lineares Fernsehen und Printmedien kaum noch genutzt werden. Allerdings fiel auf, dass von den befragten Studierenden durchgehend die Notwendigkeit eines multiperspektivischen Blicks auf Ereignisse betont wurde, weshalb verschiedene Medien als parallele Informationsquellen herangezogen werden, um sich zu informieren. Auch der häufige Vorwurf mangelnden gesellschaftlichen Engagements von Studierenden konnte nur teilweise bestätigt werden. Die Hälfte der Befragten engagierte sich in Organisationen und Verbänden, Engagement in Parteien war hingegen nur selten der Fall. Die Studierenden hoben hervor, dass man sich in Einzelfällen gerne engagiere, ihnen aber eine Identifikation mit klassischen Parteien schwer fiele. Dies konnte auch in Zusammenhang damit gebracht werden, dass bei vielen Befragten die Frustrationstoleranz sehr gering ausgeprägt war und Parteien strukturell als starr wahrgenommen wurden. Man könne somit von einer institutionellen Skepsis sprechen, die nicht unpolitisch sei, sondern themenspezifisch zu größerem Engagement führe.

In der anschließenden Diskussion machte Prof. Bernd Gäbler, Professor für Journalismus an der Fachhochschule des Mittelstandes Bielefeld, deutlich, dass er das fehlende akademische Standesbewusstsein auch darauf zurückführe, dass die Spezialisierung und Zerklüftung des Studiums eine Entkoppelung von Studium und Intellektualität bedinge. Gleichzeitig bestünde auf Seiten der Wissenschaft das Problem, dass keine Einstimmigkeit darin herrsche, welches Wissen heute eigentlich zu vermitteln sei, da schließlich reine Informationen hauptsächlich durch Dienste wie Google gewonnen werden könnten. Als drittes Moment führte er an, dass das Studium heute weniger ein Ort des Diskurses als des dienstleisterischen Konsums sei. Madeleine Myatt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Bielefeld, ergänzte, dass beispielsweise das zurückgehende Engagement auch darauf zurückzuführen sei, dass die studienbedingten Hochschulwechsel und die Transnationalisierung des Studiums klassisches Engagement vor Ort auch erheblich erschweren würden. Alexander Becker, Redaktionsleiter der MEEDIA GmbH, lenkte in der Diskussion den Blick nochmals auch auf die mediale Rezeption der Studierenden. Seiner Ansicht nach bestünden kaum mediale Angebote, die direkt an Studenten gerichtet würden, Onlineangebote, die die sogenannten "Millennials" erreichen sollten, seien kaum intellektuell, sondern nur ökonomisch am Verkauf von Storys an diese interessiert. Zudem wies er darauf hin, dass viele Studierende durch Instagram und andere Plattformen schließlich selbst zu Medienmachern würden und damit den Bedarf selbst teilweise abdecken könnten, wenn dies nicht angeboten werde.