Developed in conjunction with Joomla extensions.

Auftaktveranstaltung zum Forschungsprojekt „Großprojekte in Politik und Wirtschaft als unternehmerische und politische Herausforderung“
Am 7. März 2013 lud Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, zur Auftaktveranstaltung für das Forschungsprojekt "Großprojekte in Politik und Wirtschaft als unternehmerische und politische Herausforderung" mit Dr. Jürgen Großmann, Alleingesellschafter der Georgsmarienhütte Holding GmbH und Vorsitzender des Kuratoriums der RAG-Stiftung. Die Moderation des Abends übernahmen die Projektleiter der Forschungsgruppe Prof. Dr. Volker Kronenberg, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn, und Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock. Zahlreiche Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Medien, Politik und Wissenschaft waren der Einladung gefolgt.


Bodo Hombach
 
Nachdem Bodo Hombach die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßt hatte, stellte er die für die spätere Diskussion leitende Frage, ob "Deutschland überhaupt noch fähig sei, Herausforderungen durch Großprojekte zu meistern?" Es folgte eine Einführung in das Forschungsprojekt durch Prof. Hennecke und Prof. Kronenberg.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die vier Themenschwerpunkte sowie ein konkretes Fallbeispiel aus der Praxis zu untersuchen:

1. Die Untersuchung des Aspekts des Protests und der Akzeptanz von Großprojekten.
2. Die Analyse der Bereiche Planungsrecht und –verfahren.
3. Die Begründung von Großprojekten aus der Sicht von Unternehmen.
4. Die Begründung von Großprojekten aus der Sicht der Politik.

Prof. Kronenberg betonte den besonderen Praxisbezug des Forschungsprojekts. Das Pumpspeicherkraftwerk Rursee soll im Rahmen der Energiewende zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht werden. Dabei soll das Interessengeflecht innerhalb des Investitionsprojektes analysiert und auf Basis wissenschaftlicher Fragestellungen nachvollzogen werden.


Prof. Dr. Frank Brettschneider
 
Protest hat vielfältige Gründe; Kommunikations-Management muss permanenter Bestandteil des Projektmanagements sein
Zur Aufarbeitung des ersten Themenschwerpunktes "Protest und Akzeptanz" hielten Prof. Dr. Frank Brettschneider, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, und Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer TNS Emnid, jeweils ein Impulsreferat. Prof. Brettschneider konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Gründe des Protests und die Kommunikation im Zusammenhang mit Großprojekten. Neben den NIMBYs ("Not in my backyard") könne eine ablehnende Haltung projekt- und kommunikationsspezifischer Natur sein oder auf eine allgemeine Zurückhaltung gegenüber der Politik zurückgeführt werden. Auch verborgene Gründe ließen sich finden, wie "das Rauben der kulturellen Identität". Brettschneider empfahl den Vorhabenträgern ihre Kommunikation systematisch zu planen und umzusetzen sowie das Kommunikations-Management als permanenten Bestandteil des Projektmanagements anzusehen.


Klaus-Peter Schöppner
 
Strukturfairbesserungen statt Trillerpfeifendemokratie
Klaus-Peter Schöppner sah in seinem Vortrag "die Zukunftsfähigkeit Deutschlands in großer Gefahr", weil eine große Mehrheit stillschweigende Demokratieakzeptanz, aber auch Desinteresse zeige und Minderheiten lautstark protestierten. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, empfahl er sogenannte "Strukturfairbesserungen". Zentraler Bestandteil dieser "Fairbesserungen" sei es, das Vertrauen des Volkes in die Politik wieder herzustellen.
In der anschließenden Diskussion bekräftigte Prof. Brettschneider die Notwendigkeit, langfristiges Vertrauen aufzubauen und in der Kommunikation Emotionen zu transportieren, was für die Akzeptanz und für das erfolgreiche Gelingen von Großprojekten essentiell sei. Klaus-Peter Schöppner sieht jüngere Generationen mit Blick auf den aktuellen "Zukunftspessimismus" optimistischer eingestellt.





Dr. Jürgen Großmann
 
Bei allen Chancen der Energiewende dürfen auch die Risiken nicht übersehen werden
Im zweiten Teil des Abends beleuchteten der Co-Projektleiter des Forschungsprojekts Dr. Jürgen Großmann und Ursula Heinen-Esser, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, die unternehmerischen und politischen Herausforderungen von Großprojekten. Dr. Großmann konzentrierte sich auf die Energiewende, bei der die Risiken nicht zu übersehen seien, die in "einer Überstrapazierung unserer industriellen Basis und in einer nachlassenden Akzeptanz der Gesellschaft" lägen. Laut Großmann würden die Risiken steigen, "wenn die volkswirtschaftlichen Kosten in die Höhe schnellen". Um dieses Spannungsverhältnis auszutarieren, sei "mehr Markt und weniger Staatseingriff" nötig. "Ich wünsche mir den politischen Mut, auch eingefahrene Gleise bei der Energiewende zu verlassen, wenn sich – wie gegenwärtig an vielen Stellen – herausstellt, dass wir noch keine optimale Lösung gefunden haben", so Großmanns abschließendes Plädoyer.



Ursula Heinen-Esser

 
Breite, abstrakte Akzeptanz der Energiewende
Dass die Energiewende eine breite, abstrakte Akzeptanz genieße, bestätigte Ursula Heinen-Esser. Diese Akzeptanz sinke jedoch, wenn der Bürger direkt von möglichen negativen Konsequenzen betroffen wäre. Wie schwer es sei, Großprojekte durchzusetzen, veranschaulichte Heinen-Esser mit der Tatsache, dass seit Stuttgart 21 kein größeres Projekt mehr durchgesetzt wurde. Um die Entwicklung in Richtung breiterer Akzeptanz zu stärken, wurde innerhalb des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eine neue Abteilung gegründet, die mithilfe der Entwicklung von Beteiligungsmodellen die Bürgerbeteiligung stärken solle.
Dr. Großmann warf in der darauffolgenden Diskussion die Frage auf, ob ein sowohl marktbasiertes als auch hoheitliches System bei der Stromversorgung grundsätzlich nebeneinander bestehen könne. Schließlich sehe er den Staat am Ende als Energieunternehmer. Auch die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Energiewende sieht er kritisch, mit dem Verweis, dass eine erfolgreiche Umsetzung noch nicht endgültig abzusehen sei. Ursula Heinen-Esser stellte dem das wachsende Interesse und die größere Zustimmung bei den europäischen Nachbarländern entgegen.


Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke, Prof. Dr. Volker Kronenberg, Dr. Jürgen Großmann (v.l.n.r.)
 
Prof. Kronenberg und Prof. Hennecke bedankten sich bei den Teilnehmern für eine äußerst anregende Diskussion. Sie freuen sich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Co-Projektleitern Dr. Jürgen Großmann und Michael Vassiliadis und blicken mit Zuversicht auf die kommende Forschungsarbeit.





Den Bericht des Bonner General-Anzeigers zur Veranstaltung können Sie hier abrufen.