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Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts „Globale Krisen - nationale Proteste" in Berlin


Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie


Prof. Dr. Marianne Kneuer, Projektleiterin, Universität Hildesheim


Dr. Saskia Richter, Projektleiterin, Universität Hildesheim


Andreas Krautscheid, Staatsminister a.D. und Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband deutscher Banken e.V.


Thomas Jarzombek MdB, CDU-Obmann und ordentliches Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda


Nadine Grippekoven, Mitglied der Occupy-Bewegung


Matthias Merkle, Mitglied der Occupy-Bewegung
Zum Abschluss des Forschungsprojekts „Globale Krisen - nationale Proteste: Empörungsbewegungen nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte und die Rolle des Internets“ organisierte die Bonner Akademie in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Banken am 4. November eine Diskussionsveranstaltung, in der erörtert wurde, welche Funktionen Soziale Netzwerke bei modernen Protestbewegungen einnehmen und inwieweit sie diese beeinflussen.

Die Begrüßung der Gäste übernahm Andreas Krautscheid, Staatsminister a.D. und Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband deutscher Banken e.V. In diesem Zusammenhang erinnerte er sich an seine persönlichen Erfahrungen mit der Occupy-Bewegung und setzte sich zudem mit dem Begriff „Empörung“ auseinander – dem „Ausdruck einer empfundenen Entwürdigung“, so Krautscheid. Im Anschluss folgte eine thematische Einführung von Bodo Hombach, dem Präsidenten der Bonner Akademie, der die Hauptfrage des Abends einleitete: „Was ist neu an den aktuellen Protestbewegungen?“ Mit dem Internet habe etwas Neues begonnen, hielt Hombach fest. Dieses schaffe in Verbindung mit Empörungsbewegungen zwar nicht direkt etwas Neues, verschärfe jedoch die Fähigkeiten des Alten und biete darüber hinaus massenhaft Möglichkeiten, Empfindungen auszudrücken.

Die beiden Forschungsprojektleiterinnen, Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter von der Universität Hildesheim, stellten daraufhin die Ergebnisse des Forschungsprojekts vor. Prof. Kneuer erläuterte zunächst die für das Forschungsprojekt relevanten Bewegungen: Die „Geração à rasca“ in Portugal, die „Democracia Real Ya“ in Spanien, sowie die Occupy-Bewegungen in Deutschland, Großbritannien und den USA. Eine der Hauptfragen des Projekts beschäftigte sich damit, welche Rolle die Sozialen Medien bei der Verbreitung von Inhalten und Emotionen sowie bei der Organisation von Protesten spielten. Außerdem sollte herausgefunden werden, was über das Internet transportiert wurde, ob dies ein nationaler oder transnationaler Prozess war und welche Reaktionen im Netz ausgelöst wurden. Dazu untersuchte das Forschungsteam je 1000 Posts und Tweets der Sozialen Netzwerke Facebook und Twitter an jeweils drei Zeitpunkten in den Jahren 2011 und 2012. Dr. Richter präsentierte die Ergebnisse der ausgewerteten Erhebungen. Dabei war am auffälligsten, dass die Internetplattformen hauptsächlich auf nationaler Ebene zur Organisation von Protesten genutzt wurden, Emotionen spielten entgegen den Erwartungen der beiden Projektleiterinnen eine eher nachgeordnete Rolle.

Im Anschluss fand eine Diskussionsrunde statt, an der neben Andreas Krautscheid auch Thomas Jarzombek MdB, CDU-Obmann und ordentliches Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda, sowie Nadine Grippekoven und Matthias Merkle, beide Mitglieder der Occupy-Bewegung, teilnahmen. Die Moderation übernahm Dr. Kathrin Voss, freiberufliche Beraterin und Herausgeberin des Buches „Internet und Partizipation“.

Auf die Frage hin, wie er die Occupy-Bewegung wahrgenommen habe, schilderte Andreas Krautscheid das Gefühl der Ratlosigkeit, mit dem sich viele Banker zunächst konfrontiert sahen und erzählte davon, wie schwer es gewesen sei mit den Aktivisten einen nachhaltigen sowie fortdauernden Dialog aufzubauen. Matthias Merkle erwiderte daraufhin, dass es „bei der Bewegung nicht darum ging, Lösungen zu finden, sondern darum, zu demonstrieren, dass es so nicht weitergehen kann. Deswegen haben sich Aktivisten auch im Dialog schwergetan, über Details zu sprechen.“

Sowohl Merkle als auch Nadine Grippekoven wiedersprachen der Studie von Prof. Kneuer und Dr. Richter in einem Punkt: Der Protest sei überwiegend international gewesen, so Grippekoven, die allerdings bestätigte, dass sie die Sozialen Medien hauptsächlich für Organisation und Vernetzung genutzt hatte. Die Frage, ob die Empörungsbewegung denn nun ein nationales oder ein internationales Phänomen war, beantwortete Thomas Jarzombek mit dem Satz „Das Markenzeichen ist global, das ‚Doing‘ national.“ Krautscheid kam erneut auf die Rolle der Sozialen Medien zurück, die seiner Meinung nach für die politische Meinungsbildung eine ganz neue Qualität liefere. Zudem solle „ein politisches System dazu in der Lage sein, solche Empörungsbewegungen aufzusaugen und positiv zu verarbeiten.“

Zum Abschluss der Veranstaltung ergriff Prof. Dr. Marianne Kneuer erneut das Wort und dankte den Teilnehmern der Diskussionsrunde und dem Publikum.