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Prof. Dr. Tim Spier, Co-Projektleiter, Universität Siegen

Prof. Dr. Christoph Strünck, Co-Projektleiter, Universität Siegen

Prof. Dr. Tanja Klenk, Universität Kassel

Katharina van Elten, Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Thomas Gerlinger, Universität Bielefeld

Dr. Hans Werner Busch, Institut für Verbandsmanagement

Dr. Thomas Brechtel, 37 Grad Analyse und Beratung GmbH
 
Mit einer Expertendiskussion startete am 3. März 2016 das Forschungsprojekt "Ärzteverbände und ihre Mitglieder: Interessenlagen, Motive, Konflikte". Das von der Bonner Akademie ausgerichtete Forschungsprojekt steht unter der gemeinsamen Leitung der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Strünck und Prof. Dr. Tim Spier von der Universität Siegen.

In seiner Begrüßung hob der Geschäftsführer der Bonner Akademie, Karsten Jung, die praxisorientierte Ausrichtung des Projektes hervor. Es unterstreiche damit den Anspruch der Akademie, Wissenschaft und Praxis zu verbinden. Einer der Projektleiter, Prof. Dr. Christoph Strünck, erläuterte anschließend den Forschungsschwerpunkt. Die bisherige Verbändeforschung habe sich zu sehr auf die politischen Einflussmöglichkeiten konzentriert, und zu wenig auf die Mitglieder. Vor allem durch abnehmende Mitgliederzahlen und schwindendes Engagement erhalte das Thema hohe Bedeutung. Prof. Dr. Tim Spier erklärte im Anschluss, dass man alle approbierten Ärzte befragen wolle, um vor allem die Gründe für die Verbandszugehörigkeit zu erfassen.

Im anschließenden Vortrag stellte Prof. Dr. Tanja Klenk von der Universität Kassel die aktuellen Entwicklungen auf der politischen Ebene dar. Verbände seien durch den Korporatismus stark in den Gesetzgebungsprozess eingebunden, werden durch den Gesetzgeber aber immer mehr zu gegenseitigen Wettbewerbern. Vor allem Sondervereinbarungen mit einzelnen Verbänden führen zu einem stetigen Abbau der gemeinschaftlichen Interessenvertretung.

Dass Ärzteverbände sehr unterschiedliche Interessen vertreten, stellte Katharina van Elten von der Ruhr-Universität Bochum dar. Doch trotz innerverbandlicher Meinungsunterschiede, sei die Austrittswahrscheinlichkeit niedrig, da dem Berufsethos die Mitgliedschaft z.B. in der Ärztekammer entspreche. Neue Ärztegenerationen – vor allem ein höherer Ärztinnenanteil und das Lebensgefühl der Generation Y – würden jedoch für eine zunehmende Veränderung sorgen.

Prof. Dr. Thomas Gerlinger von der Universität Bielefeld führte drei Probleme an, die sich als zusätzliche Treiber der Veränderungen darstellen: Der allgemeine medizinische Fortschritt, die zunehmende Spezialisierung und der Einsparungsdruck vonseiten der Politik. Hinzu kommen zunehmende Regulierungen, wie zum Beispiel Qualitätsvorschriften, die dem Autonomieverständnis der Ärzte zuwider laufen. Zusammenfassend stellte er jedoch fest, dass nicht alle Ärzteverbände in gleichem Maße von den Veränderungen betroffen seien.

Aus der Praxis berichtete Dr. Hans Werner Busch vom Institut für Verbandsmanagement in Potsdam. Auch in der Verbändeberatung stelle er fest, dass der Mitgliederschwund das größte Problem darstelle. Noch gravierender sei aber ein fehlendes Mitgliedermanagement durch die Verbände. Er schlussfolgerte, dass die Interessen der Mitglieder erfasst und dann auch ernst genommen werden müssten.

Dr. Thomas Brechtel von der Kölner 37 Grad Analyse und Beratung GmbH berichtete über seine Ärztestudie aus den 1990er Jahren. Seit seiner Studie habe es wenige weitere Untersuchungen in diesem Feld gegeben, so dass er den Teilnehmern wertvolle Erfahrungen aus der damaligen Forschungspraxis mitteilen konnte.

In der abschließenden Diskussion wurde vor allem der Einfluss durch den digitalen Wandel hervorgehoben. Innovationen wie digitale Honorarabrechnungen und Überweisungen sorgen zusätzlich für ein sich grundlegend änderndes Arbeitsumfeld. Auch die zunehmende Kommerzialisierung von Patientendaten durch Big Data wurde intensiv diskutiert.