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Der Zwischenworkshop fand am 20. Juli 2017 in Berlin statt




Das Projektteam stellte erste Ergebnisse vor und skizzierte das weitere Vorgehen




Die Forschungsprojektleiter zusammen mit dem Praxisexperten und den Referenten der Veranstaltung

 
Zum Forschungsprojekt "Mediennutzungsstudie: Studierende in der Bundesrepublik Deutschland", bei dem die Mediennutzung der knapp drei Millionen an deutschen Hochschulen immatrikulierten Studierenden im Hinblick auf ihr politisches Bewusstsein erforscht wird, fand am 20. Juli 2017 in Berlin ein Zwischenworkshop statt, bei dem erste Projektergebnisse vorgestellt und diskutiert sowie die weitere Projektarbeit skizziert wurden.
 
In seiner Begrüßung sprach Andreas Krautscheid, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. und Projektpate des Forschungsprojekts, von seinem besonderen Interesse als ehemaliger Medienminister des Landes Nordrhein-Westfalen und dankte den beiden Projektleitern, Dr. Jasmin Siri von der Universität Bielefeld und Dr. Lutz Hachmeister vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik Köln, für ihre Arbeit.
 
Dr. Hachmeister erläuterte in seiner Einführung die Zielgruppe: Studenten deutscher Hochschulen, die als soziale Gruppe – besonders in Bezug auf die Mediennutzung – bislang zu wenig erforscht worden sei. Diese stellten die zukünftige Funktionselite der Bundesrepublik Deutschland dar, würden aber in Studien zu häufig lediglich unter dem Schlagwort "die Jugend" zusammengefasst und verallgemeinert.
 
Ergänzend zu Dr. Hachmeisters Ausführungen erläuterte Dr. Siri gemeinsam mit zwei Projektmitarbeiterinnen vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik der Universität Bielefeld die Arbeitsweise des Projektteams. Dabei konzentrierte sie sich auf Studien der Vergangenheit, vor allem die von Helmut Schelsky im Jahr 1955 durchgeführte Studie über die "skeptische Generation". Diese habe wenige repräsentative Ergebnisse erbracht, dafür allerdings qualitative Paradigmen für zukünftige Studien zum Thema Studenten und Medien geliefert. Anschließend erläuterten die Institutsmitarbeiterinnen Theresa Petrausch und Laura Krüger die Vorgehensweise der vorliegenden Studie. Die Gruppe der Befragten rekrutiere sich aus 60 Masterstudenten aus acht Studienrichtungen und sämtlichen Bundesländern, die durchschnittlich 26 Jahre alt seien. So werde versucht, möglichst repräsentative Ergebnisse aus der gesamten Bundesrepublik zu erhalten.
 
Die Befragungen, so Krüger, hätten ergeben, dass Studenten soziale Medien weniger zur Kommunikation als zur Aneignung und zum Teilen von Informationen nutzten, und dass es keinen gemeinsamen studentischen Habitus und keine gemeinsamen Vorbilder gebe. Der Grund hierfür, so mutmaßte sie, liege eventuell in der verkürzten Studienzeit seit der Bologna-Reform.
 
Dr. Siri betonte, dass die jungen Menschen die Medien sehr bewusst und präzise nutzten. Politische Kenntnisse seien vorhanden. Allerdings, so ergänzte Dr. Hachmeister, habe sich der Fokus von der Politik zu Technologie und Medien verschoben. Er führte als Beispiel die durchschnittliche Beteiligung an Wahlen zu Studentenparlamenten deutscher Hochschulen an, die von 40% im Jahr 1968 auf ungefähr 15% im Jahr 2017 gesunken sei. Viele Studenten seien politisch interessiert und aktiv, jedoch habe vor allem das Engagement in Parteien in der Studentenschaft nachgelassen. Die Parteien hätten Probleme, Nachwuchs zu generieren, da ihren Hochschulgruppen und deren Tätigkeiten an den Universitäten zu wenig Interesse entgegengebracht werde.
 
Im Anschluss an die Präsentation des zwischenzeitlichen Projektstandes kommentierten in einer Diskussion der Autor Philipp Albers, Mirko Derpmann, Creative Director der Werbeagentur Scholz & Friends, sowie Tilmann Warnecke, "Tagesspiegel"-Redakteur im Ressort "Wissen", die Umfrageergebnisse. Philipp Albers stellte die kritische Nachfrage, was genau der Begriff "Mediennutzung" eigentlich bedeute und wie die Studenten und jungen Menschen allgemein heutzutage Medien und soziale Netzwerke zur Kommunikation nutzten. Tilmann Warnecke stellte die Frage, ob sich die Ergebnisse der Studie wesentlich von denen einer potenziell in den 1990er Jahren durchgeführten unterscheiden würden, oder ob sich zwar die Medien modernisiert hätten, die Studenten als Bevölkerungsgruppe in ihrer Diversität jedoch relativ gleich geblieben seien. Mirko Derpmann berichtete aus der Perspektive eines Werbefachmanns, dass Studenten als Zielgruppe schwer definierbar seien, da sie sich untereinander in zahlreiche sehr kleine, oft nur schwer einzeln erreichbare Gruppen unterteilten. Auch daran, so mutmaßte er, könne es eventuell liegen, dass es so wenige Forschungsprojekte mit Studenten als Untersuchungsgegenstand gebe.