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Abschlussworkshop zum Forschungsprojekt "Zwischen Einfluss und Mitgliedschaftslogik: Interessenverbände und ihre Mitglieder"



Praxisexpertin des Forschungsprojekts: Birgit Fischer (M.), Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sowie Ministerin a.D.



Projektleiter Prof. Dr. Tim Spier (2.v.r.) und Prof. Dr. Christoph Strünck (r.) stellten das Studiendesign sowie die Forschungsergebnisse dar



Anschließend wurden die Ergebnisse zusammen mit den eingeladenen Experten diskutiert
 
Zum Abschluss des Forschungsprojekts "Zwischen Einfluss und Mitgliedschaftslogik: Interessenverbände und ihre Mitglieder" fand am 28. Oktober 2016 ein Workshop statt, bei dem die Projektleiter die Forschungsergebnisse vorstellten, diese im Anschluss zusammen mit den eingeladenen Experten diskutierten und Ausblicke auf die weiteren Betrachtungsmöglichkeiten des Themas lieferten.

In seiner Begrüßung betonte der Geschäftsführer der Bonner Akademie, Dr. Karsten Jung, den hohen Praxisanteil des Forschungsprojektes. Er unterstrich die Bedeutung des Themas angesichts einer allgemein wahrnehmbaren Veränderung der Organisation von Berufsständen.

In ihrer Einführung betonte die Praxisexpertin Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sowie Ministerin a.D., die Veränderungen in der deutschen Verbändelandschaft. Ärztinnen und Ärzte organsierten sich zunehmend spezialisiert, was zu einem Mitgliederschwund bei den großen Verbänden führe. Damit einhergehend sei auch die Durchsetzungskraft auf politischer Ebene schwächer geworden. Trotzdem seien die Verbände weiterhin maßgeblicher Ansprechpartner für die Politik, die eine gesunde Verbändelandschaft brauche. Neben dem Trend zu Spezialverbänden sei auch die damit verbundene Stärkung der individuellen Interessenvertretung verbunden. Die jahrzehntelange Einheit der Ärzteschaft habe nun Risse bekommen. Hinzu kämen auch häufige Mehrfachmitgliedschaften, die zu einer weiteren Heterogenität der Verbände beitragen würden. Grundsätzlich betonte Fischer, dass die Verbände einen Paradigmenwechsel von reiner Inhaltskompetenz, hin zu einer Prozesskompetenz vollziehen müssten. Ebenso sei das Erklären heute wichtiger als das Überzeugen.

Die Projektleiter Prof. Dr. Tim Spier und Prof. Dr. Christoph Strünck stellten anschließend das Studiendesign sowie die Forschungsergebnisse dar. Die Studie verfolgte die Kernfragen nach a) den konkreten Anreizen, um Mitglieder für Verbände zu gewinnen, b) die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Struktur und Aktivität der Mitglieder, und c) eventuelle Rückwirkungen auf den politischen Einfluss eines Verbandes. Die Fragen folgten zwei Grundannahmen der Verbändeforschung. Demnach seien Mitglieder mehr and den Dienstleistungen eines Verbandes interessiert als am eigentlichen Verbandszweck, und jüngere Berufsgruppen seien stärker nutzerorientiert. Als Ergebnis hielten beide fest, dass die wachsenden Verteilungs- und Statuskonflikte im deutschen Gesundheitssystem die Bedeutung der Interessenvertretungen in Zukunft erhöhen werden. Die Mitglieder nutzen Wahl- und Artikulationsmöglichkeiten darüber hinaus gezielter, und erwarten mehr von ihren Verbänden.

In der anschließenden Dialogrunde diskutierten Praxisvertreterinnen und Praxisvertreter die aktuellen Herausforderungen für Ärzteverbände. Armin Hehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes berichtete über den eigenen Umbau von einem Mitgliederverband zu einer Gewerkschaft. Ebenso sei die Zusammensetzung der Mitglieder heterogener geworden. Dr. Burkhard Scheele, Hauptgeschäftsführer des Berufsverbandes der Frauenärzte, erläuterte das Verbandsprinzip von der Bundes- bis auf die Bezirksebene und wies auf die Wichtigkeit der "kleinsten Zellen" in Verbänden hin. Diese sei das wichtigste Vertretungselement. Susanne Paelmke, Justiziarin des Deutschen Hausärzteverbandes, bemerkte eine starke Professionalisierung der Verbände. Ihr Verband sei ein föderal strukturierter Dachverband, leide aber unter dem negativ besetzten Berufsbild des Hausarztes. Tilo Radau, Geschäftsführer des Berufsverbandes Deutscher Internisten, bemerkte eine starke Konkurrenz zwischen den Verbänden. Wenn man sich zusammenschlösse, hätte man einen Organisationsgrad von 95% erreicht. Um generell neue Mitglieder zu werben, seien vor allem die Konditionen der Mitgliedschaft maßgeblich und die Angebote an die Mitglieder dementsprechend auszubauen.