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Auftaktworkshop zum Forschungsprojekt "Mediennutzungsstudie: Studierende in der BRD"



Die Projektleiter Dr. Jasmin Siri (l.) und Dr. Lutz Hachmeister (2.v.l.) im regen Meinungsaustausch mit Prof. Dr. Jürgen Fohrmann (M.), Kuratoriumsmitglied der Bonner Akademie und ehemaliger Rektor der Universität Bonn



Blick in den Veranstaltungsraum
Obwohl in Deutschland knapp drei Millionen Studierende an Hochschulen immatrikuliert sind, ist diese Gruppe der Bevölkerung im Hinblick auf ihre Mediennutzung und ihr politisches Bewusstsein nahezu unerforscht. Diese Forschungslücke gilt es zu schließen, da die Frage, wie sie Nachrichten diskutieren und verfolgen, wesentliche Aspekte der Demokratie und Teilhabe berührt.

Der Geschäftsführer der Bonner Akademie, Dr. Karsten Jung, stellte in seiner Begrüßung das neue Forschungsprojekt vor und unterstrich die Bedeutung der Forschungsprojekte als zentrale Säule der Arbeit der Bonner Akademie.

In seinem einleitenden Vortrag beschrieb der Projektleiter Dr. Lutz Hachmeister, Gründungsdirektor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM), die Ergebnisse vorhergehender Studien, die hauptsächlich einen negativen Blickwinkel auf die jeweiligen Studentengenerationen warfen. Insbesondere die unzähligen Bücher zu den verschiedenen Jugendgenerationen suggerierten hier eine ständige Auseinandersetzung mit Jugend und Studenten, jedoch sei dies in den vergangenen 20 bis 30 Jahren – mit Ausnahme der Shell-Jugendstudien – ohne ein valides empirisches Fundament geschehen und somit die Studenten als eigene Untersuchungsgruppe vernachlässigt worden.

Die Projektleiterin Dr. Jasmin Siri, Universität Bielefeld, erläuterte in ihrem Vortrag die qualitative Interviewanalyse der Mediennutzungsstudie mit Blick auf die Präzisierung der Fragestellungen sowie die individuelle und persönlich stattfindenden Befragungen der Studierenden an ihren jeweiligen Hochschulorten und betonte hierbei die Wichtigkeit von face-to-face-Umfragen.

Die ersten Ergebnisse aus dem Pre-Test und der Studie wurden von den Projektmitarbeiterinnen Laura Krüger und Theresa Petrausch vorgestellt. Die bisher vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin bei Masterstudenten verschiedener Fächer durchgeführten Interviews deuten bereits an, dass sowohl eine ungezielte mediale Rezeption wie auch unklare politische Positionierungen Bestandteil der Ergebnisse sein könnten und sich eher ein soziales wie auch politisches Engagement jenseits von Parteien als präferierte Betätigungsfelder der Studenten herausstellen könnten.

In der Abschlussdiskussion "Medienwandel = Generationenwandel?" stellte Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, Kuratoriumsmitglied der Bonner Akademie und ehemaliger Rektor der Universität Bonn, heraus, dass die heutige Mediennutzung sehr individualistisch sei und damit die Synchronizität der medialen Rezeption – wie sie Jahrzehntelang durch das Fernsehen zeitlich wie thematisch hergestellt wurde – bei jüngeren Generationen nicht mehr gegeben sei und somit eine Generationendifferenz sichtbar würde. Hieraus ergebe sich schließlich die Frage, ob auch das deliberative Vermögen und damit die Befähigung zur Einschätzung von Sachverhalten betroffen seien. Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, ergänzte die Beobachtungen, indem er auf die bei der Wahlkampagne für Donald Trump und der Brexit-Kampagne eingesetzte Community-gerechte Ansprache verwies, die eine wesentlich veränderte und diversifizierte Form der Öffentlichkeit erahnen ließen.