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Zum Forschungsprojekt "Kirchen als Träger vorsorgender Sozialpolitik", fand am 12. Juni 2015 ein weiterer Expertenworkshop statt, der sich mit dem Beitrag der kirchlichen Wohlfahrtsverbände für die Weiterentwicklung der wohlfahrtsstaatlichen Konzeptionen und Strukturen befasste.

Nach der offiziellen Begrüßung durch die Gastgeberin Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO), skizzierte Projektleiter Prof. Dr. Wolfgang Schroeder den Zusammenhang zwischen allgemeinen wohlfahrtsstaatlichen Neujustierungsbemühungen auf der normativen sowie der strukturell-organisatorischen Ebene und den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden. In einer Zusammenfassung der Ergebnisse des letzten Workshops fokussierte PD Dr. Rudolf Speth die zentrale Fragestellung dieses Workshops: Welche Anpassungen haben die kirchlichen Einrichtungen und deren Selbstverständnisse in den letzten Jahren vollzogen. Gelingt es den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden, sich für das Konzept einer vorsorgenden Sozialpolitik zu öffnen? Haben die Einrichtungen und Dienste der konfessionellen Wohlfahrtsverbände ihre besondere Stellung angesichts der Trends in Richtung Wettbewerb, Public Management und unternehmerischer Führung bewahren können?

Holger Backhaus-Maul von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg befasste sich in seinem Vortrag mit den verschiedenen Formen des Engagements und der Sozialraumorientierung in der Freien Wohlfahrtspflege. Als konkreter Untersuchungsgegenstand wurden der Paritätische Wohlfahrtsverband und seine Landesverbände in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen ausgewählt, die aufgrund ihrer Pluralität und Diversität bei den Einrichtungen und Diensten als exemplarisch für die Freie Wohlfahrtspflege in Deutschland gelten. Die zentrale Fragestellung seiner Studie behandelte den Umfang und die Ausprägungen des Engagements in den Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege. Er stellte fest, dass die Wohlfahrtsverbände einerseits wachsen; andererseits fehle ihnen die Bindung an den lokalen Sozialraum und das Verständnis, Teil einer öffentlichen Infrastruktur zu sein. Das Engagement ist von einem deutlichen stärkeren Anteil von Frauen und älteren Menschen geprägt. Neben der Expertise und den Innovation von außen, die das Engagement den Verbänden außerdem bietet, betonte Backhaus-Maul zugleich aber auch die zuweilen starke Abhängigkeit einzelner Einrichtungen vom ehrenamtlichen Engagement.

Den zweiten Teil des Workshops eröffnete Martin Matz, Vorstand des Diakonischen Werkes in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO). Er betonte, dass die freien Wohlfahrtsverbände durch den fortschreitenden demografischen Wandel und den verstärkten Wettbewerb zwischen freien Wohlfahrtsverbänden und privaten Anbietern, vor allem im Bereich der Pflege, vor neue betriebswirtschaftliche und personelle Herausforderungen gestellt werden. Beantwortet werden diese unter anderem auch durch eine zunehmende betriebswirtschaftliche Professionalität und eine Konzentration der Dienste und Einrichtungen. Zugleich unterstrich Martin Matz die Bedeutung der Konzeption eines vorsorgenden Sozialstaates, um dem präventionsorientierten und infrastrukturellen Aus- und Umbau des Sozialstaates eine Richtung vorgeben zu können. Der Wettbewerb auch innerhalb der Diakonie hat sich verschärft. Gerade der Bereich Bildung, der für eine vorsorgende Sozialpolitik zentral ist, ist für die wohlfahrtsverbandlichen Dienstleistungen schwer zu integrieren. Eine neue Aufgabe ist auch die wirkungsorientierte Steuerung, bei der auch die Geldgeber mitmachen müssen, was allerdings auf staatlicher Seite unzureichend der Fall sei.

Christina Busch, Mitglied des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin, referierte in ihrem Vortrag über die verstärkte Einbindung und Partizipation von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern in den Anpassungsprozess der innerverbandlichen Positionen. Sie betonte die Bedeutung des Ehrenamts in den freien Wohlfahrtsverbänden und stellte das Projekt "Young Caritas" vor, um ehrenamtliche Helfer zu gewinnen und langfristig zu binden. Außerdem verwies Frau Busch auf die Notwendigkeit langfristiger Projekte vor allem im Bereich der Integration und Langzeitarbeitslosigkeit. Frau Busch warb sehr dafür, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Caritas und den diakonischen Trägern im Bereich Berlin zu praktizieren, um vor allem bei spezifischen Projekten die vorhandenen Kräfte so zu bündeln, damit die gewachsenen Aufgaben besser bewältigt werden können.

Im Fazit wurden die Ergebnisse des Workshops auf die drei Dimensionen der Fragestellung bezogen: Mit Blick auf die analytisch-konzeptionelle Ebene wurde festgestellt, dass die kirchlichen Wohlfahrtsverbände eigene normative Stärken in Richtung Vorsorgen und Vorbeugung entwickeln. Auf der zweiten Ebene der Organisationen kam es durch wettbewerbliche Anreize zu Veränderungen in den Organisationen. Auf der dritten Ebene der Strategie sind Lernprozesse in den Führungsstrukturen der Wohlfahrtsverbände zu verzeichnen.